Piraten, Hostessen und lesewütige Isländer

Erstellt am 11. Oktober 2011 von Newssquared @Oliver_schreibt

Piraten, Hostessen und lesewütige Isländer

A wie Aussteller: Rund 7500 Aussteller aus 110 Ländern kommen in diesem Jahr nach Frankfurt, was ungefähr dem Stand des Vorjahres entspricht. Und doch ist die Krise nicht spurlos an der Branche vorbeigegangen: Viele amerikanische Verlage haben ihre Stände verkleinert und auch aus Osteuropa kommen weniger Aussteller als sonst.

B wie Börsenverein des Deutschen Buchhandels: Er rief die Frankfurter Buchmesse 1949 ins Leben und gründete damit die größte und wichtigste Buchmesse weltweit. Nirgendwo sonst versammeln sich so viele internationale Aussteller an einem Ort. Das «Netzwerk der Branche» nennt Direktor Juergen Boos denn auch die Frankfurter Buchmesse. Das stimmt umso mehr, als sich die Aktivitäten nicht auf Deutschland beschränken: Mit deutschen Gemeinschaftsständen ist die Frankfurter Buchmesse auf den wichtigen Messen der Welt vertreten und betreibt Servicezentren in Peking, Moskau, Bukarest, New York und Neu Dehli.

C wie Comic: Vor nicht allzu vielen Jahren waren Comics noch als Schundliteratur» verschrieen. Jetzt erscheinen die gemalten Geschichten sogar in ausgewiesenen Literaturverlagen, veredelt als «Graphic Novels». Auch der Philosoph Friedrich Nietzsche ist jetzt gezeichnet zu haben und bei Suhrkamp kommt gerade Thomas Bernhards literarischer Klassiker Alte Meister, illustriert von Nicolas Mahler, heraus. Treffpunkt für die Liebhaber dieses Genres ist das Comic-Zentrum in Halle 3.0 auf dem Messegelände, das sich in den vergangenen Jahren als einer der meistbeachteten und -besuchten Orte der Buchmesse etabliert hat. Ausstellungen, Diskussionen, Vorträge, Signierstunden oder die Comic-Bibliothek locken jedes Jahr junges wie älteres Publikum in Scharen an. Zudem ist die Buchmesse zu einem Treffpunkt unzähliger fantasiereich verkleideter und geschminkter Comic- und Manga-Fans geworden (siehe auch W wie Wettbewerb).

D wie Deutscher Buchpreis: Jährlich wird zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse der «beste Roman deutscher Sprache» ausgezeichnet. 2011 geht der Preis an den Schriftsteller Eugen Ruge für seinen DDR-Familienroman In Zeiten des abnehmenden Lichts. Der Gewinner erhält 25.000 Euro. Im vergangenen Jahr gewann die Schweizerin Melinda Nadj Abonji für ihren autobiografischen Roman Tauben fliegen auf. Zuvor gewannen Kathrin Schmidt (2009) und Uwe Tellkamp (2008). Die siebenköpfige Jury hatte in diesem Jahr so viele Titel zur Auswahl wie nie zuvor: 198 Neuerscheinungen reichten Verlage eingereicht. Mitte August wählten die Juroren zunächst 20 Romane für die Longlist aus, die dann einen Monat später auf sechs Titel reduziert wurde. Hier geht es zur news.de-Rezension von Ruges preisgekrönten Werk.

E wie Eintrittskarten: Wer die Frankfurter Buchmesse besuchen möchte, muss 15 Euro Eintritt (Tageskarte inklusive RMV-Nutzung) zahlen. Schüler, Studenten und Rentner zahlen 10 Euro, Familien (zwei Erwachsene und maximal drei Kinder bis 18 Jahre) insgesamt 35 Euro. Es gibt die Möglichkeit, Tickets im Internet zu erwerben und auszudrucken.

F wie Friedenspreis des Deutschen Buchhandels: Zum Abschluss der Buchmesse wird jährlich der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen – an eine Persönlichkeit, «die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat». Er ist mit einem Preisgeld von derzeit 25.000 Euro dotiert und mit internationaler Publizität verbunden. Preisträger der vergangenen Jahre waren unter anderem der israelische Schriftsteller David Grossman (2010) und der spätere Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk (2005). In diesem Jahr ist der algerische Schriftsteller Boualem Sansal an der Reihe.

G wie Gourmet Gallery: Wer nach all der geistigen Kost Appetit auf Essbares bekommt, sollte die Gourmet Gallery in Halle 5.0 ansteuern. Zwischen rund 40 Ausstellern von Kochbüchern stehen auch internationale Star-Köche in einer eigens eingerichteten Show-Küche und lassen sich in die Töpfe gucken. So zaubert Alfons Schuhbeck am 15. Oktober von 10 bis 11 Uhr mit Gewürzen und Karen Duve kocht am selben Tag von 15 bis 16 Uhr vegan – gemeinsam mit Shootingstar Jérome Eckmeier.

H wie Hostessen: Sie sind das I-Tüpfelchen einer jeden Messe, und auch bei der Frankfurter Buchmesse sind die Hostessen-Jobs heiß begehrt. Was eine Hostess können muss? Natürlich attraktiv sein, immerzu lächeln und freundlich Auskunft geben, Fremdsprachen beherrschen und sagen können, wo es lang geht.

I wie Island: Island ist der Ehrengast der Buchmesse 2011. Das bisher kleinste Gastland hat eine große literarische Tradition: Die Isländer gelten als lesewütig (jeder Isländer kauft im Schnitt acht Bücher im Jahr) mit rekordverdächtig hoher Schriftstellerdichte. Was in dem erzählfreudigen Land viele tun: Limerick-Verse gehören zum Nationalsport. Der Schriftstellerverband zählt 400 Mitglieder – in einem Land mit 320.000 Einwohnern. So groß ist übrigens auch die Stadt Bonn. Rund 1500 Neuerscheinungen pro Jahr und 40 Verlage sind ebenfalls stolze Zahlen. Und ausgerechnet die Buchbranche hat 2008 vom Kollaps des Finanzsystems profitiert. Es wird in Island noch mehr gelesen, sagt Halldór Gudmundsson, der den Auftritt seines Landes auf der Frankfurter Buchmesse vorbereitet. «Die Menschen besinnen sich wieder auf ihre Traditionen.»

J wie Journalisten: Für Journalisten ist die Frankfurter Buchmesse ein Pflichttermin. 10.000 Medienvertreter aus aller Welt berichten über das literarische Ereignis. Manchen kann man auf der Messe beim Arbeiten zuschauen wie etwa ZDF-Heute-Moderatorin Petra Gerster oder Wolfgang Herleser, die zum Beispiel Dieter Thomas Heck (15. Oktober, 13 Uhr) oder Rafik Schami (16. Oktober, 14 Uhr) auf dem «Blauen Sofa» (in der Glashalle) interviewen.

K wie Kindergarten: Besucher, die mit Kindern (drei bis neun Jahre) angereist kommen, können ihren Nachwuchs während des Stöberns auf der Messe kostenlos betreuen lassen. Wo? Am Torhaus Service-Center, Ebene 1, Telefon (069) 75751317, vom 12. bis 15. Oktober von 8 bis 18.30 Uhr und am 16. Oktober von 8 bis 17.30 Uhr.

L wie Lieblingsautor: Bei etwas Glück kann man auf der Buchmesse seinen Lieblingsautor treffen, denn zahlreiche Autoren sind in Frankfurt vertreten, um ihre neuen Werke vorzustellen. Allen voran Arnaldur Indriòson, der mit Abstand wichtigste Krimi-Autor Islands, der sein neues Buch Abgründe über die Gier der Banken und die Wut der Isländer mitbringt. Darüber hinaus kommen unter anderem der dänische Krimi-Autor Jussi Adler-Olsen, sein deutscher Kollege Sebastian Fitzek, Bärbel Schmidt, die Leser als Dora Heldt kennen, sowie zahlreiche Prominente, die in den vergangenen Monaten Bücher geschrieben haben oder demnächst veröffentlichen: darunter Tatort-Kommissarin Eva Mattes und TV-Sternchen Daniela Katzenberger.

M wie Messebesucher: Rund 300.000 Besucher kommen jährlich zur Frankfurter Buchmesse. Besonders an den beiden Publikumstagen Samstag und Sonntag ist das Gedränge groß und Geduld gefragt.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, welche Neuerscheinungen der Buchmesse Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen sollten.

N wie Neuerscheinungen: Jede Menge neuer Bücher werden vorgestellt, darunter solche, die in den vergangenen Wochen für Furore gesorgt haben. Dazu zählen etwa Charlotte Roches neuer Roman Schoßgebete und Philipp Lahms Autobiographie Der feine Unterschied. Wladimir Kaminer schickt Liebesgrüße aus Deutschland und Walter Moers entführt seine Leser in Das Labyrinth der Träumenden Bücher. Frisch auf dem Markt ist Umberto Ecos Der Friedhof in Prag und Walter Isaacsons Biografie über den verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs erscheint Ende Oktober.

O wie Öffnungszeiten: An den beiden Publikumstagen Samstag und Sonntag, 15. und 16. Oktober, ist die Buchmesse ab 8 Uhr geöffnet. Am Samstag schließt sie um 19.30 Uhr, am Sonntag gegen 17.30 Uhr.

P wie Piraten: Sie machen dem deutschen Buchhandel das Leben schwer, denn immer mehr Raubkopierer «bedrohen die heile Welt der Verlage», wie das Süddeutsche Zeitung-Magazin in seiner aktuellen Ausgabe formuliert. Rund 14 Millionen E-Books sind nach einer Erhebung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels im vergangenen Jahr illegal heruntergeladen geworden. Deshalb fordert der Verein nun abschreckende Maßnahmen, denn die Branche wolle nicht das gleiche Schicksal erleiden wie die gebeutelte Musikindustrie. «Bei jedem illegalen Download von so genannten Filesharing-Plattformen werden dann die Nutzer darauf hingewiesen, dass sie was Illegales tun», sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Da seien die Internet-Provider in der Pflicht, die solche Hinweise automatisch verschicken sollten. Doch gingen die Provider bislang nicht auf diese Forderungen ein, sagte Skipis, der nun Hilfe von der Politik fordert. Spitzenreiter im illegalen Herunterladen ist die Piraterie im Wissenschaftsbereich; doch auch im Bereich der Belletristik wachse im Netz das illegale Angebot und die illegale Nutzung. Betroffen sind vor allem kleinere und mittlere Verlage.

Q wie Qualität: Wie erkennt man bei der Masse an Neuerscheinungen, ob ein Buch auch hält, was es verspricht? Eine Antwort versucht Hans-Dieter Gelfert zu geben, der vor ein paar Jahren einen Ratgeber mit dem Titel Was ist gute Literatur? Wie man gute Bücher von schlechten unterscheidet (C.H. Beck-Verlag, 12,90 Euro) veröffentlicht hat. Also erst Gelfert lesen und dann zur Buchmesse gehen!

R wie Rauchfreie Zone: Gute Luft in den Messehallen ist wichtig. Deshalb ist Rauchen nur im Freien gestattet.

S wie Smart Phone: Die Buchbranche erlebt seit Jahren eine Veränderung, die sich knapp mit «Digitalisierung» zusammenfassen lässt. Was vor Jahren noch als Vision galt, wird immer mehr zum verlegerischen Alltag: der Roman fürs Handy, der Reiseführer fürs Lesegerät oder die Literaturverfilmung fürs Smart Phone. Das Angebot an elektronischen Büchern wächst rasant. Digitale Inhalte und die neuesten E-Book-Reader beeinflussen nicht nur das Leseverhalten, sondern auch das Erscheinungsbild der Messe. Immer mehr Bereiche sind elektronischen Produkten vorbehalten. Die Messe will hier Vorreiter sein und der Ort, an dem neue Ideen und Geschäftsmodelle vorgestellt werden. Das Buch ist nur noch einer der Bausteine in einer immer breiter gefächerten Verwertungskette. «Wir müssen alles machen – Print, Digital, Social Media und die Vernetzung vorantreiben», heißt das Credo von Buchmessen-Chef Juergen Boos. Die alte Kette im Buchgeschäft – vom Autor über Verleger und Händler zum Leser – sei passé.

T wie Termine der nächsten Frankfurter Buchmessen: 10. bis 14. Oktober 2012, Ehrengast: Neuseeland; 9. bis 13. Oktober 2013, Ehrengast: Brasilien; 8. bis 12. Oktober 2014, Ehrengast: Finnland.

U wie Umwelt: Wer zur Frankfurter Buchmesse möchte, sollte mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Das schont die Umwelt und vermindert Staus auf den Autobahnen rund um die Messestadt.

V wie Verkauf von Büchern: Nur am Messesonntag können Besucher ihre Lieblingsbücher erstehen, jedoch nur «unter Beachtung der Preisbindung», wie der Veranstalter betont. Auf der Antiquariatsmesse können antiquarische Bücher dagegen an allen Messetagen gekauft werden. Die Käufer sollten in jedem Fall einen Beleg fordern, damit sie bei einer eventuellen Kontrolle durch Sicherheitspersonal belegen können, dass sie die Bücher käuflich erworben und nicht geklaut haben.

W wie Wettbewerb: Die Frankfurter Buchmesse ist Ausrichter des Finales der Deutschen Cosplaymeisterschaft. Cosplayer (englische Abkürzung für «Costume Play») kleiden sich in selbst gestalteten, fantasievollen Outfits nach ihren Vorbildern aus japanischen Comics, Filmen und Rollenspielen. Sie führen am 16. Oktober kurze Bühnenauftritte in ihren Kostümen vor.

Z wie Zeit: Die sollte jeder Buchmesse-Besucher in reichlichem Maße mitbringen und vorher genau überlegen, was er auf der Buchmesse erfahren möchte. Einen Überblick gibt es auf der Internetseite www.buchmesse.de.

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Buchmesse-ABC – Piraten, Hostessen und lesewütige Isländer

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Tags: Buchmesse, Cosplayer, Frankfurter Buchmesse, Hostessen, Piraten

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