PEGIDA ist das Symptom eines größeren Problems


PEGIDA ist in aller Munde und wird dabei in aller Regel entweder vermeintlich „verstanden“ und in Teilen „respektiert“ oder aber als Problem der radikalen Rechten in Deutschland klassifiziert und bekämpft. Umfragen und Studien ergeben jedoch, dass die „Angst vor dem Islam“ seit Langem ein deutsches wie internationales Problem darstellt – und sich nicht nur in einzelnen politischen Lagern verorten und an diese „wegdelegieren“ lässt. Manch einer spricht daher auf der Suche nach Verständnis für die aktuelle gesellschaftliche Situation inzwischen von PEGIDA als dem „Produkt einer (langfristigen) politischen und medialen Inszenierung” und betont vor allem die Funktion von Rassismus in einer immer ungleicheren Welt. Die seit Jahren geschürte Islamfeindlichkeit diene dabei vor allem dazu, eigene Privilegien zu verteidigen sowie die nationale deutsche Identität zu revitalisieren, wie beispielsweise die Professorin für Diversity Studies, Rassismus und Migration Iman Attia betont. Jens Wernicke geht im Gespräch mit der Medienkritikerin sowie Sprach- und Islamwissenschaftlerin Sabine Schiffer[*] diesen Fragen und Hintergründen weiter nach.

Was die Macher solcher Internetseiten dabei in aller Regel nicht wissen: Ihre vermeintliche Argumentation entstammt dabei vor allem evangelikalen und fundamentalistisch-katholischen Vordenkern wie beispielsweise Adelgunde Mertensacker, die mit dem Kurier der fundamentalistischen Christlichen Mitte in den 1990er Jahren das Setting und die Perspektive für diesen kulturellen Rassismus vorgab. Und diese wiederum entstammt geopolitisch interessierten Denkfabriken, wie etwa dem Middle East Forum eines Daniel Pipes, wie inzwischen das Center for Amercian Progress nachgewiesen [PDF – 437 KB] hat.

Das Center for American Progress hat Geldströme untersucht und am Beispiel des bereits erwähnten Middle East Forums nachgewiesen: Das Interesse am Nahen Osten ob seiner geostrategischen Bedeutung auf der einen und Islamismus sowie das Feindbild Islam auf der anderen Seite müssen zusammengehörig verstanden und analysiert werden. Der Vater von Daniel Pipes, Richard, war einst als Direktor des Zentrums für Russische Studien noch für den US-amerikanischen Antikommunismus sowie das Feindbild Russland zuständig, der Sohn ist dies nun offenbar für das Feindbild Islam. Die Bilder wechseln also, die Strategien hingegen bleiben gleich.

Und leider findet nun genau das statt, was ich immer befürchtet habe – und was in meiner Doktorarbeit im vergleichenden Exkurs zum antisemitischen Diskurs des ausgehenden 19. Jahrhunderts bereits steht: In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und politischer Ohnmacht gegenüber globalen Wirtschaftsstrukturen werden die Ängste der Menschen auf die bereits seit Langem hierfür offen dargebotene Minderheit projiziert. Das waren zuzeiten der Wirtschaftskrise um 1873 die Juden, und das sind heute vor allem die Muslime. Das schafft den Antisemitismus zwar nicht ab, als Projektionsfläche für alles Üble sowie die diffusen Ängste der Menschen dienen nun jedoch beide Gruppen zugleich: Juden als die vermeintlichen Drahtzieher der Welt – und Muslime als die angeblich Verantwortlichen für deren Niedergang. Was leider nicht einmal ausschließt, dass die eine diskriminierte Minderheit, befördert durch eine unsolidarische, die Gruppen gegeneinander ausspielende Politik, der jeweils anderen auch noch die Schuld für diese Entwicklung zuschreibt.

Das bedeutet aber auch, dass der antimuslimische Rassismus immer schon Teil der so genannten „Mitte der Gesellschaft“ war und nicht erst in diese eindringen musste. Hier ist es vor allem die Mittelschicht, die über einen elitären Diskurs der angeblich eigenen kulturellen Überlegenheit – Stichwort: Aufklärung – in einer chauvinistischen und eurozentristischen Haltung weiter erstarkt, wie unsere Medienanalysen dies auch deutlich machen: Spätestens seit den 1990er Jahren haben die so genannten seriösen Medien – allen voran Peter Scholl-Latour – das antiislamische Ressentiment bedient und dieses überhaupt erst groß und salonfähig gemacht…“

Quelle und gesamter Text: http://www.nachdenkseiten.de/?p=24460


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