Planloser Reiseguide für Mittellose

Planloser Reiseguide für Mittellose
Meine Lieben
Vor einer Woche hat mich und meine beste Freundin Caroline entgültig das Fernweh gepackt. Am Vorabend die wichtigsten Dinge zusammengerafft und das erste Reiseziel geplant gings ein paar Stunden später mit dem Interrail Global Pass auf nach Wien. Danach folgten Prag, Berlin, Hamburg, Amsterdam, 30 Minuten auf einem Festival, wofür wir 3-Tagespässe hatten, und Köln. Nach einer Reise voller unvergesslicher Erlebnisse, kleinen und grossen Abendteuern sind wir dann am Wochenende als selbsternannte Interrail-Expertinnen in die Schweiz zurückgekehrt. Da ich ja ein sehr loyaler  und barmherziger Mensch bin, möchte ich mein Wissen natürlich mit euch teilen. Falls ihr also auch eine Interrail-Reise geplant habt, solltet ihr euch folgende Tipps zu Herzen nehmen:
Freundet euch mit Klofrauen an!Auf einer Reise ohne festen Schafplatz und ohne Badezimmer ist die Klofrau ganz klar euer Best Buddy. Denn ist erst mal eine Freundschaft entstanden, dürft ihr die 1,50 Euro Eintritt auch ohne schlechtes Gewissen und ohne blöde Kommentare bis aufs letzte ausnutzen. Will heissen: Auf''s Klo gehen, Hände waschen, eincremen, schminken, Haare föhnen, Haare glätten, umziehen, nochmal auf's Klo, Zähne putzen, einparfümieren, Outfits anprobieren, Linsen wechseln, nochmal auf's Klo... Das volle Programm eben. Natürlich finden das die "Nur-Toiletten-Nutzerinnen" jetzt nicht ganz so super. Aber was solls! Wenigstens habt ihr das Herz der Klofrau erobert. Und wenn ihr das mit der Freundschaft sogar richtig arg gut hinkriegt, kann im besten Fall sogar nach einer einstündigen Dusche für zwei Euro sogar noch ein gratis 30 min-Klobesuch drinliegen - inklusive kostenloses Aufputzen von aus dem Koffer gefallenen Flüssigkeiten und deren Behältnissen.Kleiner Bonustipp: Das Zähneputzen auf der Toilette einer edlen Bar, in der ihr selbstverständlich nicht mal was bestellt habt, kommt hingegen nicht ganz so gut an.
Schlaft nicht in Schliessfächern!Ja so eine Nacht in einem Schliessfach hört sich so ziemlich traumhaft an. Also wenn die Alternative eine Brücke oder eine finstere Gasse ist. Dennoch ist es nicht allzu empfehlenswert, eine Nacht im Schliessfach zu verbringen. Es herrscht nämlich die Gefahr, dass ihr am nächsten Morgen von einem brüllendem Ösi-Wachmann samt krasser milchgesichtmitarbeitenden Securitygang aus den schönsten Träumen gerissen werdet. Worte wie "Macht euch vom Acker, bevor die Touristen kommen" sind etwas schmerzhaft, auch wenn der Blick unbezahlbar ist, wenn ihr daraufhin euer Koffer aus einem Schliessfach holt und euch davon macht.
Entdeckt euer Abzocker-Gen und werdet zum Assi!
Wer eine Interrail-Reise macht, der muss das Abzocker-Gen in sich tragen. Das bedeutet, dass die Logos von Mc Donald's und Starbucks euch nicht Lust auf Burger und Kaffee machen, sondern euer Gedanke nur dem Gratis-Wifi gilt. Kaffee getrunken wird nur dann, wenn man entdeckt wird oder man drei Stunden auf den Zug warten muss. Zu jedem Kaffee wird dann aber grundsätzlich ein kostenloses Glas Leitungswasser bestellt. Die dreistere aber genauso effektive Variante ist die, dass man in einem Restaurant mit Sonnenterrasse und kostenlosem WLAN etwas isst, damit man später jederzeit davorstehen und die Internetverbindung einfach so durch die Büsche abzocken kann.
Auch das Assi-Gen kann euch niemals schaden, denn wer sich ohne Reservierung einen Sitzplatz ergattern will, kann nicht ohne. Auch so ein zusätzlicher Platz (damit man sich richtig hinlegen kann) ist auch nicht verkehrt. Wichtig ist einfach, dass man sich dann bei jeder Haltestelle unbedingt schlafend stellt, denn so traut sich keiner euch zu "wecken" und zu fragen, ob ihr nicht etwas rüberrutschen könnt.
Übrigens: Als Schweizerin muss man sich dann auch nicht für sein Verhalten schämen, denn sofern ihr im deutschsprachigen Raum unterwegs seid, denkt sowieso jeder, ihr sprecht Holländisch. Somit zieht ihr nicht mal den Ruf eures Heimatlandes in den Dreck. In diesem Sinne: ein herzliches Dankeschön an Holland!

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