PC Review: Disco Elysium – Wenn die Feder das Schwert ersetzt

PC Review: Disco Elysium – Wenn die Feder das Schwert ersetzt

What Kind Of Cop Are You?

Wofür tut man sich das überhaupt alles an? Das ganze Leben-Ding ist manchmal etwas viel, wohliges Nichts erscheint da hin und wieder eine gar nicht so schlimme Alternative.

So geht es zumindest dem Protagonisten von Disco Elysium, denn schon der Einstiegsdialog zeigt, dass man hier etwas ganz besonderes vorgesetzt bekommt, denn das erste Gespräch führt man mit sich selbst, genauer genommen mit seinen eigenen Instinkten, Urängsten und Selbstzweifeln. Dabei nimmt das Spiel sich super ernst, ist düster und gleichzeitig auf ganz lakonische Art nicht humorlos und ganz sicher nicht nur Show. Denn die inneren Stimmen des Protagonisten begleiten ihn das ganze Spiel über und sind mehr als nur Hintergrundrauschen. Instinkte, Zweifel und Visionen sind in Disco Elysium das, was in anderen Rollenspielen vielleicht Partymitglieder wären. Schlau und mutig, brutal und gewissenlos oder nachdenklich kann man hier nämlich gleichzeitig sein.

Wenn die Hauptquest hinter dem Charakter in den Hintergrund tritt

Aber um was geht´s überhaupt? Nun, kurz gesagt ist Disco Elysium ein Detektivspiel. Nachdem man sich mit der Mutter aller Kater aus dem Delirium erhebt, geht es auch direkt los, denn der Hauptcharakter hat sich scheinbar seine kompletten Erinnerungen weggesoffen. Und seine Klamotten, denn die liegen im ganzen Raum verteilt und können in guter alter Point & Click-Manier zusammengesucht werden. Hier wird auch direkt klar, dass Disco Elysium eigentlich egal ist, was ihr macht, denn man kann ebenso gut nur im fleckigen Unterhemd weitermachen. Alternativ kann man aber auch sein Zeug zusammensuchen und feststellen, dass man mit etwas Pech schon in der ersten Spielminute sterben kann. Aber wer packt schon freiwillig in eine offene Stromleitung?

So baut sich das Abenteuer ganz organisch auf, denn zunächst wollt ihr natürlich wissen, wer zum Teufel ihr überhaupt seid und was ihr in dieser komplett zerschepperten Absteige zu suchen habt. Das weckt erste Erinnerungen an Planescape Torment, einen Genreklassiker und möglicherweise das bestes RPG aller Zeiten. Disco Elysium tritt dem Genreprimus erstaunlicherweise auf Augenhöhe entgegen.

Aber natürlich ist die Frage nach der eigenen Identität nicht das einzige Problem des Spielercharakters. Offenbar soll er nämlich Polizist sein und muss einen Mordfall im Hinterhof lösen. Und wenn Amnesie und ein ziemlich aussichtsloser Fall nicht schon genug wären, trifft man kurz nach Spielbeginn auch noch auf Lieutenant Kitsuragi, den eigenen Partner und selbsternannten Pedanten, der mit dem Notizblock bewaffnet für einen sauberen Ablauf sorgen will. Ob man das selbst auch will oder sich auf ein Katz-und-Maus-Spiel mit seinem Partner einlassen will, darf man hier natürlich selbst entscheiden.

Kein Kampfsystem=keine Action?

Entscheidungsgewalt wird in Disco Elysium nämlich groß geschrieben und die fängt schon bei der Charaktererstellung an. Zwar kann man an der abgehalfterten Optik seines Charakters zu Beginn nichts verändern, dafür hat das Skillsystem es in sich! Denn das Standard-Array an Optionen, wie Stärke, Geschick, Konstitution in Kombination mit Angriffsmodifkatoren und vielleicht noch einem Bonus auf Wahrnehmung und anderer Genrestandard wird direkt zu Anfang über Bord geworfen. Stattdessen wird man direkt mit 24 Skills konfrontiert, die ebenso überwältigend und bizarr sind, wie das eigentliche Spiel. Grob lassen die sich den vier Grundfertigkeiten Intellect, Psyche, Physique und Motorics ordnen, die eigentlich selbsterklärend sind. Die eigentlichen Skills sind das aber zumeist nicht! Während Encyclopedia und Pain Threshold einem Genrefreund nicht fremd erscheinen und zeigen wie gut oder schlecht sich der Held mit der Welt und dem Aushalten von Schmerzen auskennt, geht es mit Shivers und Savoir Faire gleich zur Sache! Diese Skills beziehen sich auf die Intuition des Charakters, so kann er die Stadt durch Shivers lesen und so Situationen einschätzen, während Savoir Faire in gewisser Weise seinen Mut und seine Position zur Realität darstellt und so zum Beispiel zu Gesprächen mit der eigenen Kleidung einlädt.

Und das beste? Die Skills haben Auswirkungen in alle Richtungen. Ist man beispielsweise nicht hinreichend ausgebildet im Bereich Interfacing, dann kann man technische Werkzeuge nicht benutzen oder richtig interpretieren. Hat man jedoch zuviel Encyclopedia kann auch passieren, dass man sich in Detailwissen verrennt, andere ungewollt damit vollsabbelt und so große Gesamtzusammenhänge gar nicht mehr kapiert! Und um das ganz jetzt noch komplett verrück zu machen ist jeder Skill praktisch auch eine Art Partymitglied, denn die Skills laufen nicht einfach nur im Hintergrund als passive Würfelmodifikatoren mit! Sie ergreifen auch Partei und melden sich in eine Art inneren Monolog ins Geschehen ein, kommentieren das Verhalten des Spielers oder machen ihm Vorschläge oder gehen sich auch gegenseitig an die Gurgel! In der Form habe ich das noch in keinem anderen Spiel erlebt, so dass das Skillsystem in Disco Elysium maßgeblich zur Klasse des Spiels beiträgt!

Ein anderer Faktor übrigens: Es gibt kein Kampfsystem. Das bedeutet natürlich nicht, dass es nicht zu Gewalteinlagen kommen kann, wenn man will, kann man ein Brutalo-Cop sein, der lieber zuhaut und dann fragt. Dann muss man allerdings mit den Konsequenzen umgehen! Action kommt also nicht unbedingt zu kurz, ist aber immer ein Ritt auf Messers Schneide, zumal man permanent mit dem Tod bedroht wird. Denn die Stats geben auch die Werte her, mit denen die mentale und physische Lebensenergie generiert wird, die bei bestimmten Ereignissen, wie kritischen Patzern bei Proben oder schockierenden Erlebnissen oder Gewalteinwirkungen abgezogen werden.

Aber ganz ohne andere, klassische RPG-Elemente muss man in Disco Elysium nicht auskommen. Denn man sammelt natürlich Erfahrungspunkte. Diese kann man für zwei Dinge nutzen: Das Erhöhen der Skills und für Slots für das Thought Cabinet. Dieses Gedankenkabinett kann man nutzen, um über bestimmte Gedanken, die man im Laufe des Spiels antrifft, ausgiebig nachzudenken. Das kann dann mehrere Ingame-Stunden dauern, belohnt den Spieler aber mit einzigartigen Erkenntnissen und Buffs für den eigenen Charakter.

Dieser kann außerdem mit verschiedenen Items interagieren. Zum einen gibt es Kleidungsstücke, die sich auch auf die Werte auswirken, denn mit einem schmutzigen Unterhemd wirkt man vielleicht nicht seriös, aber gefährlich, zum anderen auch Nutzgegenstände, darunter auch so ausgefallene Dinge wie die Pfandtüte mit der man herumliegendes Leergut aufsammeln und sich so das Konto etwas aufbessern kann. Wem das nicht reicht, der kann sich an einem reichhaltigen Sortiment an Drogen versuchen, die Skills über ihre Limits hinaus erweitern können, aber teuer bezahlt werden müssen: Mit Geld, körperlichem und seelischen Zerfall.

Eine Welt, fast wie unsere

Revachol ist die Stadt in der Disco Elysium spielt. Was genau hier los ist, erschließt sich dem Spieler erst im Laufe des Spiels, aber fest steht, dass es hier um eine Welt geht, die der unseren nicht unähnlich ist. Neben den zahlreichen Konfliktparteien gibt es eine reichhaltige Geschichte, die von einem Krieg geprägt ist, der noch in der Lebenszeit der älteren Charaktere stattgefunden haben muss, technologisch befindet man sich auf einen Niveau, das etwa den 1970ern unserer Zeit entspricht, allerdings mit Elementen die an Dieselpunk erinnern. So haben die Charaktere allesamt keine Handys, Funk ist aber über das erstaunlich klobige Fahrzeug von Kitsurugi möglich, kontrastiert wird der geringe technologische Standard dann aber mit der cyberpunkigen Rüstung des Mordopfers, die fast schon Storm Trooper-artig wirkt.

Durch diese Welt bewegt man sich in einer isometrischen Perspektive, hat also zu jeder Zeit einen großen Bildausschnitt im Blick und kann sich bei Bedarf auch wichtige Gegenstände anzeigen lassen, mit denen man interagieren kann. Das erinnert wohlig an gute, alte Lucas Arts Point & Click Adventures. Doch neben der aktiven Suche nach Hinweisen, weist sich das Spiel vor allem durch eins aus: Textwüsten. Das kann ein Faktor sein, der bestimmte Spieler abschreckt, denn in Disco Elysium verbringt man die meiste Zeit mit lesen. Hat man daran keine Freude oder keine Geduld um die hervorragend geschriebenen Texte auf sich wirken zu lassen, hat man mit Disco Elysium keine gute Zeit! Mich stört das gar nicht, ich genieße die schlauen Dialoge in vollen Zügen, aber Abzüge fürs Gameplay muss man schweren Herzens dafür machen! Abzüge gibt es hier auch für die Technik. Zwar ist das Spiel optisch wunderschön gezeichnet und macht mit seinen schmutzigen Details durchaus etwas her, auch das Sounddesign ist gelungen, aber weite Teile der Dialoge sind nicht vertont. Man liest. Das kann abschrecken, sollte es meiner Meinung nach aber nicht tun, ist aber ein Kritikpunkt, der das Spiel nicht zu einem Spiel für Jedermann macht.

Bei Steam bestellen: Disco Elysium [PC] Summary

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