Rebecca Martin: Der entschwundene Sommer

Von Esdeh
Mia hat erst nach dem Tod ihrer Eltern erfahren, dass sie adoptiert wurde und ihre einzige Begegnung mit ihrer leiblichen Großmutter wurde zu einem sehr enttäuschenden Ereignis. Umso erstaunter ist Mia daher, dass Corinna Mayer ihr ihre Wohnung und ein idyllisch gelegenes, jedoch verlassenes, Ausflugslokal hinterlassen hat. Die Neugier siegt und Mia macht sich auf den Weg um ihr Erbe zu erkunden. Erstaunlicherweise fühlt sie sich dem Ort direkt verbunden und hat daher das Bedürfnis mehr über das alte Hotel auf dem Gelände und über die Verbindung ihrer Familie zu diesem Gebäude zu erfahren. Schon als junges Mädchen hat ihrer Großmutter hier gelebt und Mia macht sich auf um mehr über ihre Vergangenheit in Erfahrung zu bringen.
"Der entschwundene Sommer" von Autorin Rebecca Martin vereint eine auf zwei Zeitebenen erzählte Geschichte mit einem Familiengeheimnis und das ist genau eine Kombination die ich sehr gerne mag. Erzählt wird hier aus den Perspektiven von Corinna ab dem Jahr 1912 und von Mia ab 1992. Corinna ist die Großmutter von Mia, doch sie hatten keinen Kontakt miteinander und Mia wurde als Kleinkind zur Adoption freigegeben. Die Hintergründe dieser Geschichte sind auch mein einziger Kritikpunkt an "Der entschwundene Sommer", denn leider wird diese Verbindung zwischen den Generationen für mich nicht hinreichend integriert. Unabhängig davon hat mir das Buch jedoch sehr gut gefallen. Durch Corinna erhält man einen Einblick in das Leben eines jungen Mädchens das in einen Stand geboren wird, dem es sich nie wirklich zugehörig fühlt. Mia hingegen verkörpert eine junge Frau der Neuzeit die zwar ein sorgenfreies Leben führt, jedoch keine vollständige Erfüllung darin findet. Beide Frauen vereint ihr Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben.
Ein wenig schlecht weg kommen in der Geschichte die Männer, denn uneingeschränkt überzeugen kann hier kaum eine Figur. Zwar fand ich die Ereignisse in der Vergangenheit auch aus männlicher Wahnehmung realistisch und überzeugend, doch die Charaktere wirkten ein wenig einseitig. Wer sich schon immer mal gefragt hat, warum die Männer damals zunächst so erpicht darauf waren im Krieg zu kämpfen, der bekommt hier einige interessante Einblicke.
In der Gegenwart (wobei 1992 natürlich auch in die jüngere Vergangenheit fällt) hat mir die Figur der Mia sehr gut gefallen, ebenso wie einige der Nebenfiguren. Die Liebesgeschichte kann nicht auf ganzer Linie überzeugen, ist jedoch nett integriert und passt so in den Gesamtrahmen der Handlung.
Empfehlen kann ich "Der entschwundene Sommer" generell an alle Leser die sich für Deutschland rund um den ersten Weltkrieg interessieren und die Romane mögen die aus unterschiedlichen Perspektiven und in mehreren Zeitebenen erzählt werden.
So habe ich bewertet:
Und hier kann man das Buch kaufen: Rebecca Martin: Der entschwundene Sommer
Weitere Informationen zum Buch und zur Autorin gibt es auf der Homepage des Diana Verlages.