Opfer, die Securitate-Täter entlarven, werden inzwischen deshalb angeklagt, die Täter aber geschützt. Und alles wird verharmlost

Gestern (25.11.2010) ist ein Interview mit Iris Radisch in der Zeit erschienen. Ich hatte es abgesegnet, obwohl mir viel aus meiner Position und den notwendigen Hintergrundinformationen herausgestrichen wurde. Nicht aber aus den Fragen. Ich hatte es „abgesegmet“, denn ich hatte nun genug von dieser leidigen Sache, wo ich mich andauernd rechtfertigen musste. Denn ich wurde für meine "furchtbare" Tat als Opfer, einen Täter "Stein Otto" (Oskar Pastior), der mich in der rumänischen Gulagzeit lebensgefährlich bedroht hatte, auf die Anklagebank versetzt.. Und dieses nur, weil ich diesen Täter entlarven wollte; auch genug Beweise dafür in meinen Akten habe.
Richard Wagner hat Recht in einem in der Achse des Guten veröffentlichen Artikel, dass sich nun die Opfer verteidigen müssen, während die Täter in Schutz genommen werden!
All das in der ZEIT Veröffentlichte klingt jetzt, auch nach dem Beitext von Radisch, von dem ich nichts wusste, und wo sie es auch (bewusst?) versäumt hatte wenigstens die Worte von Herta Müller einzusetzen, dass sie nun, nachdem ich diese Entdeckung der Spitzelberichte von Pastior im Klarext veröffentlichen konnte, nichts mehr zur Verteidigung von Pastior tun könne. Es wäre das Minimum gewesen, um den wirklichen Stand der Diskussion um „Stein Otto“ (Oskar Pastior“) als Ausgangspunkt einer weiteren Debatte zu dokumentieren, und nicht wieder von Alpha anzufangen, als hätte niemand etwas von dieser Debatte gewusst! Bekannt ist doch in der deutschen Öffentlichkeit, dass keiner, auch die Freunde Pastiors, die ja die Materie besser kennen als Iris Radisch, meinen Bericht in der FAZ und die entdeckten Aktennachweise angezweifelt, sondern sehr bestürzt, ja,verstört reagiert haben! Ja, man muss sich wirklich als Selbstbetroffener schmerzlich auskennen und alle Details wissen, um aus einer wissenden Position diese harten Fragen stellen zu können! So ist auch dieses Interview ausgefallen, nämlich zuerst völlig neben der Realität: als wäre ich, das Opfer, der Angeklagte, und der Täter „mein“ Opfer! Es war eine harte Knochenarbeit, bis ich Frau Radisch nach langem Hin und Her (es gab mindestens 5 Interviewfassungen!) endlich den Stand der Dinge klar machen konnte, und dieses einigermaßen den Tatsachen „hinreichende“ Interview entstanden ist; und sie als Abchlußurteil meinte, ihre Leser könnten dem Interview nur entnehmen, das alles wahnsinnig kompliziert und sehr schwer verständlich sei!
Sie haben es selbst in unseren vielen Fassungen und mailbriefen zugegeben, Frau Radisch, dass Sie da zu wenig wissen! Meine Frau ist Westdeutsche, ich weiß sehr genau und fast intim von der Ahnungslosigkeit der Westdeutschen, was alle diese Dinge betrifft. Es wird auch so bleiben. Und unser Interview sehe ich auch so: ein Gespräch zwischen einem Ostdeutschen und einer Westdeutschen, wobei eben durch jene „Knochenarbeit“, Sie sind ja wohl die beste deutsche Journalistin (Ost und West), die wir haben! fast im Flug einiges vom mangelnden Informationsstand aufgearbeitet haben. und nun, wie Sie selbst sagen "über die Securitate einiges gelernt haben!" Soll ich froh sein? Vielleicht. Weil solche Gespräche und Veröffentlichungen „historisch" (auch im nicht aufgearbeiteten Ost-West- Gefälle in den Köpfen, in Deutschland besonders!) notwendig sind, ganz abgesehen von meinem persönlichen Fall! Der insoweit als Modellfall wichtig ist, als bei den Rumäniendeutschen alles viel näher, viel (fürchterlicher) persönlich wurde in jener Enge in Siebenbürgen und dem Banat! Vergessen Sie nicht, ich arbeite an einem Buch über die Securitate in dieser Enge, weiss also einiges auch über Strukturen (Fortsetzung meines Buchs über Auschwitz, das jetzt in New York heraus kommt!), Aber die Securitate ist sogar vergleichbar. ich sehe das immer mehr mit Entsetzen!"
Jedenfalls werde ich Ihre Machtposition in einer großen Presseinstitution, als jemand der viel mehr Möglichkeiten hat als ich, nicht akzeptieren, sondern nicht nur von gleich zu gleich reden, sondern sogar als einer, der mehr weiß und erlebt hat, als Sie und irgendein Mensch der nur in Westdeutschland gelebt hat in jenen fürchterliche Zeiten. Also als älterer Zeitzeug aus Erfahrungswissen rede, ob Sie, die sowieso auch der jüngeren Generation angehören, egal ob Ost oder West. das nun gern sehen oder nicht! Das hat nichts mit angemaßtem „Status“ zu tun, sondern mit tatsächlichen Erfahrungsunterschieden. Und es ärgert mich jetzt, dass ich das bisher so nicht deutlich gemacht habe! Sondern als selbst traumatisiert Fragender ihren Fragen einfach gefolgt bin!
Ich finde deshalb unseren Diskussionsfall auch als exemplarischen Fall wieder, nämlich, dass so etwas heutzutage aus Mangel an Selbsterlebtem immer wieder unerträglicherweise so verwischt wird. Am 26. 11 ist nun auch in der „Süddeutschen“ eine ähnliche Position von Lothar Müller zu finden, wo das Opfer nicht ernst genommen, die Täter aber gescützt werden! Gewundert hat mich freilich auch, dass kein einziges ostdeutsches Presseorgan auf diesen Fall eingegangen ist! Und auch das ist merkwürdig!
Ich frage mich jetzt: Warum? Und ich finde es untersuchenswert! Hängt das dann letztlich damit zusammen, dass es Sie und die FAZ sozusagen als einzige Instanz gibt, die sich der Sache annehmen! Weil ostdeutsche Medienwirklichkeit schon ermüdet oder erstaunlicherweise schon alles abgehakt hat?!! Was Sie also tun, Sie müssen ja auch sonst die Weltwirklichkeit wahrnehmen wie die ostdeutschen Kollegen, sehr dankenswert ist, aber auch auf einen Vakuum hinweist, das mich eigentlich erschreckt! Schon deshalb, weil ich keine Verbündeten habe durch Kenner von ähnlichen Fällen in Ostdeutschland, und die es doch die Presse in Leipzig, Ostberlin, Dresden oder Magdeburg viel mehr angehen müsste als Hamburg oder Frankfurt!!!!
Dieter Schlesak

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