Rattenkampf

Die Besuche der Ratte auf unserem Balkon häufen sich und inzwischen hat jedes Familienmitglied das Vieh zu Gesicht bekommen. Und so langsam habe ich den Eindruck, dass die Sache den Zusammenhalt in unserer Familie arg auf die Probe stellt. Seit ihrem plötzlichen Erscheinen vor einer Woche hat die Ratte es doch tatsächlich zustande gebracht, unsere sonst so harmonische Familie – hat da vielleicht jemand gelacht? – in vier Fraktionen zu trennen. Seit einigen Tagen gibt es bei uns

1. Die Rattenversteher: Das sind diejenigen, die finden, man müsse doch verstehen, dass das possierliche Tierchen sich täglich bei uns verköstigen wolle, wo es doch hierzulande für eine Ratte so schwer sei, sich ein Auskommen zu sichern. Sie setzen sich dafür ein, dass der ungebetene Gast den Status eines Familienmitglieds verliehen bekommt und wenn andere Familienmitglieder antönen, dass die Ratte so schnell als möglich verschwinden muss, protestieren sie heftig. Leider ist dies die grösste Fraktion. Ihr gehören Karlsson, der FeuerwehrRitterRömerPirat und das Au Pair an, hin und wieder auch der Zoowärter, wenn er sich mal wieder dazu durchringen kann, sich nun doch nicht vor dem Tier zu fürchten.

2. Die Rattengegner: Diese Gruppe will das Vieh mit allen Mitteln so schnell als möglich loswerden. Man erkennt sie an ihrem hysterischen Gekreische, an den verstohlenen Blicken auf den Balkon und daran, dass sie das Haus nur noch in Begleitung anderer Familienmitglieder verlassen. Leider ist diese Gruppe bedeutend schwächer als diejenige der Rattenversteher. Ihr gehören nur gerade Luise und meine Wenigkeit an.

3. Die Unentschlossenen: Sie können sich nicht entscheiden, ob sie das Tier, das sich da an den Grünabfällen gütlich tut, süss finden sollen, oder ob sie es doch lieber verabscheuen wollen. Hin und wieder werden sie dabei ertappt, wie sie die Meinung der Rattenversteher oder der Rattengegner nachplappern, je nachdem, wer gerade die Oberhand hat. Man müsste sie als wahre Opportunisten bezeichnen, wäre da nicht ihr zartes Alter. Weil sie aber noch so jung sind, kann man ihnen ihre Wankelmütigkeit nicht verübeln. Mitglieder dieser Fraktion sind der Zoowärter und das Prinzchen.

4. Die Rattenleugner, auch Ungläubige genannt: Die kleinste Fraktion, denn sie besteht aus einem einzigen Mitglied, nämlich „Meinem“. Der Mann behauptet standhaft, dass das Lebewesen, das uns inzwischen fast täglich besucht, keine Ratte, sondern eine Maus ist. Man mag ihn auslachen oder ihm erklären, dass eine Maus nie und nimmer so gross wird, er bleibt stur bei seiner Meinung, was sowohl den Rattenverstehern, als auch den Rattengegnern nicht so recht passen will. Während Erstere sich darüber ärgern, dass „Meiner“ sich nicht auf ihre Seite schlagen will, können Letztere nicht verstehen, weshalb er nicht endlich etwas unternimmt gegen das Vieh. Wo er doch der Einzige ist, der sich auf den Balkon begibt, ohne die Absicht, der Ratte das Leben zu erleichtern. Aber solange er glaubt, die Ratte sei eine Maus, sieht er leider keinen Handlungsbedarf. Denn vor Mäusen fürchtet sich hier niemand, nicht einmal die Rattengegner. 

Das also sind die Fraktionen, die sich spätestens seit heute Morgen aufs Heftigste bekämpfen. Schlägt die grosse Rattengegnerin schreiend und kreischend mit dem Abwaschlappen gegen die Balkontüre, um das Vieh zu vertreiben, bricht der Rattenversteher namens FeuerwehrRitterRömerPirat in Tränen aus, weil er es nicht ertragen kann, dass man seinem Liebling Angst einjagt. In hitzigen Diskussionen wird debattiert, ob eine Falle aufgestellt werden darf und wenn ja, welches Modell es sein soll. Die Grosse aus dem Lager der Rattengegner lässt sich nicht von ihrem Entschluss abbringen, eine Falle zu erstehen, muss aber die Konzession machen, dass eine Lebendfalle gekauft wird. Kaum ist die Falle gekauft, geht der Proteststurm los. „Die Falle ist ja viel zu klein. Das arme Tier kann sich darin ja nicht bewegen“, setzt sich Rattenversteher Karlsson für die Rechte des Viehs ein. „Damit wird sich die Arme doch den Schwanz einklemmen. Du bist ja so gemein!“, entrüstet sich das Au Pair. Der FeuerwehrRitterRömerPirat lässt sich gar zu einem Sabotageakt hinreissen und entschärft in einem unbeobachteten Moment die Falle.

Das alles ginge ja noch, aber dass nun auch noch die Kleine aus dem Lager der Rattengegner anfängt, das Tier zu bemitleiden, geht zu weit. Ohne ihre Unterstützung wird das nie was mit dem Einfange und Aussetzen der Ratte. Da ist es doch beruhigend, dass heute Abend der Zoowärter wieder einen Schwenker in Richtung Rattengegnerschaft gemacht hat. Nachdem ich ihm erklärt hatte, dass die Viecher alle möglichen Krankheitserreger herumschleppen, fragte er ganz besorgt, ob sich denn die Bakterien an dem endlos langen Schwanz festkrallen würden. Was ich ihm natürlich bestätigt habe, denn im Kampf um die Meinungsvorherrschaft müssen hin und wieder ein paar Unwahrheiten sein. Sonst verliert man am Ende die Schlacht und wir bekommen ein Haustier. Und das darf nicht sein. Zumindest kein solches Haustier.

Und übrigens auch kein Solches:

Rattenkampf



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