Ossis sind nicht bekloppt…

…das sagt Reiner Haseloff (wer iss’n das überhaupt? Ein CDU-Politiker, genauer gesagt, CDU-Fraktionsvorsitzender in Sachsen-Anhalt und wohl bald Ministerpräsident ebenda. Beileid, liebe Sachsen-Anhalter!), und der muss es wissen. Außerdem, und das finde ich viel spannender, antwortete er folgendes auf die Frage „Was ist gut im Osten?“:

Die ostdeutsche Frau. Sie ist unkompliziert. Durch die Diktaturerfahrung setzt sie andere Prioritäten. Zum Beispiel diskutiert sie nicht stundenlang über Biofleischsorten, sondern es geht um Fleisch oder Nichtfleisch. Sie ist nüchterner.

(Quelle: FAZ.net. Jetzt bekomme ich bestimmt Rüffel, weil ich FAZ angeklickt habe. Entdeckt habe ich es aber ursprünglich bei Fefe. Fefe ist schuld! ;-) )

Das interessiert mich, das finde ich spannend. Aber nicht nur die Ostfrauen unterscheiden sich deutlich von den Westfrauen, sondern auch die Ost-CDU-Politiker von den West-CDUlern (bzw. CSU-Heinis): Bei den Ost-CDU-Politikern ist die Fragestellung viel klarer: Denken oder nicht denken? Zu sehen auch bei Ost-CDU-Politikerinnen: Sinnvolle Energiepolitik betreiben oder die Sache den großen Energiekonzernen überlassen? Da finden sich die Antworten doch wie von selbst. Wie schwierig haben es dagegen die Westpolitiker: Doktorarbeit selbst aus dem Internet abschreiben oder von jemand anderem schreiben lassen? Vorm Treffen mit BDI-Funktionären 6 oder doch nur 5 Flaschen Wein trinken? AKWs doof oder doch nicht doof finden?

Aber zurück zu den Frauen. Ich als extrem komplizierte Westfrau beneide die Damen im Osten wirklich. Gerade jetzt stelle ich mir verdammt schwierige Fragen:

Bioapfel essen und „Gala“ lesen? Oder lieber eine Biobirne und dazu „Der Gallische Krieg“ im Original studieren? Und darf man das überhaupt oder muss man zu Birne die Memoiren von Helmut Kohl lesen? Wird dafür nicht viel eher ein Saumagen gefordert? Wird ein Saumagen gekocht oder gebraten? Muss er von einer Biosau sein oder ist das eher un-Kohl-isch? Welcher Kohl ist als Beilage am geeignetsten, wo gibt es den besten Biokohl und ist Rotkohl ein Geht-gar-nicht? Seht Ihr, wie kompliziert das ist?

Und welche Musik soll ich dazu hören? Olaf Henning oder die „1000 schönsten Apres-Ski-before-Kotzing-Schädeldröhn-Smashhits der letzten 100 Jahre!!!“?

Letztendlich ist das aber egal, ich verstehe weder den Gallischen Krieg im Original noch die „Gala“. Beispiele gefällig?

Die constituta causae dictionis Orgetorix ad iudicium omnem suam familiam, ad hominum milia decem, undique coegit, et omnes clientes obaeratosque suos, quorum magnum numerum habebat, eodem conduxit; per eos, ne causam diceret, se eripuit.

Sinngemäß steht da:

Blödes Gallien, das ist hier eine total unlauschige und unpuschelige Gegend! Ich werde lieber nach Ägypten ziehen, dort ist es wärmer und  die Frauen sind bestimmt auch netter. — Was mache ich bloß mit Brutus, dem Schlingel? — Dereinst wird ein weises grünes Fellmonster von Knäcke IV über die Erde herrschen und das Paradies wird anbrechen!

Das ging ja noch. Klugschnacker, die meinen, dass meine Übersetzung falsch sei, werden zu Schlammcatchen mit Berlusconi nicht unter 3 Stunden verurteilt. Nun noch ein Beispiel aus der „Gala“. Ich greife mal eben in mein „Archiv der Schande“ (zuerst hieß es „Archiv der Verfehlungen“, aber das schien mir nicht hart genug) und ziehe aufs Geratewohl die Ausgabe Nr. 9 aus 2011.

Der Mix aus einem speziellen Gel, Wachs und Polymeren im „Sumptuous Extreme Mascara“ … gibt extra viel Volumen. Die Mega-Bürste des „Eyes to Kill Excess Mascara“ verlängert die Härchen und lässt sie wie gelackt aussehen.

Alles unklar? Versteht doch kein Mensch! Da seht Ihr mal, wie schwer es so eine Westfrau  hat, während die Ostfrau einfach fröhlich pfeifend „heute gibt’s mal Fleisch, morgen gibt es kein Fleisch“ entscheidet. Warum sollen denn die Exzesse überhaupt gekillt werden? Sind die etwa nicht Bio? Rahm findet dieses Ansinnen jedenfalls nicht gut und ich bin nicht nüchtern genug, um die Exzesse umzubringen. Ihr wisst ja: Die Ostfrau ist nüchterner als die Westfrau. Dabei gibt es doch mittlerweile auch im Osten Limetten, oder? Ich verstehe das alles nicht, das kommt bestimmt vom vielen komplizierten Rumdiskutieren über Biofleischsorten.

Nach einigem komplizierten Grübeln bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es aber durchaus sein kann, dass es doch einige bekloppte Ossis gibt:

F: Wann gibt David Hasselhoff sein Konzert in Magdeburg? Das hat er doch versprochen, wenn Sie Ministerpräsident werden.
A: Den werde ich anschreiben, wenn ich ins Amt gewählt werden sollte.

Hasselhoff, den finde ich ja auch ganz toll. Bringt er das sprechende Auto mit? (Mist, jetzt habe ich mich auch noch als „Knight Rider“-Kennerin demaskiert. Die Liste meiner Verfehlungen wird länger und länger… Könnte man dieses Prinzip auf Penisverlängerungen übertragen, wäre Berlusconi mir ewig dankbar.) Warum wird über ihn so wenig in der „Gala“ berichtet? Ich bin empört und verstört. Jedenfalls müssen wir Sachsen-Anhalt gut im Auge behalten. Das verspricht, interessant zu werden…
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P. S.: Ein paar Worte noch zur „Gala“: Die Erwähnung ist keine Empfehlung, es sei denn, man mag langweiligen Promitratsch (der vermutlich nicht immer ganz der Wahrheit entspricht) und Modeschnickischnackikram. Ich lese sie ab und zu zusammen mit einer Kollegin in der Mittagspause, wir spotten dann über die „Celebrities“, von denen ich die meisten nicht mal kenne… Und nein, dieses ist keine Rechtfertigung, sondern nur eine Erklärung. Ich hoffe, dass alle den Unterschied kennen? Falls nicht, möge man sich bei Frau Merkel melden, die kann das als Ossifrau sicher ganz nüchtern und unkompliziert erklären, aber glaubt man ja nicht, dass Ihr darüber noch viel diskutieren dürft. Da werden Prioritäten gesetzt und fertig.

P. P. S.: Ist Euch auch aufgefallen, dass „Gala“ und „Der Gallische Krieg“ beide mit „Gal“ anfangen, wenn man das „Der“ unter den Tisch fallen lässt? Was sagt uns das? Handelt es sich um eine Verschwörung der Illuminaten oder doch nur um eine Theorie von besoffenen Westfrauen? Und wie passt die GAL da ins Bild, die schändlicherweise in diesem Artikel gar nicht erwähnt wurde?

P. P. P. S: Epochal! Diesen Beitrag kann ich endlich mal wieder mit „People“ taggen! Als „Gala“-Leserin werde ich das ja wohl mal sagen und taggen dürfen.

P. P. P. P. S: Gute Nacht.



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