Reisebericht Griechenland – Milos

Ein neuer Tag, ein neues Ziel. In diesem Fall handelte es sich um Milos. Die südwestlichste Insel der Kykladen, die Insel der Farben und die Fundstelle der Venus (von Milo).

Der Morgen begann entspannt mit einem Freddo Cappuccino neben der Kerameikos Metro-Station, wurde am Flughafen mit der Begrüßung “Can you run?” dann aber doch noch stressig. Die obligatorische Antwort “yes, of course!” führte dazu, dass wir das dann doch nicht so weit entfernt liegende Gate verschwitzt und außer Atem erreichten um dort dann noch 45 Minuten auf den verspäteten Flug zu warten. Morgensport abgehakt. Die Dash 8 propellerte über die nordwestlichen Kykladen und landete auf dem kleinsten Flughafen, den ich bis jetzt gesehen habe. Landebahn, Tower, Abfertigungshalle. Eigentlich wie überall aber das maximal 5 Meter lange Gepäckband ergibt einen guten Größenvergleich.

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Das Appartement (das Bild oben zeigt übrigens die Aussicht von der Terrasse – geil, oder?) befand sich im Hauptort Plaka, welcher nördlich des Hafenorts Adamas auf einer Anhöhe liegt. Von weitem ist der, den Ort überragende und das Kastro, die alte venezianische Festung, beherbergende, Vulkankegel zu sehen, was den Taxifahrer die Frage, wo es hin geht, mit “to the top of the hill” beantworten ließ.

Plaka ist ein schönes kleines Dorf, die Grenzen sind fließend, da es mit den umliegenden Dörfern mehr oder weniger zusammengewachsen ist. Der eigentlich Ortskern findet sich leicht durch immer enger werdende Gassen, welche auch schon mal einem Irrgarten gleichen. Für Ruhe ist gesorgt, sind diese Gassen doch unbefahrbar. Unvergesslich ist der Blick von der direkt am Westhang gelegenen Kirche Panagia Korfiatissa. Sowohl tagsüber als natürlich auch beim fast schon kitschig schönen Sonnenuntergang bietet der von einem großen Kieselsteinmosaik verschönerte Kirchplatz einen Platz zum Verweilen und die Seele schweifen lassen.

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Eine kurze Pause gab es auf dem Roof Garden des En Plo. Fava (das beste bis jetzt, es waren diesmal noch Kapern auf dem gelben Erbsenpüree), Teigtaschen mit inseleigenem Käse, Tomatenbällchen, leicht scharfes Hackfleisch-Käse-Saganaki und weißer Hauswein. Ob das jetzt der Vorsaison geschuldet ist oder nicht, jedenfalls herrschte eine familiäre Stimmung. Der Kellner war mit uns im Flugzeug und in der Küche kochte die Oma (?). Wir waren die einzigen Gäste, geschmeckt hat es sehr gut und den Blick hätte man noch viel länger genießen können.

Der notwendige Proviant wurde in einem unweit gelegenen Supermarkt gedeckt, danach ging es zurück zum Sitzen und Schauen auf die eigene Terrasse. Eine fast menschenleere Ruhe, verbunden mit einem umwerfenden Blick und gekrönt von einem fast schon unwirklichen Sonnenuntergang. Oliven, Käse und Wein. Perfekt!

Am nächsten Tag ging es zu Fuß an den Hafen in Adamas. Hauptsächlich läuft man hier die Straße entlang, es gibt aber einige Abkürzungen. Nach einer Mischung aus Frühstück, griechischem Kaffee, und Mittagessen, Fava und Oktopussalat, konnten wir gleich daneben ein Auto mieten. Die Insel ist verhältnismäßig groß, ein eigenes Gefährt ist hilfreich. Bei einem Preis von 20 EUR pro Tag sollte das auch kein Problem darstellen. Mit dem kleinen Gelben ging es auf Erkundungsfahrt. Die fast schon surrealistische Mondlandschaft aus geschliffenen weißen Bimsstein von Sarakiniko an der Nordküste wird durch das vor sich hinrostende Wrack perfekt ergänzt. Teils eingebrochene, mit Meerwasser geflutete, Höhlen, vorgelagerte Felsen und auch ein sehr ruhiger Strand mit flachem Wasser bieten genug für einen kurzen oder auch längeren Aufenthalt.

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Weiter ging es nach Apollonia, ganz im Nordosten. Ein ruhiges Feriendorf mit einem schönen, von Tavernen umsäumten, Hafen bzw. Strand. Hier kann man es durchaus aushalten wobei auf Dauer für mich etwas zu wenig “echtes” Leben herrscht. Wohlgemerkt ich rede hier von der Vorsaison aber das Verhältnis Einheimische und Touristen dürfte in der Hauptsaison nicht “besser” werden. Allgemein waren Ende April aber die Touristen selbst hauptsächlich Griechen. Ein malerisches Plätzchen und ein Tisch direkt am Wasser ließen wir uns aber nicht entgehen und bald gab es gebackenen Käse mit Honig und Sesam, Zucchinibällchen, Käse- und Gemüsetaschen.

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Die Rückfahrt führte uns noch zum Fjord von Papafragas. Einem mittlerweile gesperrten bzw. nur mit dem Boot zu erreichenden Fjord welcher durch eine Art Höhle mit dem Meer verbunden ist und auch einen kleinen Strand bietet. Nach einem kurzen Abstecher zur Provatas Beach, welche nicht so überzeugt hat, im Süden ging, es zur Kirche Agia Marina am Hang des höchsten Berges der Insel, dem Profitis Ilias. Von hier aus hat man einen schönen Blick über Ormos Milou, den “Binnensee”, die große Bucht im Herzen der Insel, welche Milos seine unverwechselbare Form gibt.

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Die Sonne senkte sich schon in Richtung Horizont hatte aber durchaus Spuren auf ungeschützten Stellen hinterlassen und so wurde es Zeit für die Fahrt in Richtung Plaka. Hier wollte dann aber der Sonnenuntergang noch betrachtet werden. Von der höchsten Stelle, dem vulkanischen Kegel mit dem Kastro und der darauf errichteten kleinen Kirche, bietet sich ein unvergesslicher Blick auf Milos und die untergehende Sonne. Die Intensität der Sonne am Tag, eigentlich zu hell, verändert sich in der Dämmerung zu einem beeindruckenden Farbenspiel am Horizont.

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In der Konsequenz folgt aus einem Tag an Land ein Tag auf See. Diverse Veranstalter bieten Bootstouren an. Nach einem Frühstück auf die Hand mit Freddo Cappuccino, O-Saft und einer Filo-Spinatpastete (übrigens mein Lieblingsfrühstück hier in Griechenland) wählten wir eine Tour an der westlichen Küste. Mit den vertrauensvollen Worten “Follow that man” wurde uns der Kapitän vorgestellt und es ging mit der kleinen Gruppe, bestehend aus zwei Engländern, zwei Griechen, zwei US-Amerikanern, einem Franzosen und uns auf die Yacht. Die Fahrt zeigte uns an der Küste eine Besonderheit von Milos, die Syrmata. Kleine zweistöckige Fischerhäuser mit bunt bemalten Tor im Erdgeschoss. Der Raum dahinter dient als Bootsgarage, der Raum darüber dem Fischer als Schlafzimmer. Viele davon gibt es in Klima.

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Bei der gestrigen Autofahrt ist leider Mandrakia an uns vorbeigegangen, wo die Syrmata ein malerisches kleines Hafendorf bilden. Nachdem der Bärenfels, der Name sollte selbsterklärend sein, passiert wurde ging es in westlicher Richtung um die Insel herum. Der Teil der Insel ist nur spärlich bewohnt und schwer auf dem Landweg zu erreichen. Einzig das Kloster Agios Ioannis fällt durch ein jährliches Fest auf. Der Rest wird hauptsächlich durch eine raue Küste und dem 748 Meter hohen Profitis Ilias bestimmt. Richtig bizarr wurde es dann am südwestlichsten Zipfel der Insel und dem darauf folgenden, Kleftiko, Räuberbucht, genannten Abschnitt. Hier gibt es eingebrochene Höhlen, bizarr verformtes Lavagestein und überhaupt wilde Felsformationen. Ein Traum für eine Erkundungstour mit einem kleinen Boot.

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Die Rückfahrt führte dann noch etwas an der Westküste des Ormos Milou entlang und von da zurück zum Hafen. Die Fahrt war insgesamt doch etwas lang und auf einer Yacht ist an Deck nicht unbedingt Platz bzw. kein bequemer Platz. Man sitzt oder liegt rum und schaut sich die Gegend an. Ich persönlich bevorzuge, wenn überhaupt, eher die klassischen, größeren, Ausflugs- bzw. Segelschiffe mit mehr Platz und geradem Deck. Also die typischen Oma-Ausflugsdampfer …

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Der Tag endete mit einem Essen in der benachbarten Taverne Archondoula in Plaka. Milos Käse-Tomaten-Saganiki (eine Art warmer “Aufstrich” in einer Pfanne mit geschmolzenem Käse, Auberginen mit Käse überbacken, Artischocken mit Knoblauchdip, gefüllten Weinblättern, gebackenem Milos-Käse und Retsina. Wie immer alles sehr lecker!