Physische Präsenz ist nicht gleich Produktivität

Physische Präsenz ist nicht gleich ProduktivitätAus dem Haus und gleich in den ersten Stau: Vielen Angestellten kommt das bekannt vor. Oft besteht die erste Herausforderung des Tages in einer überfüllten U-Bahn oder einem Stau auf der Autobahn. Die Folge: Zeitverlust und Stress, nicht zu erwähnen die Umweltbelastung und Kosten durch das Pendeln mit dem Auto. In vielen Unternehmen, nicht nur in Deutschland, herrscht immer noch der Glaube, dass die Mitarbeiter im Büro sein müssen, um richtig zu arbeiten, oder im Umkehrschluss, zuhause die Füße hochlegen.

Das ist aber eine unbegründete Angst, wie eine Studie zeigt, die 2016 im Magazin „Forbes“ veröffentlicht wurde.

Angestellte im Homeoffice sind nämlich nicht nur zufriedener als ihre Kollegen im Büro. Wer zu Hause oder an einem anderen Ort sitzt, arbeitet außerdem produktiver. Die Frage, wie glücklich sie bei der Arbeit seien, beantworteten die Home-Office-Arbeiter auf einer Skala von eins bis zehn im Schnitt mit 8,1.

Bei allen anderen Arbeitern lag der Wert bei nur 7,4. Wer im Homeoffice arbeitet, fühlt sich außerdem mehr wertgeschätzt (7,75) als diejenigen, die ins Büro gehen (6,69).

Firmen, die ihren Mitarbeitern flexible Arbeitsmodelle anbieten, profitieren auf vielfache Weise: Mitarbeiter erledigen ihre Aufgaben zu der Tageszeit, in der sie am motiviertesten sind. Das bringt mehr Kreativität und Effizienz, denn motivierte Arbeiter leisten mehr in kürzerer Zeit. Außerdem sind zufriedene Angestellte auch weniger krank.

Für die Angestellten entfallen nicht nur lange Anfahrtszeiten zum Büro. Sie können sich beispielsweise auch ihre Arbeitszeit freier einteilen, die Konsequenz ist eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie – die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigt.

Ganz gleich, ob es dabei um die Pflege eines Verwandten, das Training für einen Marathon oder die Betreuung des eigenen Hundes geht – die Möglichkeit von überall arbeiten zu können, schafft Raum für persönliche Belange im Arbeitsalltag und reduziert Stress. Auch wenn es kontraproduktiv klingt: Das Büro zu verlassen hilft, einen freien Kopf zu bekommen und sich wieder ganz auf die Aufgaben zu konzentrieren.

Die so gewonnene Work-Life-Balance vermindert arbeitsbedingte Überlastung und führt zu einer höheren Produktivität. Zusätzlich wächst die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber, der signalisiert, dass Leistung und nicht Präsenz zählt, und Vertrauen in den Mitarbeiter setzt, diese zu erbringen.

Dabei kann die Wahl des Arbeitsortes dem Mitarbeiter überlassen werden – es müssen ja nicht unbedingt die eigenen vier Wände oder das Café um die Ecke sein: Ein einfacher Szenenwechsel wie der Rückzug in einen kleinen Meetingraum für konzentriertes Arbeiten oder ein Brainstorming in der Cafeteria sorgen schon für Abwechslung.

Was ist zu tun? Unternehmen müssen umdenken und Mitarbeitern in ihrem eigenen Zeitmanagement vertrauen. Exzessive Überstunden stellen in der Industrie ein ernstes Problem dar, besonders bei jungen Berufstätigen, die gerade erst von der Universität kommen und sich im ersten Job beweisen wollen.

Denn: Lange physische Präsenz im Büro bedeutet noch lange nicht die Erbringung der besten Leistung. Am produktivsten ist ein zufriedener und loyaler Mitarbeiter, der sich wertgeschätzt fühlt und dem die Mittel zu Verfügung gestellt werden, um in seiner Arbeit das Beste geben zu können. Die Mittel zur Umsetzung gibt es schon, sie müssen nur angewendet werden.


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