Phantomschmerz – Der Fall Finn Fischer [Film]

Phantomschmerz (2018)Titel: Phantomschmerz – Der Fall Finn Fischer
Regie: Andreas Olenberg
Drehbuch: Andreas Olenberg & Daniel Littau

Produktionsland: Deutschland
Dauer: 98 Minuten
Erscheinungsdatum: 2018
Altersfreigabe: FSK 12

Log-Line:
Ein krimineller Taxifahrer (Daniel Littau) sucht den Schuldigen für den Tod seines kleinen Bruders und trifft dabei auf den behandelnden Chefarzt (Sven Martinek). Als dieser zwei Jahre nach dem Verlust seines Patienten betrunken in ein Taxi steigt, ahnt er noch nichts von dem Familiendrama, das sich schon sehr bald zu einem Thriller entwickeln wird. @Camcore

Meine Meinung:
Vor ziemlich genau 2 Jahren bin ich bei StartNext auf dieses Projekt gestoßen: https://www.startnext.com/phantomschmerz

Nach dem „Bewerbungsvideo“ und dem netten Kontakt per E-Mail, wo ich sogar vorab das Drehbuch lesen durfte, war ich bereit, erstmalig auf dieser Website ein Projekt zu unterstützen. Im Nachhinein bereue ich nur noch, dass ich nicht mehr Zimt in dieses Projekt gebuttert habe – denn diese Herrschaften hätten es sich wahrlich verdient!

Ich freue mich auch außerordentlich, dass sie mich namentlich sowohl als finanziellen Unterstützer als auch beim Drehbuchfeedback im Abspann erwähnt haben! Sie dürften sich das wirklich zu Herzen genommen haben, denn so ziemlich jeder Vorschlag meinerseits wurde schlussendlich im fertigen Film auch berücksichtigt.

Aber genug des Eigenlobs *räusper* … es geht hier doch um den Kinofilm aus Espelkamp, kreiert von den Jungfilmern Andreas Olenberg (Regie / Drehbuch), Daniel Littau (Drehbuch / Schauspieler) und Sebastian Sellner (Kameramann), welches zum großen Teil über Crowdfunding finanziert wurde!

Die Technik und die Kamera wirken äußerst professionell, besser als so mancher TV-Film auf ZDF oder Sat1. Die Effekte und das Szenenbild zeugen von erstaunlicher Präzision und Einfallsreichtum.

Die Geschichte klingt vielversprechend, ein Film für die Abendstunden, wenn man nach einem stressigen Arbeitstag nach Hause kommt und einfach nur mal die Füße hochlegen will. Ein junger Mann auf der Suche nach sich selbst, nach Vergebung aber vor allem nach einem Sinn des Geschehenen. Ein Chefarzt, der an sich zweifelt, als nach einer Routineoperation etwas schief geht und der Patient dabei das Zeitliche segnet.

Durch Verkettung (äußerst) glücklicher Umstände treffen sich die Beiden wieder, denn dieser Chefarzt war auch im Operationsraum, als vor 2 Jahren der junge Bruder des Protagonisten unerwartet verstarb.

Der Film pendelt ein wenig zwischen „ich muss/will mein Leben wieder in den Griff kriegen“ und „ich will den Schuldigen für den Tod meines Bruders finden“ hin und her. Die Beziehung zwischen Finn und Ellie wirkt (trotz der Änderungen im ursprünglichen Drehbuch) doch noch zu gekünstelt / zu gezwungen. Die Chemie zwischen den beiden – ist nicht wirklich stimmig – leider (aber immer noch besser als in der ersten Fassung!).

Der Mittelteil wirkt etwas seicht, da passiert eigentlich nicht viel. Die Dialoge wirken  zwar ambitioniert, bleiben aber teilweise farblos und überzogen.

Ich finde es auch ein wenig schade, dass die Zeitsprünge (Christopher Nolan lässt grüßen!) nicht konsequent durchgezogen werden.

Auch fand ich (und Yvonne ebenfalls), dass der Soundtrack an manchen Stellen etwas zu sehr Überhand genommen hat, so nett dieser auch sei – so übertrieben laut war er manches Mal.

Auch möchte ich das Ende besonders hervorheben: es ist anders als zuerst geplant! Während es in der ersten Fassung recht klar und doch etwas langweilig rüberkam, haben sie hier eine Alternative erschaffen – aber die gefällt sicherlich nicht jedem! Denn dies schafft Raum für Interpretation. (Oder etwa nicht?) Ich finde die Idee dahinter wirklich gut (auch wenn dahinter noch mehr Potential schlummert), anders als Yvonne – sie liebt komplett abgeschlossene Geschichten, ohne Wenn und Aber. Geschmäcker sind eben verschieden und es ist verdammt schwer, einen Film oder ein Buch zu erschaffen, wo man so gut wie alle zufrieden stellen kann.

Fazit:
Meine herzlichsten Glückwünsche an die äußerst sympathischen Herrschaften aus Espelkamp! Es war eine wahre Freude, ein Teil dieses Projektes sein zu dürfen! Dieser Mut und diese Entschlossenheit müssen auf jeden Fall honoriert werden und ich hoffe doch sehr, dass in Zukunft noch weitere Projekte geplant sind! Dass der Film sogar in regulären Kinos gezeigt wurde – Hut ab! (Schade nur, dass er in Österreich nicht gezeigt werden konnte!)

Als ich bei einem Trailer die Einblendung: „Abgelehnt von der Filmförderung“ gesehen habe, musste ich lachen. So auf die Art: „pfff … wer braucht die schon“ und sie haben einfach ihr Ding durchgezogen! Allein dafür … High Five! (auch hier könnte man stellvertretend die Szene mit dem „Finger im Portemonnaie“ verwenden!)

Ich glaube, gerade dadurch wurde der Film zu etwas wirklich besonderem. Durch die Einbindung der Leute durch Crowdfunding haben sie gezeigt, dass es wirklich funktionieren kann und den Menschen da draußen, die vielleicht ebenfalls Rückschläge hinnehmen mussten – sei es ein abgelehntes Filmstudium oder für seine Ideen von den großen Studios immer die kalte Schulter präsentiert bekommen – Hoffnung geschenkt haben.

Es bedarf kein massives Budget, um einen guten Film zu schaffen. Kevin Smith mit seinen „Clerks“ oder (mein Favorit) Christopher Nolans „Following“ sind herausragende Beispiele dafür. Und jetzt zählt auch Phantomschmerz aus Espelkamp dazu – aber bitte ohne Till Schweiger! 😉

Mein Rating:
7/10 (6 + 1 Bonus Punkt)

https://de.wikipedia.org/wiki/Phantomschmerz_(2018)

https://www.imdb.com/title/tt7753296/

PS: Ich kann auch deren Website empfehlen, wo auch zahlreiche, größtenteils prämierte Kurzfilme zu sehen sind – sehr sehenswert! (Besonders Revolve!)


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