Ostsee-Kreuzfahrt: Tallinn, St. Petersburg, Helsinki, Stockholm

Von Aufgegabelt

Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich meinem Mann zum 50sten einen Trip durchs Baltikum geschenkt (wer noch mal nachlesen möchte: hier), bei dem wir unter anderem Klaipeda und die kurische Nehrung, Vilnius und Riga besuchten. Diese Reise hat uns Appetit auf mehr gemacht – Tallinn fehlte noch in unserer „Sammlung“, außerdem wollte ich unheimlich gerne mal nach St. Petersburg. Nach unserer ersten (gewonnenen!) Aida-Reise vor 2 Jahren (nach Bergen, Oslo, Göteborg und Stockholm) waren wir vom Prinzip des schwimmenden Hotels recht angetan, also ging es auch diesmal wieder, gemeinsam mit Freunden, an Bord eines lächelnden Kreuzfahrtschiffs.

Man mag vom Aida-Prinzip halten, was man will, aber organisatorisch läuft es immer bestens bei denen. Man checkt ein, ist innerhalb von 5 Minuten an Bord, die Koffer stehen kurze Zeit später vor der Kabine, alle sind wahnsinnig freundlich (obwohl ich mich schon gefragt habe, wie es für die Mitarbeiter sein muss, gefühlte 12 Millionen mal am Tag lächelnd „Hellooooo“ zu sagen…) und man kann sich animieren lassen, die abendliche Show anzusehen – muss man aber nicht. Das Prinzip der für fast Jedermann bezahlbaren Kreuzfahrt mit gelockertem Dresscode und großen Tischen ohne Sitzordnung in den Restaurants hat sicherlich seine Nachteile (ich sag jetzt mal ganz arrogant, dass so mancher „Jedermann“ besser zuhause seine Stulle mümmeln sollte als neben mir am Buffet rumzumantschen), führt aber auch zu vielen erwünschten  Kontakten mit netten, aufgeschlossenen Menschen. Wir haben zum Beispiel eine Familie aus dem Schwabenland kennen gelernt, die mit dem eigenen Kleinflugzeug nach Warnemünde angereist waren, und ein lustiges Gespann aus rollstuhlfahrender Mutter (etwa in unserem Alter), die eine Mädelstour mit ihrer studierenden Tochter gemacht hat. Chapeau, die zwei haben jeden Städtetrip mitgemacht und Mutti machte noch Witze über „Hop on, hop off“… 😂 Das ist wahre Unternehmungslust!

Tallinn

Ja, die Städte! Unsere erste Station war Tallinn in Estland, von dem uns schon so viele vorgeschwärmt hatten. Nun haben wir bereits das wunderschöne Riga gesehen und waren deshalb von Tallinn zwar recht angetan, aber doch ein bisschen enttäuscht, wie klein die Stadt eigentlich ist. Irgendwie Rigas kleine Schwester, würde ich sagen. Dennoch sehr hübsch und bequem vom Hafen aus erlaufbar.

Rund um den Marktplatz gruppieren sich eine ganze Anzahl von Restaurants, die sich aber schnell als Touristenfalle entpuppten. Wenn Ihr was essen wollt, schaut lieber in die Seitenstraßen (die schönsten Cafés und Restaurants haben wir dann leider auf dem Rückweg zum Hafen entdeckt, auf unserem Hinweg morgens waren die noch geschlossen gewesen). Falls Ihr ein originelles Reisemitbringsel sucht: Unterhalb des Marktes gab es einen Laden, in dem neben estnischer Volkskunst auch Biber- und Bärenfleisch in Dosen verkauft wurde!!!

Von Tallinn aus ging es dann direkt nach St. Petersburg. Auch dort hatten wir keinen der vorkonfektionierten Aida-Ausflüge gebucht, weil wir uns nicht gerne in solch einer Hammelherde bewegen. Da man aber St. Petersburg ohne Visum nur mit ortsansässigem Führer betreten darf, hatte ich vorab online einen individuell zusammengestellten Ausflug bei Sergej von petersburg-hautnah.com gebucht. SEHR zu empfehlen!!! Wir bekamen gegen eine kleine Anzahlung vorab unsere Tourvisa (ohne die kommt man nicht ins Land) zugeschickt, wurden direkt nach dem Zoll abgeholt und konnten dann in einem Mercedes-Kleinbus mit Fahrer Alexej und Guide Olga ganz nach unseren Vorstellungen St. Petersburg entdecken.

Winterpalais vom Wasser aus

Alle Eintrittsgelder und auch das Mittagessen wurden von Olga in Rubel vorgestreckt und abends dann mit Sergej am Hafen in Euro per Kreditkarte abgerechnet, das ersparte lästiges Geldumtauschen. Bezahlt haben wir insgesamt pro Person mit allem Drum und Dran ca. 130 Euro für eine 9-stündige, sehr kurzweilige Tour mit ausgezeichnetem Service (zum Vergleich: der Aida-Ausflug in der Herde zusammen mit rund 40 anderen Leuten kostet pro Nase für 7 Stunden auch knapp 120 Euro).

Peterhof

Wir waren in einer 8er Gruppe (also wir 4 und noch 2 Ehepaare), die vorab alle die gleichen Wünsche geäußert hatten, was wir besichtigen wollen. Dazu muss man wissen, dass man in St. Petersburg nicht alles an einem Tag schaffen KANN. Die Stadt ist so gewaltig groß, das kriegt man nicht hin. Wir haben uns für eine Bootsfahrt auf der Newa, den Park vom Schloss Peterhof, die Eremitage und die Blutskirche entschieden. Das Bernsteinzimmer war am Dienstag, als wir dort waren, leider geschlossen. Eigentlich wollten wir noch eine Fahrt mit der U-Bahn machen, weil die Bahnhöfe dort so außergewöhnlich sein sollen, aber die fiel dem Kauf einer Babuschka (nicht von uns!) zum Opfer. In dem Moment waren dann sogar 8 Leute noch eine zu große Gruppe 😉…

Große Kaskade im Park vom Peterhof

St. Petersburg war wirklich beeindruckend. Wenn man bedenkt, dass all diese Pracht letztlich auf den Rücken der Armen entstanden ist, kann man schon irgendwie nachvollziehen, dass die Bolschewiki 1918/19 die Nase voll hatten. Andererseits – wo wäre Petersburg heute ohne den einst so verhassten Adel? Die Stadt wäre jedenfalls um einige Attraktionen ärmer, und wenn man unserer reizenden Führerin Olga genau zugehört hat, konnte man schon feststellen, dass sie ein bisschen stolz auf Peter den Großen und seine Nachkommen war. Dessen Schloss, der sogenannte Peterhof, liegt ca. 20 Autominuten außerhalb der Stadt und erinnert ein bisschen an Sanssoucis und Versailles – nur dass die Russen definitiv VIEL mehr Blattgold beim Bau verbraucht haben! Im Park gibt es unzählige Springbrunnen, weil der große Peter die so gerne mochte, darunter einige Scherzfontänen, bei denen man schon mal unverhofft geduscht wird.

Gemäldesammlung in der Eremitage

Auch wenn man allein dafür eigentlich ein paar Tage braucht, haben wir uns einen kleinen Abstecher in die Eremitage gegönnt. Ein paar Prunksäle, ein paar Rembrandts und Rubens, unzählige rücksichtslose Asiaten – und schon waren wieder anderthalb Stunden rum. Trotzdem hat es sich gelohnt, all diese Pracht mal aus der Nähe zu sehen.

Blutskirche

Letzter Tagesordnungspunkt war die Blutkirche, offiziell Auferstehungskirche, die ihren blutrünstigen Namen der Tatsache verdankt, dass sie an der Stelle steht, wo Alexander II. einem Attentat zu Opfer fiel. In ihrer ornamentalen Kitschigkeit ist diese Kirche durchaus sehenswert, zumal innen alles mit farbenprächtigen Mosaiken ausgekleidet ist. Allein diese Handwerkskunst rechtfertigt einen Besuch!

Weißer Dom in Helsinki

Von Petersburg aus ging es weiter nach Helsinki. Was die finnische Hauptstadt betrifft, hatte ich wenig Erwartungen – wurde aber sehr positiv überrascht! Helsinki ist eine moderne, lebendige Stadt, die sehr entspannt wirkt. Und mit ihren allgegenwärtigen Jugendstilbauten ist sie schon sehr besonders. Wäre die finnische Sprache nicht (und die langen Winter!), könnte man da durchaus leben.

Wir hatten am Hafen eine Karte mit einer vorgezeichneten Jugendstil-Route bekommen,  der wir brav gefolgt sind, und es hat sich gelohnt. Unterwegs sind wir auch an vielen kleinen Geschäften mit skandinavischem Design vorbei gekommen. Eigentlich wollte ich gern noch ins Designmuseum, wurde aber von meinen drei Mitreisenden überstimmt 😕.

Pavillon des berühmten Café Kapelli in Helsinki – zwar teuer, aber unbedingt sehenswert!

Letzter Stop auf unserer Reise war dann das schwedische Stockholm. Ein bisschen schade war, dass wir nach den 3 anderen Städten schon ein bisschen erschöpft und fotomüde waren. Dennoch – Stockholm ist eine wunderschöne Stadt mit hoher Lebensqualität.

Wir sind direkt vom Hafen aus erst mal mit dem Hop on – Hop off Bus losgefahren und haben eine Runde gedreht, um einen Überblick zu bekommen. Danach haben wir uns einfach durch die Straßen treiben lassen, Häuser fotografiert und natürlich Kaneelbullar, also Zimtschnecken, das heimliche Nationalgericht der Schweden, gegessen.

Die Schweden sind ja sowieso eher ein gechilltes Völkchen. Da wundert es nicht, dass sie es schaffen, auch dem Winter etwas Positives abzugewinnen und selbst in der kalten Jahreszeit viel draussen zu unternehmen, wie Eislaufen im Park u.ä. Im Sommer (also sobald die Temperaturen über Null sind und sich ein oder zwei Sonnenstrahlen zeigen) verlegen sie ihr Leben soweit wie möglich ins Freie, und so gibt es auch in Stockholm unzählige Straßencafés und Restaurants.

Regierungssitz von König Carl Gustav

Krönender Abschluss unserer Reise war das Auslaufen aus dem Hafen von Stockholm. Das Schiff fährt weit über 2 Stunden durch die Schären (das sind diese kleinen Felseninseln, auf denen angeblich JEDER Stockholmer ein Ferienhaus hat und bei deren Anblick ich sofort an Bullerbü und Saltkrokan denken muss!), um wieder zurück aufs offene Meer zu kommen.  Wir haben uns überlegt, dass Ferien auf so einer Insel sicher toll sind – wenn das Wetter mitspielt, man viele gute Bücher dabei hat (und noch besser viele gute Freunde) und jemand freiwillig das Abendessen angelt 😉

Letzter Blick auf die Gebäude im Hafen

Das Auslaufen aus Stockholm durften wir vom obersten Deck mit einem Glas Champagner in der Hand erleben, denn wir hatten an dem Abend das 6-Gang-Dinner im Gourmetrestaurant Rossini gebucht (im Gegensatz zu den anderen Aida-Restaurants nicht im Preis enthalten). Es hat sich gelohnt, das Essen war fantastisch und der Service ausgezeichnet. Wer gerne gut isst, sollte sich das trotz dem ganzen all-inklusive-Gedöns ruhig mal gönnen. Und nach ein paar Tagen hat man von dem ganzen Buffet-Essen eh die Nase voll 😊.


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