Radio Paradiso

Fotoquelle: www.zintzen.org

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Erinnert sich wer? Vor einem guten Monat ging es durch die Medien: der christliche Radiosender “Radio Paradiso” aus Berlin soll seine Lizenz verlieren. Die Begründung lautete, dass der Sender seinen christlichen Anspruch verloren hätte:

In einer Analyse der Berliner Radiolandschaft, die die MABB im Herbst 2009 veröffentlichte, wurde Radio Paradiso ein erheblicher Substanzverlust bescheinigt. So habe sich der Wortanteil von 183,8 Minuten täglich (2006) auf 72,5 Minuten (2008) reduziert. Das Profil des Senders gehe verloren, einzig die “Gedanken zum Auftanken” könnten werktäglich als Rest eines christlichen Radios aufgefasst werden, hieß es damals. (Quelle)

Nun mag man rätseln, was das sein soll… der “christliche Anspruch” – was der Sender aber liefert ist Dauerberieselung und die Vermeidung jeglicher Konflikt-Nachrichten. Ganz gut, wenn man mal denkfrei entspannen will… aber sehr sehr anspruchslos.

Radiomacher in Berlin und Brandenburg sind heute ganz Ohr. Sie warten darauf, wie der Medienrat, der das Schicksal privater Sender in seinen Händen hält, seine jüngste und am meisten Aufsehen erregende Entscheidung begründet: das Ende des explizit christlich geprägten Radios Paradiso. [...]
Die große, bisher vom Medienrat nicht beantwortete Frage ist: Schießt er in seiner aktuellen Besetzung Paradiso ab, weil er keine kirchlich geprägten Sender in seiner Region dulden will – oder stehen doch handwerkliche Überlegungen hinter der umstrittenen Entscheidung? Die hat immerhin zu einer Kampagne der Bild-Zeitung geführt. (Quelle)

Nur zu verständlich ist, dass die Amtskirchen gegen den drohenden Lizenzentzug Sturm laufen. So schreibt das Medienmagazin Pro:  “Ein Aus für Radio Paradiso ist nicht akzeptabel. Der Sender ist ein mutiges Projekt, das auf dem härtesten Radiomarkt in Europa wirtschaftlich erfolgreich tätig ist und christliche Werte vermittelt”, teilte Göring-Eckardt am Mittwoch mit.
Und auch die EKD hat in einer Stellungnahme ein Wörtchen mitzureden (schließlich gehört ihr der Sender – fast):

Das Votum der MABB schränke den kulturellen Auftrag der Kirche ein.

Ehrlich gesagt ist es mir Schnuppe, ob es Radio Paradiso weiter gibt oder nicht. Mir geht es um viel Grundsätzliches:  Die Kirche hat keinen “kulturellen Auftrag” in einer säkularen Gesellschaft. Das ist einfach mal festzuhalten. Und danach können wir darüber diskutieren, ob ein christlicher Sender in einer “Stadt der Atheisten” notwendig ist. Ich meine, das ist er nicht; aber wer das haben möchte, kann das haben und hören.

Ich finde viel entsetzlicher, dass die öffentlich-rechtlichen Sender, die auch ich finanziere, den Amtskirchen – aus dem gleichen mißverstandenen “kulturellen Auftrag” heraus – Sendezeit einräumen. Jeden Morgen quält mich Deutschlandradio Kultur mit dem “Wort zum Tage” – was in 90% der Fälle verbaler Unsinn ist.

Sollen die Kirchen ihre Sender haben… aber dann auch – gleiches Recht für alle – auch die Muslime, die Buddhisten, die Juden und nicht zu Letzt: die Atheisten und Agnostiker.