"Polizeiruf 110: Tatorte" [D 2018]


Wenige beleben Geister beiläufiger als Christian Petzold. Seine Geister schweben nicht, sondern schwelen und fahren stundenlang durch das, was erst noch Moderne werden muss oder gar noch Vormoderne ist. So auch Matthias Brandt und Maryam Zaree. Über das Land, über die Autofahrten, in denen sich Brandt und Zaree (wie in einem schlechten Krimi) dialogisch befragen, legt sich ein trübes Samuel-Barber-Requiem, es sind Hanns von Meuffels‘ allerletzte Fahrten. Früher war er ein eifriger, hippeliger Ermittler, eifrig und hippelig wie seine ihm zugeteilte Assistentin Nadja (Zaree). Nachdem die Trennungskrise kam und mit ihr die eingepackten Umzugskartons, folgt die Sinnkrise. Der "Fall" um ein (anfänglich) familiäres Beziehungsdrama rumort doppeldeutig in den fahlen Flächen dieser Figur, in denen Petzold Miniaturen zerstreuter Erschöpfung inszeniert: Der Ermittler kämpft gegen ein Dampfbügeleisen und eine SIM-Karte, die unter Anstrengung in sein neugekauftes Smartphone gezwungen werden muss, wohingegen der Kaffee langsamer köchelt als sonst. Platz hat der alte Hanns von Meuffels lediglich in einer expressiven Performance, sich in den Tathergang einzufühlen. Die Tatorte sind mindestens ausdruckslos, höchstens gestellt, die Liebe unter Schmerzen an die Haut getackert. Dennoch lebt "Polizeiruf 110: Tatorte" von seiner verschwiegenen Schönheit – den anderen, das verletzte Tier, zu tragen, bedarf einer Kraft, vergleichbar mit einem Schuss.

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