Ötztaler – mein Traum wird wahr

Ötztaler RadmarathonJetzt bin ich auch ein Ötztaler! Die 240km und 5500 Höhenmeter sind geschafft. Schon einige Tage vor dem Ötztaler wurde ich langsam nervös. Ist diese Tour zu schaffen? Wie wird das Wetter? Was soll ich anziehen?

In Sölden angereist, traf ich mich mit ein paar Lesern von rennradblog.ch. Christian, Rosi und Jürgen. Jürgen hatte eigens für den Ötztaler Team Tourgott Trikots gedruckt und ein Treffen mit Jan Ullrich organisiert.  Dieses war auf den späten Nachmittag geplant. Also gingen wir nach dem Abholen der Startnummer noch gemütlich einen Kaffee trinken. In der Tat stand dann plötzlich Jan Ullrich vor uns und ich konnte sogar ein Foto mit ihm machen. Natürlich strahlte ich wie ein Honigkuchen. Jetzt konnte nichts mehr passieren.

In unserem Hotel mit Namen Regina gab es ein reichhaltiges Znacht . Eigens für die Radler bereitete der Koch leckere Pasta zu. Danach gingen wir bald schlafen.

Nach gefühlten 2 Stunden klingelte der Wecker. Der erste Blick aus dem Fenster: es regnet nicht, und die Kaltfront scheint milde auszufallen.  Sehr gut, also keine Winterjacke, sondern nur Weste und Windstopper-Jacke. Bald waren wir angezogen und reihten uns in die 5000 Startenden ein. Auf geht’s!

Ein paar Jungs ballerten nach Ötz runter als gäbe es kein Morgen. Ich fuhr äusserst vorsichtig. Bald waren wir am Kühtai. Erstes Biberli rein und hoch ging’s. Der Kühtai ist ein sehr steiler Pass. Wer hätte das gedacht? Locker bleiben und fahren. Ich kam im Pulk der vielen Rennradfahrer gut hoch. Auf der Passhöhe gab es einen Becher Suppe und schon ging es runter nach Innsbruck. Immer noch zischten ein paar Jungs links und rechts an mir vorbei. Safety first, der Tag ist noch lang! Am Brenner schloss ich mich einer Gruppe an. Eigentlich fuhren die ein wenig zu schnell, aber was soll’s. Die Steigung war sehr moderat, und ich blieb dran.

Abfahrt zum Jaufenpass. Gas geben, abbiegen und rein in die Kehren! Nur langsam fand ich den Tritt.  War ich am Brenner zu forsch? Gels rein, trinken und was essen. Gemütlich fuhr ich hoch, denn da kommt ja noch ein Pass… Oben war es mittlerweile richtig kalt und ein heftiger Wind pfiff. Mit einer kleinen Gruppe fuhr ich runter nach St. Leonhard. Ich musste kurz schmunzeln, als ich am Hotel meiner Tiroltour vorbei fuhr. Dort bin ich mal beim Nachtessen fast eingeschlafen. Nicht mal ein Glas Wein zum Abendessen schaffte ich damals.

Jetzt noch das Timmelsjoch. Oh Schreck, meine Bein sind leer. Die ersten Serpentinen und nichts geht. Dazu kommt ein starker Wind, der immer wieder von vorne bläst. Das wäre ja gelacht, wenn ich diesen Pass nicht mehr hochkomme. Ich redete mir Mut zu und ass, was ich noch dabei hatte. Endlich, Labestation. Cola, Kuchen, Gels und weiter geht’s. Noch 600 Höhenmeter! Wieder besser im Tritt, fuhr ich die Serpentinen rauf. Die Aussicht war unglaublich schön und schon bald waren die Wäscheleinen mit den vielen Finishertrikots erreicht. Auf dem Timmelsjoch angekommen, war ich einfach nur glücklich.

Mit zwei Deutschen nahm ich die Abfahrt nach Sölden unter die Räder. Immer wieder wurden wir von ein paar Ehrgeizigen überholt, die noch um Sekunden kämpften. Wir sammelten sie dann mit gutem Teamwork in den flachen Stücken wieder ein.

Endlich, die Ortstafel! Wir liessen es ausrollen, und ich fuhr mit einem breiten Grinsen über die Ziellinie. Euphorisiert, stolz und doch nudelfertig.

Zum Schluss noch etwas zum Schmunzeln. Als ich im Hotel meine Beine mit Perskindol einschmieren wollte, wunderte ich mich noch, warum die Salbe gar nicht einheizt. Lukas fragte mich nur, warum ich Sonnencreme einreibe. Es war Zeit fürs Bett! Träumen erlaubt, vielleicht auch vom nächsten Jahr?


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