Ora et labora

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„Bete und arbeite“ – so lautete, etwas verkürzt – der Sinnspruch der Benediktiner. „Bete und pedaliere“ lautet abgewandelt mein ganz persönlicher Sinnspruch für den Feierabend des „Dusty Tuesday“. Denn es liegt etwas in der Luft…

Schon auf dem Heimweg über die Äußere Münchener, Rosenheims südwestwärts gerichtete Ausfallstraße, ist das nahe Wendelsteinmassiv nicht mehr zu erkennen: die vertraute Bergkette liegt hinter einem Schleier blassgelben Staubs verborgen, den ich, wie so viele andere auch, für Saharasand halte. Der gab in unserer Region nämlich bereits in der Vergangenheit einige Gastspiele.

Diesmal keine Spukerscheinungen: Orbs vor dem Hintergrund des Irschenberg. Von den gelben Bergen kommen wir: Samenberg und Hochries im gelben Dunst.

Doch das Onlineportal eines Münchener Medienhauses belehrt mich eines Besseren: ungleich feinere Fichtenpollen – quasi das Ejakulat der männlichen Baumblüte – sind es, die durch die Luft wabern.

Eine Stunde später kurve ich plan- und ziellos durch’s Auer Weidmoos. Der Staub der Picea abies scheint auf Funktionskleidung besonders gut zu haften und bahnt sich seinen Weg weit müheloser als der größere Vetter, das Sandkorn. Sogar bis hinter die Radlbrille schaffen es die nanopartikelgroßen Biester, zwischen Fassung und Schweißpolster hindurch. Der Biowaffenangriff zeigt Wirkung – meine Augen brennen, jucken und tränen. Und von oben droht neues Ungemach: tief über den Voralpen hängen dunkle Regenwolken. Sie verheißen immerhin, den gelben Feinstaub aus der Luft zu waschen.
Zwar ist bekanntlich der Weg das Ziel, mangels Destination überwiegt aber schließlich die Antriebslosigkeit; lustlos trete ich in die Pedale, erreiche maximal noch die Wattzahl eines syrischen Goldhamsters im Laufrad und bin kurz davor, mich auf den Heimweg zu machen.
Doch immer wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.

Als weißer Punkt strahlt die Rastkapelle durch die grünen Schattierungen des Auerberg hindurch.Als weißer Punkt strahlt die Rastkapelle durch die Grüntöne des Auerberg hindurch.

Das gemeinhin als Rastkapelle bekannte Gotteshaus strahlt weit über das Auer Weitmoos. Einst stand an dieser Stelle nur eine
Bank, bis man in den Jahren 1844 bis -45 die Kapelle baute. Aus recht banalem Anlass, wenn man der Überlieferung Glauben schenken mag: eine Witwe fand in der einbrechenden Dunkelheit den Heimweg nicht mehr. Was bis hier wie der Beginn eines Grimm’schen Märchens klingt, endete recht unspektakulär damit, dass die Dame nach einigen (Ver)irrungen unbehelligt auf besagter Bank übernachtete und anscheinend auch wohlbehalten nach Hause zurückkehrte. Umstände, die wir uns heute nur noch schwer vorstellen können. Da die Kapelle dem eher unbekannten Schutzheiligen der Pilger, Franz Xaver – sein uneingedeutschter, ursprünglicher Name Francisco de Xavier klingt ungleich eleganter – geweiht wurde, handelte es sich bei der guten Frau vermutlich ebenfalls um eine Pilgerin. Die Vermutung, sie könnte vor ihrer Odyssee am Auerberg zuviel von jenen Obstbränden verköstigt haben, die noch heute auf den umliegenden Höfen destilliert werden, wird nicht von der Überlieferung gedeckt und fällt eher in den Bereich der boshaften Unterstellung.

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Noch heute ist die Kapelle für die Mangfalltaler Wallfahrer, in diesem Zusammenhang auch Unterländler genannt, willkommene Raststation auf dem Bittgang nach Birkenstein im „oberländischen“ Fischbachau. Erst im Juli 2015 ist der Wandersteig, der auf den letzten Metern vom unterhalb gelegenen Einödhof Altenburg zur Rastkapelle hinaufführt, vom Auer Burschenverein instand gesetzt worden.

Der Einödhof Altenburg unterhalb der Rastkapelle. Ein kurzer Steig führt Wallfahrer von hier hinauf zur Kapelle... ...Radfahrer aber folgen dem Fahrweg.

Im Gegensatz zu den einschlägigen bekannten Almen im nahen Wendelsteingebiet ist die Rastkapelle zwar ein weit weniger frequentierter, nichtsdestotrotz aber dennoch ein Mountainbike-Hotspot. Neben dem famosen Rundblick über das Rosenheimer Becken – vom Irschenberg im Westen über die Moränen des Ebersberger- und Wasserburger Landes im Norden bis zur Ratzinger Höhe, dem Samerberg und Rosenheims Hausberg, der Hochries, im Osten – ist es auch die strategisch günstige Lage auf halbem Weg zur Bergwirtschaft Hocheck, die auch den ambitionierten Biker zum Pilger auf zwei Rädern macht. Die Auffahrt zur Kapelle erfordert zwar eine gewisse Grundkondition, ist technisch jedoch weitgehend unkompliziert. Das Streckenprofil findet Ihr wie immer unten.

Was vom Kreidl übrig blieb…

Ein Lob möchte ich an dieser Stelle der Gemeinde Bad Feilnbach sowie der Kreissparkasse Miesbach-rastkapelle_wegweiserTegernsee für die, salopp gesagt, idiotensichere Beschilderung des Wegenetzes aussprechen, die selbst Kartenmuffel wie mich ans Ziel führt. Kaum zu glauben, dass man noch einige von den Großkopferten unangetastete Geldtöpfe fand, deren Inhalt der vormalige Landrat Jakob K. und seine Satrapen nicht bei ihren Eskapaden verschleuderten.

Die Reihe ‚Ora et labora‘ wird zu einem unbestimmten Zeitpunkt fortgesetzt. To be continued…


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