Peng!

Peng!Phoenix
„Bankrupt!“

(Warner Bros.)
Irgendwie hatte man ja insgeheim noch auf so eine Art Guerillagag gehofft, also: ‚Lasst uns vorab mal alle mit einer richtig mittelmäßigen Nummer irritieren – am Ende kommen wir dann mit dem supertollen Album um die Ecke und die ganzen Nörgler haben sich umsonst aufgeregt und müssen jetzt zu Kreuze kriechen!‘ Den Jungs von Phoenix, ja auch sonst nicht gerade um ironische Spitzfindigkeiten verlegen, wäre das wohl zuzutrauen gewesen. Und nun? Kein Täuschungsmanöver, kein Kaninchen im Zylinder – „Bankrupt!“ ist, da hilft kein Jammern, genauso gut oder eben schlecht, wie es der Einstieg „Entertainment“ hat befürchten lassen. Und selbst wenn man dem eigenen Hirn mittels MIB-Neuralisator absolute Unvoreingenommenheit befehlen wollte, also alle vorangegangenen, tatsächlich und zu Recht hochgelobten Platten der Franzosen ausblendete – selbst dann bliebe für die aktuelle nur ein müdes und ratloses Schulterzucken übrig.
Dass die Band aus Versailles das hohe Niveau auf Dauer schwerlich durchhalten würde, welches sie seit dem Debüt „United“ jedem nachfolgenden Werk in die Rillen presste, musste selbst dem glühendsten Anhänger dämmern – allein, es überrascht, wie plötzlich jedwede Songidee und Inspiration verschwunden sind. Vier Einzelbeispiele in zeitlicher Abfolge aus der Vita gepickt – „If I Ever Feel Better“, „Everything Is Everything“, „Sometimes In A Fall“, „Fences“ – keines der neuen Stücke erreicht auch nur annähernd das Format der genannten. Und das liegt beileibe nicht daran, dass sich Phoenix im Jahr 2013 komplett und ganz en vogue dem Synthpop verschrieben haben – auch die älteren Sachen unterschieden sich voneinander und schafften mühelos den Spagat zwischen digital und analog bzw. Korg und Fender.
Der maue, pseudoasiatisch verbrämte Sound von „Entertainment“ setzt sich also schon bei „The Real Thing“ fort, alles klappert und spotzt dazu ganz hübsch beliebig vor sich hin, kaum deutet ein Takt mal Geberqualitäten an, wird er sofort in einer sämigen Popsoße versenkt. Leichtigkeit, Ohrwurmhooks? Fehlanzeige. Alles ächzt im neu geschneiderten Soundgewand – jedoch, es paßt nicht, keine Lässigkeit, von Coolness („Trying To Be...“ haha) ganz zu schweigen. Da hilft es auch nicht, dem Titelstück einen von Pink Floyd inspirierten Ambienttechno anzuschrauben – das klingt verwegen, aber eben auch etwas überambitioniert. Der kleine Gruß an ihre Landsleute („Justice done...“) ist dann aber doch eher unfreiwillig ...
Was bleibt also noch? Das satte „Chloroform“, das zumindest nicht auseinanderfällt, „Bourgeois“ mit verheißungsvollen, weil luftigeren Versen, die dann aber im Chorus gnadenlos vom Synthiesperrfeuer weggeböllert werden, auch „Oblique City“ kommt über ein paar gute Ansätze nicht hinaus. Es endet beschaulich und verzupft und mit der Sehnsucht, es hätte mehr von diesen behutsamen, schillernden Momenten gegeben, die das Quartett früher im Akkord abliefern konnte. Es werden viele kommen und in Anspielung auf den letzten Titel „Wolfgang Amadeus Phoenix“ behaupten, Hochmut käme vor dem Fall. Gegen diese augenzwinkernde Anmaßung ist aber überhaupt nichts einzuwenden, sie bleibt als Stilmittel sogar dringend geboten. Mehr Substanz darf es dann aber trotzdem sein, damit aus dem vorgehaltenen Revolver beim Überfall auch ein Schuss kommt statt eines kleinen Tüchleins, auf dem „Peng!“ zu lesen ist. http://www.wearephoenix.com/
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