Ratschläge

Ratschläge zu bekommen ist ja schon so eine Sache, aber dann auch noch ungefragt?

In ca. 5% der Fälle kommen sie sehr gut an, aber die Restlichen nerven nur tierisch. Neulich bin ich mit dem Großen, der sich in letzter Zeit auch mal von seiner schlechten Seite zeigen kann, und das auch noch in der Öffentlichkeit, durch eine nicht heimische Fußgängerzone marschiert. Mein Sohn war total übermüdet, auf Grund seines ausgelassenen Mittagsschlafs, und war mit sich uneins, wer er gerade war und wenn ja, wie viele. Wir hatten einen schönen Tag mit Bahn und Bächleboot fahren hinter uns, doch irgendwann ist auch bei unserem Energiewunder, wie bei einem iPhone, am Abend der Akku leer. Wie so oft wenn das passiert, wird er leidlich und findet alles doof. Ich flaniere also die Fußgängerzone mit schreiendem Kind an der Hand hinunter und ernte dabei verständnisvolle Blicke von Eltern, die sich noch zu gut an die Trotzphase der eigenen Kinder erinnern können. Doch plötzlich stellt sich mir eine wohlgekleidete, ca. 60 jährige Dame in den Weg und sagt:” Vielleicht kann er jo nimmer marschiere, nemme Se ihn halt e mol uffn Arm!”

Das sind genau die Augenblicke, in denen man eigentlich souverän und gelassen einfach weitergehen sollte. Sie kennt das Kind nicht, weiß nichts über die Vorgeschichte. Sie hat wahrscheinlich auch nicht gesehen, dass ich den Großen bis vor ca. 100 Metern noch auf dem Arm hatte, wogegen er sich heftigst wehrte und dabei brüllte:” Will alleine gehn!”

Ohne Reaktion, mir jeglichen Kommentar verkneifend und tief aus meiner Mitte heraus atmend, gehe ich an der Dame vorbei… Pustekuchen! Wenn ich doch endlich Yoga machen würde. Mach ich aber noch nicht und deshalb gehe ich auf die Dame ein.

“Wenn ich einen Ratschlag in Sachen Erziehung benötige, kommen ich gerne auf Sie zurück, jetzt im Augenblick benötige ich Keinen. Vielen Dank.”

“Des arme Büble, mache Se doch ebs!”

“Mischen Sie sich bitte nicht in Sachen ein, von denen Sie keine Ahnung haben.”

“Pah! Kei Ahnung? Ich war jo selberemol e Mudder!”

“Ja genau, WAREN! Einen schönen Tag noch!”

Nach diesem kleinen verbalen Faustkampf verlassen die Kontrahenten den Ort des Geschehenes mit jeweils einer Menge Frust im Bauch. Übrigens, der Große brüllte die gesamte Zeit weiter, bis wir endlich wieder in einer Straßenbahn saßen.

Diese Situation ist so beispielhaft für ungefragt Kommentare und Ratschläge in unserer Zeit mit Kindern. Gerade bei dem Ersten war es besonders schwer. Wir selbst waren total unsicher und wenn es dann noch Menschen mit sinnlosen Kommentaren schaffen einen aus der gerade konstruierten Bahn zu werfen, wird es echt hart. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit als der Große in sein eigenes Bett ausquartiert werden sollte und alleine einschlafen sollte.

Die schönsten Sprüche aus der Zeit waren:

“Der arme Bub, ganz alleine in dem Zimmer” und

“Die muss man halt auch mal schreien lassen”

Vielen Dank noch mal an die damaligen Sprücheklopfer, sie haben uns leider keinen Schritt weiter gebracht. Wir waren beide so unsicher, wie das  jetzt funktionieren soll. Nur in dem Punkt, dass wir unser Bett wieder für uns zurück haben wollten waren wir uns einig. Denn irgendwann möchte man einfach mal wieder eine gewisse Zweisamkeit zurück, auch wenn es nur für ein paar Stunden ist.

An den ersten Versuch erinnere ich mich auch noch sehr gut, der war so hart für alle Beteiligten, dass unser Besuch damit drohte, sofort abreisen zu wollen, wenn wir den Versuch nicht augenblicklich abbrechen würden. Leider war auch das keine allzu große Hilfe, aber zum damaligen Zeitpunkt (bei dem Geschrei) verständlich.

Geschafft haben wir es im übrigen dann ca. eine Woche später und zwar habe ich mich drei Nächte in Folge an das Bett des Großen gelegt und damit war die Sache gegessen. Ohne Schreien und ohne blutende Elternherzen.

Dies ist natürlich kein Ratschlag, sondern ein Erlebnisbericht. Jeder sollte die Erziehung in schweren Situationen so meistern, dass er/sie sich  nicht quält und schon gar nicht die lieben Kleinen.


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