Peter und Nadine - Ein deutscher Liebesfilm

Wie das Leben so spielt, wenn es sich jemand ausdenkt, der nur Doku kann. Nadine ist 24 und seit zehn Jahren mit Peter zusammen, den es aus Afrika nach Halle an die Saale verschlagen hat. Die beiden haben drei Kinder zusammen, aber außer einer gewissen Moppeligkeit kaum Gemeinsamkeiten. Peter spricht deutsch, aber so, dass niemand ihn versteht. Nadine schweigt zumeist, oder sie ningelt in einem klagenden Ton, der Peter auf die Palme bringt, obwohl es in Halle gar keine Palmen gibt.
Der in die halleschen Sozialhilfestrukturen fest integrierte kleine Mann mit dem großen Mund hat sich früher immer in den muchtigen Keller des Mietshauses zurückgezogen, in dem er mit der geliebten Nadine eine recht hübsche und gut beheizte Wohnung bewohnt. Unten traf er sich dann mit anderen Frauen und macht "Mist" wie er es nennt. Nadine, die in dieser Tragikkomödie nicht nur die Julia, sondern auch noch den Vater Capulet spielen muss, hat Peter daraufhin hinausgeworfen. Weil die dralle Hausfrau, die irgendwann zwischen Schwangerschaft zwei und drei eine Konditoreihelferinnenlehre absolviert hat, anziehend auf die Herrenwelt wirkt, ist aber in der Eingangsszene schon der Neue im Haus: Marcel, ein großgewachsener 18-Jähriger, der das Pulver sichtlich nicht erfunden hat. Sichtlich. Er stehe auf ältere Frauen, sagt er, und hat seinen Text damit komplett abgeliefert. Warum nicht, Peter steht ja auch auf ganz, ganz junge.
Hier geht es um Konflikte, hier geht es um Dramen. Peter, von einem Schwall aus rundgeschliffenen Worten umgeben, wirft ... aus der Wohnung. Nadine ist vor Verblüffung verstummt. Peter will sie wieder lieben. Und er will geliebt werden. Seine Familie ist ihm das allerwichtigste, neben dem Flachbildfernseher, den sich das junge Glück in den Jahren nach dem beiderseits einvernehmlich vollzogenen Kindesmissbrauch von der kargen Stütze geleistet hat.
Ein Film wie das wahre Leben, ein Kracher, dem die oscarreif chargierenden Darsteller in jeder Sekunde ihren Stempel aufdrücken. Peter hat seine großen Szenen in der Aufwallung - ein Hauch von Bruno Ganz schimmert auf, wenn der aus unbekannten Gründen ins Abendland migrierte Hallenser seiner geliebten Nadine Schlampentum und Kindesvernachlässigung vorwirft, die große Greta Garbo dagegen findet sich wieder im souveränen Spiel Nadines, wenn sie zwischen zwei Männern, zwischen Glück und Verzweiflung, zwischen Weiterso und Erstmalsehn wählen muss.
Die Kamera fängt die schiere Verzweiflung des Entwurzelten ein, als sie Peter beim Sperrmüllrundgang mit einem Freund begleitet. Eine afrikanisch Ebenholzgiraffe liegt da im Weggeworfenen der Zivilisation. "Schlimm", findet das der Mann, der ausweislich der Bilder aus seinem verrümpelten Keller nie irgendetwas wegwirft. "Die Deutschen schmeißen alles fort", übersetzt der Untertitel sein Gebrabbel, "die Deutschen haben keine Geschichte". Ganz im Gegensatz zu ihm, seinem Freund und dem Rest des Heimatkontinents, der sie in der Weichholzschnitzerei eine wahre "Antiquität" erkennen lässt. "Die kannst Du mitnehmen", empfiehlt der Freund, "die kannst Du teuer verkaufen".
Deutsche sind dumm, die lieben sowas. Schöpfern solcher Skulpturen bezahlen sie ein kostenloses Leben bei sich, inklusive kostenlosem Aidstest, Handy und Markenklamotten. Nadine ist hin und hergerissen. Kann sie Peter, den Unwiderstehlichen, wirklich gehen lassen? Fühlt sie sich hingezogen genug zu ...., dem schrankartigen Baseballkappenträger ohne Mund? Sie fühlt sich ein bisschen schummerig, sie weiß nicht weiter. Sie hat so viele Probleme, sie kann seit Jahren schon nicht mehr arbeiten gehen.
Sie braucht Ruhe. Und einen Schwangerschaftstest. Im Wohnzimmer von Freundin Blondie, auch sie arbeitssuchend und mit viel Tagesfreizeit, taucht Nadine das Teströhrchen in eine Kaffeetasse. es dauern nur Sekunden, dann weiß sie, dass Deutschland dabei ist, die Geburtenraten drastisch nach oben zu fahren: Nadine ist wieder schwanger, das vierte Mal schon und vom dritten Mann, denn nicht der liebe Peter, sondern der Zwei-Wochen-Schwarm Marcel wird der liebende Vater sein. "Ich habe nicht aufgepasst", gesteht sich die Hauptdarstellerin in einem ihrer großen Monologe selbst, "ich habe das schleifen lassen". Jetzt aber werde sie sich sofort Kondome besorgen.
Vorher aber steht noch die Entscheidung an, wie der Film ausgehen soll. wenn soll die Heldin wählen - Peter, den man nicht versteht? Oder Marcel, der nicht spricht? Auf einem Spielplatz kommt es zum Showdown, High Noon am OK-Coral in Halle Süd. Peter immer Geck und immer modisch, hat noch einmal die Windjacke gewechselt, Marcel trägt ein Basecap. Nadine entscheidet, dass er gekommen ist, um zu gehen. sie brauche jetzt Ruhe, dass sie schwanger ist, verrät sie nicht. Der werdende Vater geht ab, unwissend, dass seine Jugend vorüber ist. Er brummt noch, "gut, dann gehe ich jetzt". Peter hingegen frohlockt, ein Schwall feuchtwarmer Worte sprudelt aus ihm heraus, unverständlich, aber ernst gemeint. Er wird seine Familie nun wieder lieben, mit aller Kraft.
Letzter Akt, letzte Szene: Nadine und Freundin ... schreiben böse Worte auf große Zettel, lassen sie im familieneigenen Aktenschredder kleinhäckseln und werfen sie dann vom Dach. Ende gut, alles gut.
Oben und hier die ersten beiden packenden Teile des Dramoletts:


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