Organspendebereitschaft – Anspruch und Wirklichkeit

Da heißt es, daß jährlich 12.000 Menschen sterben würden, weil kein Spenderorgan vorhanden sei. Doch als Arzt kann ich sagen: Sie sterben nicht wegen mangelnder Organspendebereitschaft, sondern weil ihre Krankheit nicht mit dem Leben vereinbar ist.   In dieser Debatte melden sich nun auch wieder solche Experten zu Wort, die z.B. Herztransplantationen wissenschaftlich für einen Irrweg halten. Sie meinen, ein nicht mehr leistungsfähiges Herz könne durch ein implantierbares intelligentes mechanisches System ersetzt werden. Seitens der katholischen Bischofskonferenz wiederum heißt es, daß die Organspende ein "Akt der Nächstenliebe" sei. Da muß nun aber gefragt werden, ob ein theologisches Gutachten vorliegt, welches besagt: "Gott, der Herr, hat den menschlichen Körper als Ersatzteillager konzipiert."?   Als Arzt frage ich weiter: Muß das menschliche Leben in einem Sterbeprozeß enden, der durch Trans- und Implantationen auf Jahre verlängert wird? Muß auch jedes mutwillig zerstörte Organ (z.B. die "Saufleber" infolge Alkoholmißbrauch) durch ein Spenderorgan ersetzt werden? Man bedenke dabei auch, daß der Ersatz einer solchen "Sauf"-HIV- Leber derzeit rund 100.000 Euro kostet...   Ja, das sind viele ethische Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind. Wobei der finanzielle Aspekt nie im Vordergrund stehen darf, sondern allein die Menschenwürde, einschließlich des Rechts auf ein menschenwürdiges Leben und auch ein Sterben in Würde.   Bei der Lektüre des Blattes "Tag des Herrn" schweiften meine Gedanken zurück:   Im Mai 1985 konnte ich, der ich Braunschweig aufwuchs, nach dem Abitur in die DDR ging, hier Medizin studierte und viele Jahre als Klinikarzt gearbeitet habe, anläßlich eines runden Geburtstages von Weimar aus meine Eltern in meiner Geburtsstadt besuchen. Dabei fand sich auch noch die Zeit für einen Abstecher nach Hannover. In der niedersächsischen Landeshauptstadt war ein Dr. Schmidt Regierungsrat geworden. Dieser hatte viele jahre zuvor eine gute Ausbildung an der Schiller-EOS in Weimar genossen. Dr. Schmidt war so freundlich, mir einen Besuch an der Medizinischen Hochschule Hannover zu ermöglichen.   Prof. Dr. Borst, Direktor der Klinik für Herzchirurgie, stellte mich den dortigen Chirurgen sogar in einer Dienstbesprechung vor. Meinerseits richtete ich Grüße von Prof. Dr. Ursinus von der Zentralklinik Bad Berka aus.   Als sich herausstellte, daß ich als DDR-Bürger keinesfalls in Hannover um "politisches Asyl" nachsuchen würde, wurde ich wider Erwarten respektvoll und äußerst zuvorkommend behandelt. Erst später, nach dem "Beitritt", sollte ich nur noch als dummer Ossi gelten.   Der 2. Oberarzt der Hannoverschen Klinik, Prof. Dr. Hetzer, nahm sich damals sehr viel Zeit für ein längeres Vier-Augen-Gespräch in seinem Dienstzimmer. Ich erfuhr von ihm, er hatte seinerzeit in der Bundesrepublik die bis dahin größte Serie an Herztransplantationen erfolgreich abgeschlossen, unter anderem auch dies:   Diese großartigen Leistungen auf wissenschaftlichem Neuland seien von Ärzten und Pflegepersonal zusätzlich zum normalen Klinikbetrieb bewältigt worden. Das Pflegepersonal habe mit großem Engagement eine bewundernswerte Arbeit bei der Betreuung der Patienten in der schwierigen Phase unmittelbar nach der Herzoperation geleistet. Auf Überstunden habe niemand geachtet.   Der Herzchirurg (und gläubige Katholik) stellte aber auch heraus, daß Herztransplantationen aus wissenschaftlicher Sicht ein Irrweg seien. Schließlich müsse, bevor einem Empfänger ein Spenderorgan gegeben werden könne, ein anderer Mensch sterben oder gar getötet werden. Um vielen kranken Menschen helfen zu können, sei die Schaffung intelligenter künstlicher Organsysteme der erfolgversprechendere Weg. Da sich aber die Transplantationsmedizin zu einem gewinnträchtigen Wirtschaftszweig entwickelt habe, komme die Entwicklung und Anwendung künstlicher Organsysteme nicht recht voran.   Prof. Hetzer fühlte sich durch die Ignoranz im Lande Niedersachsen dann so abgestoßen, daß er seine Stellung in Hannover aufkündigte und das Deutsche Herzzentrum in (West-)Berlin als Direktor übernahm. Dort führte er sein Programm mit Herzoperationen und -transplantation erfolgreich fort. Die Auffassung, daß Herztransplantationen ein wissenschaftlicher Irrweg sei, hat er aber in der Öffentlichkeit nicht mehr geäußert.   Es stimmt, die Transplantationsmedizin ist ein lukrativer Wirtschaftszweig, in dessen Genuß aber beleibe nicht DIE Menschen, DIE Krankenversichteten kommen. Vielleicht ist noch in Erinnerung, daß Gloria Fürstin zu Thurn und Taxis ihren milliardenschweren herzkranken Ehemann (beide Katholiken) in den Schlössern zu Regensburg gepflegt hat. Als dann schließlich ein Spenderherz benötig wurde, war dieses Organ wie selbstverständlich sofort zur Stelle. Leider wurde das Fremdherz vom kranken Organismus wieder abgestoßen, aber auch ein zweites Spenderorgan stand umgehend für die Implantation bereit. Über die Kosten dieser Behandlung wurde nichts bekannt.   Zurück zur Behauptung in den Medien: Es mangelt also nicht an Organspendebereitschaft und verfügbaren Spenderorganen. Nich deshalb müssen im hochentwickelten Deutschland kranke Menschen sterben. Ursache ist vielmehr das kapitalistische System: Wenn ein Bürger seine Organe für eine Spende zur Verfügung stellt, vollbringt er eine segensreiche Tat. Denn dies kann einem schwerkranken Mitbürger helfen, ihm sogar das Leben retten. Mit der Organspende, an der er und seine Hinterbliebenen, nichts verdienen, bedient er zugleich aber auch kommerzielle Unternehmen, die nur an Maximalprofiten orientiert sind... Jeder möge an dieser Stelle weiterdenken.     Dieter Krieg

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