Protokoll einer heissen Juli-Nacht

Von Beautifulvenditti

21 Uhr: Alle Kinder sind im Bett, es sieht ganz danach aus, als könnte heute noch ein Film drin liegen. Ein ganzer, ohne Unterbrüche.

21:10 Uhr: Der FeuerwehrRitterRömerPirat kann nicht schlafen. Warum, weiss ich auch nicht, also darf er noch Wasser trinken.

21:55 Uhr: In den Kinderzimmern herrscht jetzt absolute Ruhe. Ob wir jetzt den Film schauem sollen?

22:05 Uhr: Karlsson kann nicht schlafen. Ich schlage ihm vor, etwas zu lesen, aber dazu ist er zu müde. Dann soll er eben eine CD oder eine Schallplatte hören, aber das will er auch nicht. Dann eben singen? Nein, will er auch nicht. Dann soll er sich doch einfach ins Bett legen und Schäfchen zählen. Hat bei mir zwar auch nie gewirkt, aber ich will jetzt endlich Feierabend haben. Karlsson zieht sich in sein Zimmer zurück.

22:06 Uhr: Ob wir jetzt den Film schauen sollen?

22:08 Uhr: Karlsson ist wieder da. Er hat drei Minuten lang Schäfchen gezählt und kann noch immer nicht schlafen. Ich sage lange Zeit nichts, höre in mich hinein, um herauszufinden, ob ich jetzt schon explodieren soll, oder ob ich das erst beim nächsten Mal, wenn Karlsson wieder runter kommt, tun soll. Schweren Herzens entschliesse ich mich gegen das sofortige Explodieren und sage – ganz nett und aufrichtig übrigens – Karlsson solle sich doch auf die Matratze in unserem Zimmer legen und dort schlafen. Karlsson findet das eine gute Idee, holt sich Decke, Kissen und Eisbär David und legt sich in unser Zimmer.

22:15 Uhr: Karlsson muss nur noch schnell aufs WC und einen Schluck Wasser trinken, dann herrscht tatsächlich Ruhe, aber zum Film schauen sind wir jetzt zu müde.

23:59 Uhr: Ich weiss zwar nicht so genau weshalb, aber irgendwie haben „Meiner“ und ich uns die Stunden bis Mitternacht um die Ohren geschlagen. Vielleicht ist es einfach nur unter unserer Würde, noch am gleichen Tag zu Bett zu gehen, an dem wir morgens aus dem Bett gekrochen sind.

00:15 Uhr: Alles schläft….

00:30 Uhr: Luise kommt ins Elternschlafzimmer geschlichen. Sie hat Angst. Ich rücke an den Bettrand, damit sie sich zwischen „Meinen“ und mich quetschen kann. 

01:13 Uhr: Luise steht auf, um sich aufs Sofa zu legen, weil es ihr zu heiss ist zwischen „Meinem“ und mir.

01:25 Uhr: Luise ist wieder zurück. Auf dem Sofa hat sie die Angst wieder gepackt. Dann schon lieber heiss als ängstlich. Aber so heiss wie vorher auch wieder nicht. Mal sehen, ob sie beim Prinzchen unterkommt. Aber das Prinzchen will Luise nicht in seinem Bett haben. Luise, die weiss. wie sie ihren jüngsten Bruder rumkriegen kann, versucht es zuerst mit Betteln und weil dies nichts bringt, redet sie ihm ins Gewissen: „Du bist ein ganz böses Prinzchen, wenn ich nicht zu dir ins Bett kommen darf.“ Ich habe ja nicht gewusst, dass man flüsternd überhaupt schimpfen kann, aber Luise kann es und zwar so wirkungsvoll, dass das Prinzchen schliesslich widerwillig zur Seite rückt und der grossen Schwester Platz macht.

01:40 Uhr: Alles schläft…

06:10 Uhr: Von allen ausser von Karlsson unbemerkt kommt der FeuerwehrRitterRömerPirat ins Elternschlafzimmer geschlichen. Später, als ich den Jungen nicht finden kann, wird Karlsson zu Protokoll geben, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat im Zimmer einen Schlafplatz suchte und sich, als er sah, dass nichts mehr frei war, aufs Sofa zurückgezogen hat. Dort fand ich ihn dann tatsächlich auch, später, als ich mich endlich von meinem Kissen losgerissen hatte.

06:45 Uhr: Tagwache. Luise schläft quer in Prinzchens Bett, die Beine an die Wand gelehnt, als sei sie bei der Gymnastik eingeschlafen. Das Prinzchen reibt sich verdutzt die Augen, weil plötzlich die halbe Familie im Zimmer ist. Karlsson drängt „Meinen“ und mich dazu, endlich aufzustehen und ich versuche vergeblich, ihm klar zu machen, dass ich ebenso grosse Mühe mit dem Wachwerden habe, wie er jeweils mit dem Einschlafen. 

07:30 Uhr: Die ganze Familie sitzt am Frühstückstisch. Die Ganze Familie? Nein! Ein unbeugsamer kleiner Zoowärter hat sich dem Gruppendruck widersetzt und die ganze Nacht in seinem eigenen Bett geschlafen. Und weil es sich dort weitaus besser schläft als eng aneinander gedrängt in einem stickigen Schlafzimmer, ist er der Einzige, der morgens nicht verzweifelt aus dem Bett geflüchtet ist, sondern sich noch eine weitere halbe Stunde Schlaf gönnt.