Reebok Ragnar Wattenmeer 2019

Von Kulikeljudi

Anzeige: Meine Teilnahme am Ragnar Relay Wattenmeer wurde netterweise von Reebok unterstützt.

Auf ein Neues! 2018 fand zum ersten Mal der Staffellauf Reebok Ragnar Wattenmeer von Hamburg nach St. Peter-Ording statt (hier geht's zum Blogpost). Mit ganz viel Regen und noch mehr Wind war das Wetter beim Einstand des in Deutschland neuen Staffellaufs alles andere als Läuferfreundlich, weshalb ich mit dem Race noch eine Rechnung offen hatte. Und am 31. August war es endlich soweit.

Foto: Reebok // Klaus Heinzler


Die Vorgeschichte


Das diesjährige Race begann für mich schon im Frühjahr. Geplant war nämlich, dass Paula, Laura und ich jeweils gemeinsam mit Reebok einen Starplatz in unserem 10er-Team verlosen und uns anschließend alle gemeinsam auf die Strapazen des Ragnar Wattenmeers vorbereiten. Gesagt, getan. Nachdem die Crew zusammengestellt war, hatten wir noch circa drei Monate Zeit, um uns umfangreich fit zu machen. Denn in insgesamt vier Telefonaten mit dem ganzen Team haben Paula, Laura und ich unsere Erfahrungen zu den Themen Ernährung, Mindset und Training geteilt. um uns möglichst ganzheitlich auf das Rennen vorzubereiten und alles Organisatorische zu regeln. Zudem hat uns Louisa von Naturalou in einem Call zum Thema "Nachhaltigkeit während des Rennens" fit gemacht.
In der Folge haben wir immer wieder unsere Trainingserfolge per WhatsApp-Gruppe geteilt und uns gegenseitig zum Training und zu Höchstleistungen animiert, bis Tag X endlich vor der Tür stand.
Und das mit Erfolg. Denn unser Team bestand sowohl aus sehr erfahrenen Läuferinnen und Läufern, aber auch Einsteigern, die erst vor wenigen Monaten mit dem Laufen angefangen haben. Doch jeder hat sich fleißig vorbereitet und so konnten wir bestens trainiert und hoch motiviert auf das Wochenende im hohen Norden zugehen. Und hier gab es nur ein Ziel..

Gemeinsam von HH nach SPO laufen


10 Jungs und Mädels in zwei Vans. Jeder läuft drei unterschiedlich lange Teilstücke (sog. Legs) der Gesamtdistanz von etwas über 250 km, wobei die Distanz aller drei Legs eines Läufers zusammen zwischen 20,7 km und 34,9 km liegen, wodurch auch ein Team mit deutlich unterschiedlich starken Läufertypen gut an den Start gehen kann. Das ist Ragnar. Zudem gibt es eine Ultravariante, bei das Team nur aus 5 Sportlern bestehen darf und jeder die doppelte Anzahl an Legs absolviert.
Der Start war dieses Jahr wieder in Hamburg am Fischmarkt, von wo es zunächst in einer Schleife vorbei an Alster, Planten un Blomen und Reeperbahn durch die Stadt ging, bevor wir Läufer immer  fast nur noch die Elbe entlang Richtung Nordsee und dann über den Deich in Richtung St. Peter-Ording liefen.

Immer gute Laune im Gepäck - Foto: Reebok // Klaus Heinzler


Was Ragnar zu Ragnar macht

Jetzt magst du vielleicht denken: "10 Läufer. Jeder im Schnitt 25km. Klingt doch easy. Besonders wenn das auch noch auf drei Etappen aufgeteilt wird."
Um ehrlich zu sein denke ich ich an 51 von 52 Wochenenden im Jahr auch so. Wenn da nicht ein kleines großes Aber wäre...
ABER Nr. 1: Das Wetter ist unberechenbar. Letztes Jahr gab es fast durchgängig Regen, teilweise Sturm. Dieses Jahr hatten wir am Samstag schönsten Sonnenschein. Mit über 30 Grad war es tagsüber fast schon zu heiß zum Laufen, da ist extreme Vorsicht und viel trinken wichtig. Nachts gab es ordentliches Gewitter und am nächsten Tag warteten nur noch rund 20 Grad auf uns. Darauf muss man sich einstellen. Auch Kleidungstechnisch.
ABER Nr. 2: Schlafentzug. Diesmal konnte ich fast anderthalb Stunden schlafen. Letztes Jahr keine einzige Sekunden. So oder so ist das für den Körper zu wenig. Bei uns war es zum Glück trotzdem  sehr harmonisch im Bus, aber das kann die Nerven strapazieren und man sagt vielleicht mal was, was man eigentlich nicht so meint. Die Stimmung kann gereizt sein. Das macht es in der Folge nicht leichter.
ABER Nr. 3: Essen ist schwierig. Die Veranstalter sorgen an vielen Punkten für Verpflegung. Jedoch würde ich mich nie komplett darauf verlassen. Grundsätzlich ist so ein langer Lauf mit viel Anstrengung für den Magen-Darm-Trakt verbunden. Carbs tanken, Laufen. Carbs tanken, Laufen. Carbs tanken, Laufen. Carbs tanken... Alles nicht so leicht. Gerade weil herzhaftes Essen schnell schwer im Magen liegt. Und weil der Körper unter Stress steht und womöglich anders auf gewohnte Nahrung reagiert, als er es normalerweise tut. Also greift man oft zu Obst und Riegeln, die am Ende meist doch recht süß sind. Spätestens am nächsten Morgen hat der Körper darauf auch keine Lust mehr. Und man läuft mit weniger im Tank, als es einem lieb wäre. Zumindest war das bei mir in den letzten beiden Jahren so.

ABER Nr. 4: Wenig Platz im Van. In der Regel fahren jeweils fünf Teammitglieder in einem Van. Wir hatten wieder einen Wagen in Größe eines Bullis. Viel Platz ist da drin am Ende auch nicht. Dadurch gibt es weder Rückzugsmöglichkeiten, noch die Möglichkeit bequem zu schlafen. Die Alternative: Man pennt draußen. Ist nur doof, wenn es regnet. ;-)
ABER Nr. 5: Drei kurze Etappen läuft man am Ende doch härter als eine längere Etappe. Dadurch ist die Belastung für den Körper wesentlich höher. Laktatparty vom Feinsten!
ABER Nr. 6: Sich verlaufen. Die Strecke finden ist nicht immer so leicht. Grundsätzlich ist der Streckenverlauf gut ausgeschildert. Aber es gehört beinahe zum guten Ton, sich auch mal zu verlaufen. So werden aus 9 km schnell mal 10 km. Passiert nicht oft, aber man darf es nicht ausschließen.
ABER Nr. 7: Und dann ist da noch die Kombination aus allen eben aufgezählten Faktoren.
Klingt nach Spaß? Ist es auch! Ich würde sofort wieder an den Start gehen. Denn all die vermeintlichen Herausforderungen machen der Reiz erst so richtig aus.
Genau wie die gemeinsame Deko des Vans. Damit beginnt das eigentliche Race in Hamburg so richtig. Und schaut mal wie schön unsere Vans dieses Jahr waren..

Kurze Fotopause beim Dekorieren der Vans Foto - Reebok // Klaus Heinzler


Same same but different

Wie gesagt durfte ich bereits 2018 beim ersten Ragnar in Deutschland an den Start gehen. Damals war ich in Van 2 als Schlussläufer dabei. Das hatte zur Folge, dass ich meinen ersten Lauf erst gegen 21 Uhr im Dunkeln absolviert habe, während die ersten in unserem Team schon kurz nach Mittag gestartet sind.
Diesmal war ich in Van 1 dabei und zweiter Läufer in unserem Team. Dadurch geht man den Tag ganz anders an, ernährt sich anders und nimmt das Race irgendwie auch anders wahr. Denn diesmal durfte ich im Hellen starten, war gegen 23 Uhr mit meinem zweiten Leg durch (und konnte eigentlich nur deshalb auch mal für ein paar Minuten meine Augen zumachen, da der nächste Lauf erst gegen 5 Uhr anstand) und hatte meinen dritten Lauf zur schönsten Tageszeit. Dieser war gleichzeitig mit 17 km Länge auch der längste Leg des ganzen Races und führte mich von circa. 5:15 Uhr bis 6:30 Uhr bei Tagesanbruch durch ein fabelhaftes Naturschutzgebiet. Auch wenn der Himmel wolkenbehangen war und deshalb leider kein schönen Sonnenaufgang als i-Tüpfelchen zu sehen war, war es für mich doch der schönste der Insgesamt 6 Legs, die ich bisher bei Ragnar Wattenmeer laufen durfte.

Immer mit Spaß bei der Sache - Foto: Reebok // Klaus Heinzler



Auf zum Zieleinlauf


Gemeinsam am Start. Gemeinsam ins Ziel. Sonst geht man als Team leider eher getrennte wegen. Denn wenn man als 10er-Team mit zwei Vans an den Start geht, hat man mit dem anderen Van leider nur wenige Berührungspunkte. Grundsätzlich versucht man natürlich so viel wie möglich sich gegenseitig bei Ragnar anzufeuern, aber so richtig Teamgefühl kommt nur an den Major Exchange Points auf, wo der letzte Läufer eines Vans an den ersten des anderen Vans übergibt.
An der Wechselpunkten dazwischen ist man als gerade nicht beteiligter Van aufgrund von Platzmangel leider eher nicht gern gesehen (was natürlich verständlich ist). Und die Begleitung der Läufer auf der Strecke ist auch nicht gerade sinnvoll (Staugefahr) bzw. am Deich gar nicht erst möglich. Alles gute Gründe, trotzdem finde ich das ehrlich gesagt etwas schade.
Ansonsten geht es bei Ragnar aber auf ganzer Linie nur ums Team. Man supportet sich gegenseitig. feiert zusammen, motiviert sich, leidet aber auch gemeinsam. So wie Ragnar schweißen nur wenige Erlebnisse in kurzer Zeit derart zusammen.
Besonders cool finde ich bei Ragnar immer, dass jeder eine Medaille mit einem anderen Spruch drauf kriegt. Auf meiner steht dieses Jahr: "Wir glauben, dass aus den wildesten Erfahrungen die besten Geschichten entstehen." Das eigentlich besondere ist aber, dass die Medaille aller 10 Läufer zusammen wiederum eine große Medaille mit einem gemeinsamen Spruch ergeben ("Zusammen können wir alles erreichen. Wir sind Ragnarians"). So schön wie als Ganzes ist sie aber nur wieder, wenn alle Läufer eines Teams zusammenkommen.
Insgesamt war Ragnar wieder ein mega Race für mich, wenn auch deutlich außerhalb der  Komfortzone. Und wenn du mich fragen würdest, ob ich wieder starten würde, meine Antwort wäre ein klares JA!!! Es lohnt sich absolut. Nach zwei Jahren Wattenmeer in Folge wird es nächstes Jahr aber glaube ich Zeit, um über den Tellerrand hinaus zu schauen und in einem anderen Land zu starten.

Geschafft. Sowohl wir als auch das Rennen - Foto: Reebok // Klaus Heinzler