Perfekt an die Umwelt angepasst: Die Rio Beni Kultur in Bolivien

Von Max Zellmer

Der amerikanische Kontinent ist die Heimat von zahlreichen Kulturen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Im Schatten der Azteken, Mayas und Inkas lebte im Departement Beni in Bolivien ein Volk, welches die "Earthmover des Amazonas" oder die "Rio Beni-Kultur" genannt wird. Mit ihrem ausgeklügelten Bewässerungssystem haben sie schon vor rund 2000 Jahren gezeigt, was nachhaltiges Wirtschaften bedeuten kann.
Perfekt an die Umwelt angepasst: Die Rio Beni Kultur in BolivienDie "Llanos de Mojos“ (Steppen des Departements Beni) sind wohl eine der einmaligsten prähistorischen Landschaften, welche es auf unserem Planeten gibt – ein unwirtliches Gebiet und zugleich Geburtsort eines der bermerkenswertesten Urvölker des amerikanischen Subkontinents.
Die Earthmover lebten ca. 400 v. Chr. bis 1600 n. Chr. im Departement Beni – die Kultur entwickelte sich also bereits lange vor der Entstehung des Inkareiches. Die sumpfartige Landschaft und die hohen Niederschlagsmengen veranlassten die seinerzeit hier lebenden Völker, ein komplexes Be- und vor allem Entwässerungssystem zu errichten, das Schutzdeiche, Kanäle und künstliche Lagunen umfasste. Man schätzt die damalige Bevölkerung - in der Blütezeit der Kultur - auf 3 bis 4 Millionen Einwohner. Bis heute sind die Spuren dieser Kultur - in Form von Dämmen und Hügeln in der Landschaft zu erkennen.
Man nimmt an, dass dieses Volk vom Nordwesten her eindrang (Ecuador oder Kolumbien), da ihre Artefakte eine große Ähnlichkeit mit der ältesten Kultur Lateinamerikas, der Valdivia -Kultur, aufweisen. Es wurden auch Tonskulpturen ausgegraben, die eine Brenntechnik aufweisen, die damals nur in China gekannt wurde. Diese Methode erforderte eine sehr hohe Temperatur beim Brennen und wurde von keiner anderen Kultur in Amerika angewandt. Es wurden bis jetzt über 600 künstliche Hügel (Mounds) entdeckt; der größte von ihnen ist derjenige, an dessen Stelle heute die Stadt Trinidad liegt. Man nimmt an, dass auf diesem Mound ca. 20.000 Menschen lebten. Ein raffiniertes Bewässerungssystem, die Nutzung topographischer Höhenunterschiede und eine ökologische Bewirtschaftung dieser Region ermöglichte es die Bevölkerung zu ernähren. Auf den Mounds wurden die Hütten als Schutz vor Überschwemmungen und vor Raubtieren errichtet, sie dienten aber gleichzeitig als Begräbnisstätten. Sämtliche Hügel waren durch Dämme miteinander verbunden.
Im 17. Jahrhundert drangen aus dem Süden die Stämme der Guarani ein und unterwarfen die verbliebene Bevölkerung der Earthmover. Sie bepflanzten die verlassenen Mounds mit mitgebrachten Palmarten und benutzten diese ebenfalls als Wohnquartiere und für Begräbnisse. Bei Ausgrabungen fand man in den obersten Schichten der Mounds Utensilien dieser Stämme. Später siedelten sich viele Jesuiten in dem Gebiet des heutigen Department Beni an. Eingeschleppte Seuchen und die Unterjochung durch die spanischen Eroberer führten letztendlich zum vollständigen Verschwinden dieser sehr eindrucksvollen und auf ihrem Gebiet einzigartigen Kultur. Mit dem Untergang dieser Kultur gingen auch ihre hochangepassten Kultivierungstechniken verloren.
Abbildung: So könnte es ausgesehen haben, vor 2000 Jahren am Rio Beni in Bolivien.
(Quelle: http://www.sas.upenn.edu/~cerickso/baures/Mann2.html)

Quellen: Charles C. Mann: Earthmovers of the Amazon
http://www.sas.upenn.edu/~cerickso/baures/Mann2.html
www.boliviabeni.com

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