Pfarrers süßer Liebling: Weihrauch zum Naschen

Von Urzeit

Die meisten Pralinen und Schokoladen werden in der Passauer Traditions-Confiserie Simon nach alten Familienrezepten hergestellt – vom Mandelsplitter bis zum Nussnougat. Foto: obx-news
Passau (obx - internet-zeitung) – Am Weihrauch scheiden sich für gewöhnlich die Geister: Die einen lieben den süßlich-herben Duft, andere können dem heiligen Rauch rein gar nichts abgewinnen. Bei Walter und Frank Simons Weihrauch ist das anders. Die Passauer Chocolatiers und Konditormeister haben auf Basis von orientalischem Weihrauch, Lavendelblüte, edler dunkler Schokolade, Sahne und Tannenhonig aus dem Bayerischen Wald einen Trüffel komponiert, der in den drei Passauer Filialen der Traditionsconfiserie und vor allem im Internet zunehmend Schokoladenliebhaber in ganz Europa überzeugt. „Pfarrers Liebling“, wie der von kandierten Blüten umhüllte Weihrauchtrüffel unter Kennern auch heißt, werden sogar gesundheitsfördernde Eigenschaften zugesprochen. Für seine Erfinder ist die zart schmelzende Versuchung ein einträgliches Geschäft.
Die Confiserie Simon gehört zu Passau wie die Weißwurst nach München oder der Dom nach Köln. Seit mehr als hundert Jahren haben die Produkte aus dem Hause Simon in der ostbayerischen Drei-Flüsse-Stadt einen hervorragenden Namen. Die Wachszieherei und die Lebkuchenmanufaktur findet man heute nur noch in Geschichtsbüchern. Die Geschichte der Traditionsbäckerei, die der Urgroßvater des heutigen Inhabers Walter Simon im Jahre 1903 gründete, wird aber bis heute jeden Tag fortgeschrieben. Dabei setzt Konditormeister Walter Simon vor allem auf Qualität statt auf Größe: Drei Filialen gibt es in der Heimatstadt. „Weitere sollen nicht hinzukommen“, sagt Simon. Auf Gourmet- und Delikatessenmessen in ganz Deutschland gehört die Confiserie aus Passau hingegen immer wieder zu den gefragtesten Gästen.

Die meisten Pralinen und Schokoladen werden nach alten Familienrezepten hergestellt – vom Mandelsplitter bis zum Nussnougat. Die neueren Kreationen – wie zum Beispiel den inzwischen deutschlandweit bekannten Weihrauchtrüffel – entwickeln die Simons im Team. „Gerade bei dem Weihrauchtrüffel haben wir viel Masse gekocht und viel herumexperimentiert, bis wir die perfekte Mischung hatten“, erinnern sich Walter Simon und sein Bruder Frank. Bei diesen doch außergewöhnlichen Zutaten sei es gar nicht so leicht, die richtigen Zutatenmengen zu treffen. „Nimmt man zuviel Weihrauch, schmeckt es leicht bitter und der Geschmack rückt sehr in den Vordergrund, nimmt man zu wenig, schmeckt man gar nichts davon.“

Entstanden ist die Idee zu „Pfarrers Liebling“ als ein Fernsehteam einmal eine Reportage über die Simons drehte und damals in der Auslage neben den Pralinen auch Kerzen und Weihrauch entdeckte – ein Relikt aus der Zeit der Wachszieherei. „Da haben wir uns sehr ernsthaft die Frage gestellt, warum wir Schokolade und Weihrauch nicht einmal kombinieren sollten“, erinnert sich Walter Simon.

Pralinenherstellung sei immer ein schmaler Grad, sagen die beiden innovativen Passauer Kreateure Frank und Walter Simon. Darauf zu wandeln, verstehen die Simons offensichtlich sehr gut: Für den Weihrauchtrüffel erhielten die Erfinder die Goldmedaille des Bayerischen Konditorenverbandes. Auch viele ihrer anderen Spezialitäten haben zahllose Preise für Qualität und Geschmack erhalten. Das Geheimnis? „Wir setzen auf regionale Produkte und verzichten auf Farb- und Konservierungsstoffe“, sagt der Inhaber der Confiserie. Der Unterschied zur Schokolade im Supermarkt liege zum Beispiel darin, dass im Hause Simon nur sortenreine Bohnen verwendet werden und die Schokolade extrem lange gerührt wird (conchiert), damit sie wirklich auf der Zunge schmilzt.

Heute hat die Traditionskonditorei rund 60 Angestellte, 40 davon im Verkauf und im Vertrieb, 20 in der Back- und Schokoladenstube. Teil des Erfolgsrezepts der Passauer sind auch die ständigen Innovationen, bei denen der Weihrauchtrüffel nicht die einzige ist. Zum Sortiment gehören zum Beispiel eine Maracujatorte mit Pfeffer, eine Lavendeltorte, eine Bananen-Nelken-Schokolade und eine süße Kreation mit Kräutern.

Auch im Vertrieb geht die Traditionsconfiserie neue Wege. Bereits im Jahre 2001, viel eher als die Konkurrenz, setzten die Passauer auf das Internet – mit Erfolg. Besonderer Gag: Jeder Käufer kann den Inhalt seiner Pralinenschachtel selbst individuell nach Wunsch zusammenstellen. „Das macht uns einzigartig, weil große Firmen das gar nicht leisten können“, sagt Walter Simon. Gerade in der Weihnachtszeit schnellten auch die Bestellungen im Online-Pralinenshop wieder in die Höhe. Dass Pralinen und Schokoladen aus dem Hause Simon etwas ganz Besonderes sind, hat sich im Internet längst herumgesprochen. Zwar kommen noch rund 70 Prozent der Bestellungen aus Deutschland und rund 20 Prozent aus Österreich – die übrigen Kunden aber verteilen sich über ganz Europa, von der Schweiz bis nach Portugal und von England bis nach Spanien.

Den Pralinenshop der Confiserie Simon finden Sie im Internet unter http://www.simon-passau.de