Raumfahrt-Geschichte: Juri Gagarin – der unbequeme Held

Vor einem halben Jahrhundert flog Juri Gagarin als erster Mensch ins All. Sein epochaler Raumflug ist bis heute geheimnisumwittert.
Aus: Sterne und Weltraum, April 2011
Juri Gagarins Flug am 12. April 1961 öffnete das Tor zur bemannten Raumfahrt. Trotz seines Triumphes führte der erste Mensch im Weltraum kein sorgenfreies Leben, sondern eckte öfter mit den Autoritäten der Sowjetunion an.´
Der Raumfahrtexperte Gerhard Kowalski erzählt exklusiv in der April-Ausgabe der Zeitschrift "Sterne und Weltraum" die wahre Geschichte des unbequemen Helden. Juri Gagarins Ausflug ins All wurde von der damaligen Sowjetführung als Beweis für die Überlegenheit ihres Systems und Sieg über den "sterbenden" Kapitalismus hochgejubelt.
Dieser Wunschtraum ist längst geplatzt. Die Sowjetunion gehört der Vergangenheit an. Was blieb, ist die Pionierleistung von Chefkonstrukteur Sergej Koroljow und die mutige Tat des Bauernsohns Gagarin, der mit seiner 108 Minuten langen Reise der Menschheit den Weg in den Weltraum bahnte und zum Helden der Sowjetunion wurde. Der offiziellen, jedoch zensierten Berichterstattung zufolge verlief Gagarins Flug problemlos und nach Plan.
Mitnichten, die Sowjetführung unter Partei- und Regierungschef Nikita Chruschtschow hat das Vorhaben strengstens geheim gehalten und nach der Rückkehr Gagarins die Öffentlichkeit bewusst getäuscht und belogen. Am Anfang stand die „Landelüge“. Gagarin war nicht – wie suggeriert – mit seinem Raumschiff gelandet, sondern mit einem Fallschirm. Die sowjetischen Oberhäupter befürchteten wohl, dass der Raumflug international nicht als solcher anerkannt würde, da Gagarin nicht mit jenem Gerät landete, mit dem er gestartet war.
Alle technischen Probleme, die beim Flug auftraten, wurden verschwiegen. Schon vor dem Start gab es eine lange Schrecksekunde für den Chefinstrukteur und die Bedienungsmannschaft, als ein Sensor an der Einstiegsluke nicht funktionierte. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verzögerte sich die Abtrennung der Gerätesektion von der Landekapsel, was um ein Haar fatale Folgen gehabt hätte und dazu führte, dass Gagarin nicht da landete, wo er erwartet wurde.
Der erste Kosmonaut der Welt probt den Aufstand
Der ausführliche Bericht, den Gagarin vor der Regierungskommission über den wahren Ablauf des Flugs mit allen seinen dramatischen Details erstattet hatte, wanderte umgehend in den Giftschrank. Bei den vielen Auslandsbesuchen und Auftritten im Land begleitete den Kosmonauten stets ein Zensor. Es dauerte nicht lange, bis sich Gagarin zunehmend gegen den von oben auf ihn ausgeübten Zwang sträubte und sich als unbequemer Held entpuppte. Bereits auf einer seiner ersten Reisen weigerte er sich, nur vorgefertigte Reden zu verlesen, und wandte sich stattdessen mit seinen eigenen Worten an die Menschen. Als Abgeordneter in den Regierungsgremien kümmerte er sich sehr um seine Wähler und deren Sorgen, die er an die zuständigen Stellen herantrug und damit bei den Bürokraten nicht immer Begeisterung auslöste. Der erste sozialistische Popstar war geboren.
Gagarin war es auch, der im Jahr 1967 vor dem Jungfernstart des Sojus-Raumschiffs warnte, da die Systeme der Kapsel noch nicht ausgereift genug waren. Doch er wurde nicht erhört. Wladimir Komarow wurde mit dem unfertigen Raumschiff losgeschickt und stürzte ungebremst ab. Das Fallschirmsystem hatte versagt und die russische Raumfahrt beklagte ihren ersten Toten. Auch das Leben des ersten Kosmonauten der Welt endete tragisch. Am 27. März 1968 stürzte Gagarin mit seinem Fluglehrer Wladimir Serjogin ab. Die Unfallursache ist bis heute ungeklärt.

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