Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum Atomkraftwerk

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum Atomkraftwerk

Lust auf eine besondere Reise? Komm mit auf die strahlende Tour zum Atomkraftwerk Tschernobyl!

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum AtomkraftwerkTourbus vor der Tschernobyl Sicherheitshülle

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum AtomkraftwerkHi, ich bin Florian
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Inhalt

  • Tschernobyl Karte: Übersicht über die Sperrzone
  • Tschernobyl Tour: Kiew Tagesausflug mit Führung
  • Strahlung in Tschernobyl: Ist ein Besuch gefährlich?
  • Prypjat besuchen: Die Geisterstadt bei Tschernobyl
  • Tschernobyl heute: Bilder vom Sieg der Natur
  • Friede Freude Eierkuchen in Tschernobyl?
  • Ist eine Tschernobyl Tour Katastrophentourismus?
  • Todes-Opfer: Welche Folgen hatte Tschernobyl?
  • Unfall-Ursachen: Atomkraft, nein danke?
  • Tschernobyl Tour von Kiew: Praktische Infos
  • Welcher Touranbieter für den Tschernobyl-Ausflug?
  • "Chernobyl" TV-Serie & andere Empfehlungen
  • Empfehlung: Tschernobyl Museum in Kiew

Bist du alt genug um dich an den Fall der Berliner Mauer zu erinnern?

Wo warst du, als du von den Flugzeugen im World Trade Center erfahren hast?

Ein ebenso epochales Ereignis war das Unglück von Tschernobyl 1986.

Ich war erst 7 und zu jung um die Atom-Katastrophe zu verstehen. Um so mehr fasziniert mich heute der größte nukleare Unfall und seine Folgen.

Ohne das Unglück von Tschernobyl würden wir in einer anderen Welt leben!

Gorbatschow nannte es sogar als Hauptgrund für das Ende der Sowjetunion. Schlimmer noch als der enorme wirtschaftliche Schaden war das Systemversagen.

Anschaulich werden Fehler im sowjetischen System in der gut gemachten HBO Mini-Serie „Chernobyl“ (2019). (läuft in Deutschland auf Sky)

Aber um Tschernobyl wirklich zu verstehen, musst du den Unglücksort besuchen. Das ist einfach und ungefährlich. Hier erfährst du wie und warum.

Tschernobyl Karte: Übersicht über die Sperrzone

Tschernobyl Karte mit Route der Tagestour - IN GROSS

Auf der Karte siehst du in blau die Route einer Standard-Tagestour von Kiew nach Tschernobyl. Das in lila ist die 30-Kilometer-Sperrzone und das rote die 10-Kilometer-Sperrzone.

Tschernobyl Tour: Kiew Tagesausflug mit Führung

Eine Möglichkeit Tschernobyl zu sehen ist ein Tagesausflug von der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Das gehört zum Standard-Programm von rund einem Dutzend Touranbietern.

Es gibt auch keine legale Alternative die Sperrzone individuell zu besuchen. Nur die Touranbieter können dich bei den Checkpoints für einen Besuch anmelden.

Wenn du die rund 85 Euro für eine Tagestour bezahlst musst du dich dann aber auch um gar nichts kümmern. Selbst das Mittagessen ist bei den meisten Touren inklusive.

Die Touren finden mit wenigen Ausnahmen täglich statt. Weil Tschernobyl immer beliebter wird, musst du mit immer mehr anderen Tourgruppen rechnen.

Praktische Infos zu den Touren findest du am Ende des Artikels.

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum AtomkraftwerkTouristen am Ortseingang von Tschernobyl

Strahlung in Tschernobyl: Ist ein Besuch gefährlich?

Der große Vorteil einer Tour ist natürlich, dass dein Führer Bescheid weiß, wo die Radioaktivität gefährlich hoch ist.

Der größte Teil der Sperrzone ist heute unbedenklich. Es gibt aber nach wie vor einige radioaktive Hotspots, die man meiden sollte.

Dazu gehören Moosflächen und Pilze, die Radionuklide besonders stark aufnehmen. Aber auch ganze Gebiete sind noch kontaminiert, wie der „rote Wald“ nahe dem Reaktor.

Wenn du die vermeidest ist selbst ein mehrtägiger Besuch ungefährlich. Die Strahlenmenge bei einem Flug nach Kiew ist höher als in einem Tag in der Sperrzone.

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum AtomkraftwerkIm Kulturpalast der Geisterstadt Prypjat

Prypjat besuchen: Die Geisterstadt bei Tschernobyl

Die größere Gefahr sind die langsam baufälliger werdenden Gebäude. Offiziell ist das Betreten zwar verboten, aber das stört niemanden – zum Glück!

Die Geisterstadt Prypjat ist nämlich das eigentliche Highlight des Ausflugs. Für eine kurze Exkursion bietet sich der verlassene Kulturpalast an und eine Schule.

Vor dem Reaktorunfall war Prypjat quasi ein Silicon Valley der Sowjetunion. Nur Musterbürger durften in der Modellstadt 3 Kilometer vom Atomkraftwerk wohnen.

1986 wurde die Stadt nach dem Unfall evakuiert und die Uhren sind stehengeblieben. Du gehst heute vorbei an Sowjet-Propaganda und einem nie eröffneten Vergnügungspark.

Willkommen in Prypjat, Bevölkerung 0!

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum AtomkraftwerkRiesenrad in der Geisterstadt Prypjat

Tschernobyl heute: Bilder vom Sieg der Natur

Mindestens ebenso interessant wie Urban Exploration in den Gebäuden ist das viele Grün außerhalb. Die Natur hat sich Prypjat längst zurückerobert.

Schon der zentrale Platz vor dem Kulturpalast erinnert an einen Endzeitfilm. Bäume wachsen hier nach mehr als 30 Jahren durch die Fliesen und aus dem Asphalt.

Die ehemals breiten Parade-Straßen in Prypjat sind nur noch einspurig befahrbar. Links und rechts wuchert dichter Wald. Manchmal kannst du aus dem Busfenster ein Gebäude ausmachen.

Wir sehen keine Tiere, aber es soll hier viele Elche, Wölfe, Wildschweine und Rehe geben. Die Rest-Strahlung ist kein so großer Feind wie der Mensch außerhalb der Sperrzone.

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum AtomkraftwerkMoos strahlt am meisten, aber auch nicht viel

Friede Freude Eierkuchen in Tschernobyl?

Im Verlauf der Tour stellt sich nicht nur wegen der vielen Natur ein Eindruck von Harmlosigkeit ein. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber Friede Freude Eierkuchen eher nicht.

Einmal stehen wir Schlange am Selfie-Spot direkt vor dem havarierten Reaktor. Der Geigerzähler zeigt sich selbst hier sehr müde. Er schlägt auf der Tour nur einmal, beim Vorbeifahren am roten Wald aus.

Auch dank der laxen Sicherheitsvorschriften kommt kein Gefühl von Gefahr auf. Die Militärs sind gelangweilt und für Tausende von hier lebenden Arbeitern ist die Sperrzone sowieso Alltag.

Es hilft auch nicht, dass wir mit einer großen Gruppe von 30 Leuten in einem Reisebus unterwegs sind. Immer wieder sehen wir außerdem andere Tourgruppen, obwohl wir versuchen ihnen aus dem Weg zu gehen.

In vielen der Gebäude empfangen uns Stillleben mit schön drapierten Gasmasken oder Kinderpuppen. Die Sperrzone wirkt so eher wie die disneyfizierte Inszenierung einer Katastrophe.

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum AtomkraftwerkAnstehen für Selfies vor dem Reaktor 4

Ist eine Tschernobyl Tour Katastrophentourismus?

Aber ist es schlimm, wenn Tschernobyl heute eher harmlos ist? Sollten wir uns nicht freuen, dass selbst so ein Super-GAU viel weniger bleibende Schäden hinterlässt als erwartet?

Besucher kommen nach Tschernobyl um dem „Katastrophentourismus“ zu fröhnen. Aber wem schadet der Tourismus in Tschernobyl? Der von Krieg und Währungskrise gebeutelten Ukraine sicher nicht!

Sind die Liquidatoren die Leidtragenden, weil sie am heutigen Selfie-Spot ihr Leben für den Bau des Sarkophags riskiert haben? Oder haben sie etwa genau für diese Unbeschwertheit heroisch gekämpft?

Wenn du mich fragst ist Tschernobyl ein Mahnmal wie Auschwitz. Je mehr Leute in die Sperrzone kommen und sich an das Unglück und die Fehler erinnern, um so besser.

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum AtomkraftwerkGasmasken in einer Schule in Prypjat

Todes-Opfer: Welche Folgen hatte Tschernobyl?

Viel schlimmer als das Erinnern ist das Vergessen und Vertuschen. Laut offiziellen Zahlen sind nur 31 Menschen durch Tschernobyl umgekommen. Das ist wohl ein schlechter sowjetischer Propaganda-Witz.

Die Weltgesundheitsorganisation geht hingegen von insgesamt 4.000 Menschen aus. Die sind schon gestorben oder werden noch durch die Strahlenfolgen sterben, vor allem an Krebs.

Unabhängige Quellen weisen höhere Zahlen aus von 16.000 Toten bis zwischen 27.000 und 53.000 Toten. Genau lässt sich das nicht sagen, weil Tschernobyl-Opfer bis heute nicht anerkannt werden.

Aber nicht nur Vertuschen ist respektlos, atomare Panikmache ebenso. Greenpeace schlachtet Tschernobyl als Propagandamittel im besten Sowjet-Style aus und behauptet 200.000 Todesopfer.

Mehr Infos und Quellen zu Tschernobyl-Todesopfern.

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum AtomkraftwerkReaktoren 1-4, erst 2001 wurde Reaktor 3 abgestellt

Unfall-Ursachen: Atomkraft, nein danke?

Von fanatischen Atomkraftgegnern wie Greenpeace wird auch gerne verschwiegen, dass Tschernobyl ein einmaliges Ereignis war. Die Katastrophe kann sich bei uns nicht wiederholen.

Ein deutsches AKW könnte auch die Nachtschicht des Tschernobyl Reaktor 4 mit sowjetischer Sicherheitskultur nicht zur Explosion bringen. Und deutsche AKWs sind dabei noch alte Designs aus den Sechziger Jahren. Bei AKWs aus dem 21. Jahrhundert steht die Sicherheit im Vordergrund.

Es ist ok, wenn Deutschland sich entschließt einen nicht-nuklearen Weg zu gehen. Aber wir sollten das in einer Klimakrise aus den richtigen Gründen tun und nicht aus Panik.

Atomkraft ist immer noch die sicherste Energiequelle. Es gab pro Wattstunde trotz Tschernobyl und Fukushima weniger Todesfälle durch Kernkraft als durch Wind, Wasser und Solar.

Gegen nukleare Panik hilft ein Besuch in Tschernobyl auch…

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum AtomkraftwerkDas riesige Duga Radar liegt auf der Standardroute

Tschernobyl Tour von Kiew: Praktische Infos

Die Tagestour von Kiew dauert wirklich den ganzen Tag bis mindestens 21 Uhr. Mach die Tour besser nicht an dem Tag, an dem du Abends noch einen Rückflug erwischen musst.

Morgens um 8 Uhr ist Treffpunkt. Wir haben uns mit unserem Touranbieter am Maidan getroffen. Der große zentrale Platz ist super per Metro zu erreichen. Je nach Anbieter gibt es auch andere Treffpunkte.

Es sind 2 Stunden Fahrt bis zur 30-Kilometer-Sperrzone. Dort musst du am Checkpoint die Regeln unterschreiben. Dann bekommst du ein Dosimeter, das deine Strahlung aufzeichnet.

Am Ende der Tour wird dann deine Strahlendosis im Dosimeter ausgewertet. Außerdem gibt es jedes Mal beim Verlassen der Sperrzone einen Strahlentest. Transparent ist das alles aber nicht.

Nimm eine Flasche Wasser, einen Regenschirm und lange Kleidung mit. Lange Hosen solltest du die ganze Zeit tragen. Langarm wird dann in der 10-Kilometer-Sperrzone empfohlen.

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum AtomkraftwerkUnsere lustige Tourführerin in Tschernobyl

Welcher Touranbieter für den Tschernobyl-Ausflug?

Welchen Touranbieter du auswählst ist relativ egal. Die fahren alle die gleiche Route ab. Achte darauf, dass das Mittagessen in Tschernobyl nicht auch noch extra kostet.

Eine teure deutsche Tour halte ich für unnötig. Das Englisch auf unserer Tour war sehr gut verständlich. Für extra Kosten kannst du einen Geigerzähler mieten. Muss nicht sein…

Buche mindestens eine Woche vorher. Wenn du nur wenige Tage vorher buchst können Touren ausgebucht oder teuer sein. Die Touranbieter müssen außerdem im Vorfeld deine Daten übermitteln.

Wenn du kein Urban Explorer bist, wird dir die Tagestour ausreichen. Mehrtägige Touren sind erheblich teurer. Du übernachtest dann im Ort Tschernobyl 15 Kilometer vom AKW. Bei viertägigen Touren kannst du sogar das AKW selbst besichtigen.

Wir sind mit dem ältesten Tschernobyl-Touranbieter Solo East gefahren. Die sind sehr zu empfehlen und mit einem 10% Rabatt ab 2 Personen auch preislich attraktiv.

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum AtomkraftwerkKindergarten vom aufgegebenen Ort Kopatschi

„Chernobyl“ TV-Serie & andere Empfehlungen

Du bist noch nicht bereit Tschernobyl selbst zu besuchen? Schau erstmal die fünfteilige HBO-Serie „Chernobyl“. Von den Wertungen ist das mittlerweile die beste TV-Serie aller Zeiten.

Die Fernsehserie ist sehr realistisch, aber es gibt ein paar Hollywood-Dramatisierungen. Zum Beispiel wird bei den Szenen im Krankenhaus impliziert, dass eine Strahlenerkrankung ansteckend sei.

Mehr Wahrheitsgehalt, aber weniger Unterhaltung bietet die Dokumentation „The Real Chernobyl“. Der Film ist von den Machern der Serie und soll Lust auf die Serie machen.

Überhaupt nicht empfehlen kann ich den B-Movie Horrorfilm „Chernobyl Diaries“. Die erste Hälfte ist noch ok, aber die zweite Hälfte langweilig und respektlos gegenüber den tatsächlich verstrahlten Opfern.

Wenn dich Zeitzeugenberichte hinter den Ereignissen der Serie interessieren, lies Voices from Chernobyl* von der Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch an. Dort wird zum Beispiel auch Ludmilla Ignatenko interviewt, die Frau des Feuerwehrmanns.

Mehr Infos über Tschernobyl heute findest du im tollen Reisebericht von Walter Rüegg. Er hat mit einer kleinen Expertengruppe sogar den Kontrollraum des Reaktors 4 besucht. Als Kernphysiker kann er Tschernobyl sehr gut erklären.

Und hier ist der Text, der mich zu einem Besuch motiviert hat: Es gibt nichts zu befürchten in Tschernobyl (englisch)

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum AtomkraftwerkReaktor Replika im Tschernobyl Museum in Kiew

Empfehlung: Tschernobyl Museum in Kiew

Noch eine letzte Empfehlung, selbst wenn du die Tschernobyl-Tour nicht machen willst.

Schau in das Tschernobyl-Museum in Kiew. Das ist informell und sehr gelungen, vor allem der Raum mit einer Reaktor-Replika.

Die Ukraine ist übrigens ein tolles Reiseziel und sehr zu empfehlen. Aber dazu ein andermal mehr…

Lust bekommen auf einen strahlenden Urlaub in Tschernobyl? ;)

Reise nach Tschernobyl: die strahlende Tour zum Atomkraftwerk


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