Poesiemontag #6

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~Gottfried Benn
O, Nacht-
O,Nacht! Ich nahm schon Kokain,Und Blutverteilung ist im Gange.Das Haar wird grau, die Jahre flieh´n.Ich muß, ich muß im ÜberschwangeNoch einmal vorm Vergängnis blühn.
O,Nacht! Ich will ja nicht so viel.Ein kleines Stück Zusammenballung,Ein Abendnebel, eine WallungVon Raumverdrang, von Ichgefühl.
Tastkörperchen, RotzellensaumEin Hin und Her, und mit Gerüchen;Zerfetzt von Worte-Wolkenbrüchen-:Zu tief im Hirn, zu schmal im Traum.
Die Steine flügeln an die Erde.Nach kleinen Schatten schnappt der Fisch.Nur tückisch durch das Ding-GewerdeTaumeld der Schädel-Flederwisch.
O,Nacht! Ich mag dich kaum bemühn!Ein kleines Stück nur, eine SpangeVon Ichgefühl - Im ÜberschwangeNoch einmal vorm Vergängnis blühn!
O,Nacht, o leih mir Stirn und Haar,Verfließ Dich um das Tag- verblühte!Sei, die mich aus der NervenmytheZu Kelch und Krone heimgebar.
O, still! Ich spüre kleines Rammeln:Es sternt mich an - Es ist kein Spott-:Gesicht, ich: mich, einsamen Gott,Sich groß um einen Donner sammeln.
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