Raffinierte Kochkunst im Kunsthof Uznach

Von Reisememo @reisememo

Seit Juni 2014 kann im Kunsthof in Uznach wieder geschlemmert werden. Mit Inhaber Marcus G. Lindner und Küchenchef Christian Geisler wird das Restaurant von zwei österreichischen Sterneköchen geführt, die in der Schweizer Gastronomie-Szene bestens bekannt sind. Wir haben das neu eröffnete Restaurant besucht…

Uznach liegt am Ende des oberen Zürichsees, am Rande der Linthebene. Es ist vor allem auch wegen seiner Storchenkolonie bekannt, welche das ganze Jahr hindurch von rund 30 Störchen bewohnt wird!

Aber eigentlich glauben wir ja nicht mehr an den Storch, daher kommen wir auf den Punkt, warum wir Uznach besucht haben.

Gourmet-Restaurant “Der Kunsthof”

Eine alte Kreuzbodenscheune wurde im Jahre 2003 renoviert, woraus der Kunsthof entstand. Im Gebäude befinden sich ein Museum und eine Kunstgalerie. Das Restaurant “Der Kunsthof” präsentiert sich im grosszügig ausgebauten Heuboden im 1. Stock.

Saal des Gourmetrestaurants Kunsthof

Altes und Schönes wurde hier mit Modernem kombiniert. Durch den offenen Dachausbau erscheint das Restaurant sehr gross und luftig. Farblich ist der Raum mit Grau und Holz sehr elegant gehalten. Einzelne rote Stühle verleihen der Ambiance noch einen speziellen Akzent. Und ein Cheminée sorgt (an kühlen Tagen) für Dachbodenromantik.

Die nüchtern gedeckten Tische aus edlem Nussbaumholz wirken zwar recht puristisch, da der Restaurantchef klare Linien mag. Umsomehr stehen dafür die kulinarischen Köstlichkeiten im Mittelpunkt, sobald sie serviert werden.

Asketisches aber elegantes Tischgedeck

Ein eingespieltes Team

Der Kunsthof wird von Christian Geisler (Küchenchef/Gastgeber) geführt. Der Newcomer der Schweizer Gourmet-Gastronomie war unter anderem auch in den USA unterwegs, um berufliche Erfahrungen zu sammeln, ehe es ihn in die Schweiz zog.

Chefkoch Christian Geisler in seinem Restaurant

Zusammen mit seiner vierköpfigen Küchenbrigade sorgt er im Kunsthof mit kreativen Gerichten für einzigartige Genussmomente.

V.l.n.r: Herminio, Ingo, Mitja (Sous-Chef), Christian und Simon

Bevor der Salzburger das Zepter in Uznach übernahm, bewies er seine Kochkünste im Restaurant Heimberg in Zermatt, wo er Anfang Jahr für seine Arbeit noch mit einem Michelin-Stern und 16 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet wurde! Herzlichen Glückwunsch!

Wir sind gespannt, wie die Bewertung im Kunsthof ausfallen wird und drücken die Daumen!

Vor seiner Station in Zermatt hat Christian Geisler übrigens als Sous-Chef im Mesa in Zürich für Spitzenkoch Marcus G. Lindner gearbeitet, der Pächter des Restaurants Kunsthof ist.

Lindner ist heute Executive Chef des Luxushotels The Alpina Gstaad, wo er auch weiterhin in dieser Funktion tätig sein wird. Wir haben ihn kürzlich in Gstaad besucht und waren von seinen Kochkünsten begeistert! Hier geht’s zum Bericht.

Marcus G. Lindner vor seinem Restaurant Sommet in Gstaad

Als langjähriger Spitzenkoch steht Lindner dem Kunsthof als beratender Stützpfeiler zur Verfügung, vor allem was die kommerziellen Aspekte betrifft. Mit Lindner und Geisler als eingespieltem Team kommen zwei Generationen zusammen: Hier wollen die beiden die «Kunst der modernen Gastlichkeit» leben.

Weinschrank von Sommelier und Restaurantchef Christian Magner

Ergänzt wird das Team durch den sympathischen Restaurantchef und Sommelier Christian Magner, der Geisler von Zermatt nach Uznach gefolgt ist und früher ebenfalls mit Lindner und Geisler im Mesa wirkte.

Die Gaumenfreuden

Mittags werden jeweils täglich wechselnde Business-Menus serviert, die jede Woche einem speziellen Thema bzw. einer Region gewidmet sind.

Abends stehen auf der Kunsthof-Karte 10 Gerichte zur Auswahl, woraus der Gast sein Gourmet-Dinner je nach Gusto zusammenstellt. Ausserdem empfiehlt der Chef jeweils ein abgestimmtes 6-Gang Menu inklusive passenden Weinen. Das war natürlich total nach unserem Geschmack!

Gruss aus der Küche

Zuerst wurden verschiedene deliziöse Amuse-Bouche Häppchen auf Steinen serviert, was für einen fulminanten Auftakt sorgte: Wasabi Airbread über Fois Gras Chips mit Rhabarber(!?) und Amaranth mit Forelle und Basilikum. Phuuuu … so speziell kochen wir zu Hause nie! ;-)




Dazu hat uns Sommelier Christian einen Sauvignon Blanc Rufus vom Taggenberg eingeschenkt, der mit seinem aromatischen und frischen Bouquet bestens mundete.

Wir wetzten schon langsam die Messer für das Menu – aber wir mussten uns noch gedulden. Denn jetzt wurde erst mal ein Steam Bun mit Schweinebauch und Junglauch gereicht, bevor ein Stück Wassermelone mit Speck und Minze seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Was für ein exotischer Kontrast!

Zum feinen Brötchen aus Manitobamehl wird übrigens eine Liebstöckel Crème mit Heublumen gereicht. Sehr exquisit! Speziell vielleicht daran ist, dass es als “Gang” serviert wird.




So, jetzt aber!

Das Menu

Gestartet wurde das Menu mit einer Hamachi Gelbflossenmakrele mit Erdnuss und Edamame Bohne. Zu dieser Vorspeise hielt Christian einen Côtes du Rhone Weisswein von Clos Bellane bereit.

Hamachi Gelbflossenmakrele mit Erdnuss und Edamame Bohne

Weiter ging es mit einer perfekt zubereiteten Jakobsmuschel an roter Bete, Frischkäse und Lattich. Ein dezenter Lattichsud wurde elegant dazu gereicht. Das Ganze gab es gleich zwei Mal; eine warme und eine kalte Ausführung – wie originell!

Jakobsmuschel an roten Beetenchips und Lattichsud

Eigentlich gehört rote Bete nicht zu meinem Lieblingsgemüse, aber so als Chip serviert, schmeckte sie ausgezeichnet und passte hervorragend als Kontrast zur Meeresfrucht!

Den Hauptakt machte ein butterzartes Sommerreh mit Apfel und Kohl auf einer luftigen Kohl-Espuma. Da hatten wir wirklich keine Worte mehr übrig – das Fleisch war so zart, dass es auf der Zunge zerging. Jetzt wurde es so richtig ruhig am Tisch, wir nickten uns nur noch mit hochgezogener Stirn und grossen Augen vielsagend zu: Es ist himmlisch in Uznach…

Butterzartes Sommerreh an Kohl und Apfelschnitzen

Dazu genossen wir einen kraftvollen und trockenen Bordeaux, den Clos du Jaugueyron vom Haut-Médoc, mit seinem würzigen und dichten Bouquet.

Das kulinarische Abschlussbouquet machte zum Dessert die Kirsche mit Karamell und Buchweizen.

Dachten wir zumindest … bis zum Kaffee noch zwei Akte von Passionsfrucht präsentiert wurden, die das Feuerwerk nochmals kurz aufflackern liessen: Passionsfrucht-Schaumkuss, Marshmellows und Meringue…. was will man dazu noch ergänzen?

Wir Frauen jedenfalls nichts mehr – zu gut war der Geschmack der Passionsfrucht, der noch im Gaumen zu spüren war.

Zum Kaffee: Passionsfrucht-Schaumkuss, Marshmellows und Meringue

Der Herr am Tisch liess sich noch zu einem sizilianischen Marsala von Curatolo Arini überreden. Obwohl der 13-jährige Rum vom Spirituosenwagen wäre wahrscheinlich auch noch einen Versuch Wert gewesen… Besser wird’s wohl nicht mehr ;-)

Herzlichen Dank an…

Ein riesengrosses Dankeschön an Christian Geisler für die Einladung und das köstliche Essen. Besten Dank auch an Christian Magner für die Weinempfehlung und Stephanie und Andi für den äusserst sympathischen, tadellosen und allwissenden Service.

Wir wünschen dem jungen Team weiterhin viel Erfolg!

Ein “grazie mille” geht auch an Monica Larocca für die Vermittlung und die charmante Begleitung. Wir haben den Abend sehr genossen!

Hier noch ein paar weitere Impressionen:

Adresse

Der Kunsthof Restaurant Unser Rating: 5 Sterne Zürcherstrasse 28
8730 Uznach
St. Gallen

+41 55 290 22 11
Zur Karte

Kategorie: Gourmet

Preisklasse: 5 von 5
Reservation empfohlen
E-Mail: restaurant@derkunsthof.ch

Der Reisebericht Raffinierte Kochkunst im Kunsthof Uznach von Katja Birrer ist erschienen bei .