"Parnasso in festa" in Bad Lauchstädt

Das Lauchstädter Schloß Das vergangene Wochenende hat das Zeug, zum Highlight des Jahres 2018 zu werden. Ich habe das hübsch verschlafene Örtchen Bad Lauchstädt besucht, wo im Goethe-Theater im dortigen Kurpark Händels "Parnasso in festa"  (HWV 73) im Rahmen der diesjährigen Händelfestspiele Halle gegeben wurde. "Parnasso" war mir bis dahin zugegebenermassen völlig unbekannt. Aber was für ein Glück, dass sich das jetzt geändert hat und ich gleich zweimal nacheinander in den Genuß dieses schönen Stückes kam.  Die dreiteilige Serenata wurde 1734 uraufgeführt. Hier gibt es eine schöne Zusammenfassung des Stückes: >klick< Das kleine und wirklich wunderschöne Goethe-Theater bietet für ein Stück dieser Art genau den richtigen historischen und architektonischen Rahmen. Statt eines Fotos (aktuell gibt es außen nur ein Baugerüst zu bewundern) auch hier ein weiterführender Link: >klick< Ein intimes kleines "Provinztheater", ein wirkliches Kleinod am Rande eines netten Parks und ein Glück, dass es noch erhalten ist.  Holzbänke, knarzende Dielen, schmale Treppen und schräge Balken in den Gängen zu den Galerien...
Der Samstagmorgen begann mit einem sehr frühen Spaziergang im Kurpark, wo die Tische und Stühle der Cafés gerade zurechtgerückt wurden und sonst kaum eine Menschenseele unterwegs war. Die Fontänen im Wasserbecken sorgten für einen frischen Luftzug, die Sonne schien bereits recht warm und die Wege des Parkes waren geharkt (!). Ideal, um sich noch für eine Stunde mit einem Buch auf eine der Parkbänke zu setzen.
Putto vor dem Schloß
kleiner Pavillon mit Büste der Christiane Vulpius; im Hintergrund das Wasserbecken mit den Fontänen, dahinter die Kolonade
Nachmittags war es dann endlich soweit und er Vorhang öffnete sich zu einem barocken Feuerwerk an Farbe und Musik. Barocke Opern werden viel zu selten barock inszeniert und um so mehr ist es ein Genuss, wenn man das erleben darf  (Regie: Sigrid T´Hooft, Musikalische Leitung: Wolfgang Katschner; Musik: lautten compagney).  Die Musiker und die Sänger waren phantastisch, harmonisch und mitreißend. Der Funke sprang vom ersten Moment an über und blieb bis zum letzten Ton. Die Kostüme trotz low budget nicht der übliche Kitsch, der dann als "barock" bezeichnet wird, sondern wirklich historisch orientiertes "Bling" (Ausstattung Niels Badenhop). Und ich gestehe, ich hatte durchaus ein oder zwei Tränchen der Freude und Rührung im Augenwinkel. Nicht zuletzt auch, weil mich der Riesenapplaus am Ende so sehr für die Mitwirkenden gefreut hat ... und man denen diese Freude auch ansah. Wunderbar. Mein persönlicher Favorit: der Apollo, großartig gesungen von Riccardo Angelo Strano (Countertenor). Der nicht singenden, dafür aber zauberhaft tanzenden Thetis an dieser Stelle mein besonderer Dank und Gruß.


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