Proust lesen Tag 132-Sodom und Gomorrha-Im Salon der Verdurins-Charlus in Kiel

Kiel: Nachts. Der Gatte kehrt von der Vernissage zurück. „Unten wurde eine Rede gehalten, also bin ich zwei Stockwerke höher und habe mir die Bilder der Künstlerin angesehen, das Buffet war auch dort.Rede beendet, alle stürmen zum Buffet, niemand schaut sich die Bilder an. Wichtig schien allein gut dazustehen bzw. auszusehen während man in der Schlange anstand um Essen zu ergattern.Das war Proust pur, sagte der Gatte kopfschüttelnd, jedenfalls so wie du darüber erzählst: Sehen und gesehen werden.“

Ich hatte heute unvermutet frei, kam aber nicht in den luxuriösen Umstand die Sonne zu genießen, sondern unterzog das Haus einer Grundreinigung während ich Proust hörte. Das Hörspiel war eine gute Idee, denn oft ist es so, dass ich merke dass ich beim ersten Lesen etwas falsch verstanden habe oder zu flüchtig war.

Das Haus ist wieder von Teenies belagert, Lukas kam von einer Fahrradtour aus Kreta wieder, Maria und Janne hatten Kroatien unsicher gemacht. Jetzt verfallen Maria und Anna in gewohnter Manier dem Backwahn, ist Karla mit Janne zum Pferd gefahren, genießt Julius die Dämmerung auf der Dachterasse.

Proust:  Gespräch über Elstir, der dem Salon der Verdurins den Rücken kehrte, nachdem es Madame Verdurin nicht gelang ihn mit seiner neuen Flamme auseinanderzubringen. „Ja damals, als er bei mir einkehrte hatte er noch Talent. Intelligent sei Elstir ohnehin nie gewesen. Seinen Impressionismus nennt sie „hektisch gewordenes achtzehntes Jahrhundert.“

Göttliches Gespräch zwischen Monsieur Verdurin und Charlus, es geht ums dazugehören. “ Dazugehören versteht Charlus als Anspielung auf seine Homosexualität und ist nach den flammenden Blicken von Cottard nun langsam am Ende seiner Kräfte.

Ein Missverständnis. 

Cambremers regen sich noch immer über das  in ihren Augen nicht mit Stil eingerichtete Anwesen auf. „Und sie haben Tüllstores! Welch ein Stilbruch! Aber was wollen Sie, die Leute wissen es nicht besser, wo sollen sie es auch gelernt haben? Wahrscheinlich sind sie reiche Geschäftsleute, die sich zur Ruhe gesetzt haben. Für ihre Verhältnisse ist es gar nicht so schlecht.“

Drei Adjektive Regel: Wir fühlen uns glücklich-geehrt-ganz davon angetan.

Charlus bei Kaiser Wilhelm in Kiel:

 Charlus verteidigt gegenüber Cambremer den Titel seine Hoheit und bezieht sich dabei auf Kaiser Wilhelm der ihn in Kiel die ganze Zeit mit Monseigneur anredete. Der Kaiser sei hochintelligent, verstünde aber leider nichts von Malerei, denn er hätte alle Elstirs aus den nationalen Museen entfernen lassen. Er lobt die Hochrüstung Wilhelms, hält ihn als Mensch aber für nichts wert. „…er hat seine besten Freunde verlassen, verkauft, verleugnet-leitet über zur Eulenburg Affäre (muss ich noch nachschlagen).


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