Proust lesen Tag 133-Sodom und Gomorrha-im Salon Verdurin

Hamburg:

Ein Buch in Schlangenlederhaut aus dem Regal genommen: „Das Flimmern des Herzens“. Mein Herz flimmert auch, als ich das Buch aus „Die Andere Bibliothek“ gegen den Gutschein einlöse, „Der Tyrann“ von Stephen Greenblatt (aufmerksam geworden durch feiner Buchstoff) muss auch mit, Anna und Karla erwählen das Finale von „Talon“. Man kann erahnen welche Lasten ich über den Tag tragen werde.

Samtweicher Wind, klingt kitschig aber war so, in der Mönckebergstrasse trägt jemand ein mannshohes Holzkreuz mit Tesa umklebt und warnt laut vor der Hölle. Reden kann er, das muss man ihm lassen, theatralische Gesten kann er auch. Jemand pflichtet ihm bei, als er sagt im Grunde sei der Mensch böse. Der ihm beipflichtet hat Migrationshintergrund. Die Faluner machen eine Gymnastik zwischen Yoga und Eurythmie, eine Flötistin spiel die Habanera und ein Romachor zieht Publikum an.

Diesmal soll es uns in einen uns unbekannten Stadtteil Hamburgs verschlagen der angeblich aus allen Zahlen gekippt ist, Springmesser, Drogen etc.

Es ist ruhiger als im Vorort, nur das Laub raschelt und dazu der warme Wind. Es ist absolut friedlich.

Auf der Rückfahrt in „Combray“ gelesen, das mit den Ratten hätte ich lieber nicht gewusst.

Proust: im Zug Kiel-Hamburg am Morgen gelesen.

Marcel liebt grüne Glanzseide und hat Brichot geschluckt. Er ist der Einzige außer Charlus dem man gern zuhört, finde ich. Der Rest verliert sich in Zynismus, Snobismus und Dazugehörenwollen.

Charlus zeigt sich gerade im Understatement, er spricht nicht von seinen Talenten, als einer der es wirklich drauf hat. Da kann Morel nicht mithalten. Wie schön dass jeder Meyerbeer für Debussy hält und sich in Ahs und Ohs ergötzt.  Den Ausführungen Proust über Homosexualität und Kunst vermag ich nicht zu folgen. 

Cambremers führen sich noch immer snobistisch auf, sie stürzt sich auf ein Heft von Scarlatti, Charlus erzählt von seinem Schutzpatron Sankt Michael, später wird Karten gespielt, Cottard klopft launige Sprüche, während, ich glaube es ist Cambremer, herausfindet dass Cottard der berühmte Professor Cottard ist.

Dann ist das Ziel erreicht, wir fahren im Hauptbahnhof ein. Wir wollen zum Buchladen, ein Buch in Schlangenlederhaut aus dem Regal befreien, später in einen Stadtteil der angeblich aus allen Zahlen gekippt ist, schauen ob es wirklich so ist. Ein warmer Wind weht. Es sind 27 Grad im Oktober.


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