Otto. Berlin.

Das ist Otto.
Otto ist ein bisschen blau angelaufen.

Normalerweise ist Otto nur Otto, wieder 28, studiert irgendwas mit Medien in Berlin und eine sommersprossige Gesichtsfarbe hat er auch.
Er kommt aus irgendeiner ostpostverklärtnostalgischen Dorfsippe mit Nacktbadestrand, mit 12 entjungfert, mit 14 konfirmiert, zwei Jahre in der üblichen Jugendfeuerwehr.

Otto ist stämmig gebaut, hatt seine Demohippiepseudopunkphase, grüne Matte bis in die Stirn und zweimal die Augen blutiggepierct.
War halt cool so, damals.

Otto isst gerne omafertige Hausmannskost, hat einen Hund ohne Namen, ein Lachen ohne Gewissen, manchmal fliegt die Fluppe dabei raus, er lacht laut.
Otto hat viele Freunde, auf alle Netzwerke verteilt.
Auch er überall, je 400 Leute, muss ja so sein.

Ab und zu hat er eine Freundin, manchmal trinkt er nur Bier und sitzt zu Hause und starrt vom Balkon.
Barfuß.

Er fickt alle zwei Wochen dieses Mädchen vom Strand, dieses eine, dazwischen kanns auch mal eine andere sein.
Festlegen ist nichso sein Ding.
Solangs Konzerte und Facebook gibt, auch nicht das Problem.

Zum Scheißen braucht Otto so schlappe sechs Minuten, sein Kopf läuft dabei so rot an, junge Welt im Visier, lesen kann er sie nicht.

Vor lauter Druck muss er heulen und die Buchstaben dieses Kommunistenschunds zerlaufen dabei zu flüssigem Brei.

Otto steht nichso auf lange Gespräche, das Wichtigste sagt sich auch so zwischen denen und Tür.

Otto kommt immer zu spät, schlurft und schmeißt sich dann auf die hinterste Bank. Uni, Bachelorarschgesicht.

Er kritzelt dann die Tische voll und irgendwann fängt er an zu schnarchen, Walkman am Routieren, so hört er sich nicht.
Manchmal rammt ihm sein Kumpel, Erik, den Bleistift in die Rippe.
„Hey. du .. halt male Fresse“, sacht er dann und Otto schmatzt und schmunzelt, Kopf aufm Tisch, Blick ausm Fenster.

Zauberbaumkaum.

Regina fasst sich an die Brüste, wackelt vor Otto herum, findet sich spitze, sieht aus wie all die anderen.
Sie stellt sich auch sonst ziemlich ungeschickt an, in seiner Hose regt sich nichts.
„Machste ja toll“, sagt er und dreht sich noch eine Kippe.
Sie lächelt ein bisschen von unten, unsicher. Dann klatscht sie ihm eine und schlägt die Hände vors Gesicht.
Er hört ihren Atem.
Otto ist genervt.
Er sitzt auf der Couch.
Er will, dass sie geht.

Regina setzt sich neben ihn, Slip und die schaukelnden Brüste, „Das wollte ich nicht, ehrlich, das wollte ich nicht“, wiederholt sie. Ungefähr fünfmal, dann schreit Otto „RAUS!“.

Er hält ihr die Tür auf, „Musst nich nochma kommen“, sagt er.
Und sie heult hinaus.

Otto steht an der Bude, „Zwei von den Fetten da“, deutet auf die Würste, der Typ nimmt sie raus.
Otto fragt nach ner Gabel, er steht an der Spree, Kottikotzen, Kackufer, Maibachtraum.
Er langt nach der Gabel, drückt sie in die Würste, zerquetscht, das Fett quillt heraus. Otto fasst nach dem Brei, „Hier, Alta, flüssijes Fleisch! Berlins volla Grünfressa, dit sach ick dir gleich!“.
Der Typ wischt gelassen, gehalten, krümlige Plörre Babe-Schaf-Einheitsbrei ausm Gesicht, greint nicht, „Gehn Sie ma“.

Otto besucht seine Oma, so jede zwei Wochen, dann bleibt er aber lange da.
Sie sitzt auf ihrem Stühlchen, strickt seine Mützen und hält ihren Nachtisch dann bereit.

Einmal hat Otto die Strandtussi mitgebracht, geärgert auch gleich. Sie saß da, neben der Oma und lächelte weich. Die Zeit grinste, bejahte.
„Musste so viel redn .. halt doch ma die Fresse“, sagt er und schmeißt den Zigarettenstummel ausm Fenster und zieht sie mit raus.
Dann geht er zurück, setzt sich zu seiner Oma, bleibt eine Weile so sitzen, sie verabschieden sich.
Draußen immer noch die eine, er rollt genervt mit den Augen, „Ich fahr dich jetz aber nich nach Haus“.

Otto setzt sich ans Steuer, sie steht da wie ein Teilzeitprostituiertenpfannkuchen und hält sich an ihrem Mantel fest.
„Los, steig ein“, ruft er ihr aus dem Fenster hinaus.
Sie irgendwie erleichtert.
Er startet den Motor, „Zieh dich wieder an“, als sie ihren Schuh auf die Ablage zieht.
Sie sagt nichts.
Er drückt die Kassette, ein Mixtape seines Bruders, rein und schaltet an.

„Wassn das ?“, fragt sie irgendwann, Pause zwischen zwei Liedern, er fährt rechts ran.
„Is von meim Bruder, is tot“, antwortet er dann.
Sie nickt, vielleicht schaut sie aus dem Fenster, er sagt „Steig aus“, sie sind irgendwo am Prenzl angelangt.
„Dann morgen ?“, fragt sie.
„Mal sehn.“
Sie verabschiedet sich und er pustet aus.

Jetzt sitzt Otto vor dieser Scheißtreppe und wagt sich nicht auf.
„Des haste davon“, schieft sie und er schaut nicht hin.
Er brummt, seine Stimme routiert, wie ein Motor, leise und laut.

Otto wischt sich das Blut von der Nase, es tropft, und hört nicht mehr auf.
Der fette Kerl in der Ecke saftig, „Moral un so! Hasse kein Anstand oda wa!“, brüllt er ihn an.
Otto will ihm ins Gesicht pissen, die dumme Freundin, die Ziege vom Strand, wundlecken, die Flasche dem Bullen da in die Fresse pressen und sich dann mit Bier im Baiz auf den Tresen kippen.
Kein Ton, Scharchen, rein und raus.

Otto sitzt vor dem Spiegel, sein Gesicht ist lilablau.
Otto hält die Klappe, sonst macht er das ja auch.

Otto stützt sich aufs Kinn, holt den Block, Papier undn Bleistift mit raus. Er kritzelt und knüllt, witzelt und müllt und schmiert dann doch nur mit Aschekrümeln das Gesicht seiner Oma auf Papier.

Otto ist eben Otto, kann ja auch nichts dafür.



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