One Piece: World Seeker im Test – Lohnt sich Open World als Feature?

Erstellt am 3. April 2019 von Gamingnerd

Bei jeder Ankündigung eines Videospiels einer Manga/Anime-Reihe bin ich der Hoffnung, dass das Spiel auch authentisch und bestenfalls nah an der Story bleibt. Beat'em Ups sind eine Ausnahme, da die Charaktere bei Spielen wie Jump Force auch einen soliden Crossover-Auftritt hinlegen können. Bei One Piece gibt es bereits fast 50 Spiele auf unterschiedlichen Plattformen. Wie schlägt sich die Strohhut-Bande im neusten Titel World Seeker auf Xbox One und PS4?

Vom Open World-Hype betroffen?

Die Anime-Fernsehserie One Piece hab ich 2003 von Anfang an über mehrere Staffeln mitverfolgt. Irgendwann bin ich auf die Mangas umgestiegen und irgendwann hab ich die Serie in den letzten Jahren aus den Augen verloren. Die Videospielreihe hat mich in der Zeit nicht so interessiert, so dass One Piece: Pirate Warriors mit das einzige und letzte gespielte Spiel blieb. Daher wird es hier auch kaum Vergleiche zu den anderen Spielen der Serie geben.

Bei One Piece: World Seeker handelt es sich um das größte und umfangreichste One Piece Spiel als Open World-Titel. Das Action-Adventure-Spiel wurde zusammen mit dem Manga Schöpfer Eiichirō Oda entwickelt, somit ist die Story authentisch und die beiden neuen Charaktere Isaac und Jeanne eine originale Ergänzung zur Serie. World Seeker spielt auf der neugeschaffenen Region Prison Island mit abwechselnden Städten und Landschaften.

Gegen meine Erwartung setzt das Spiel viele Zwischensequenzen ein, was aber durch die Kooperation mit dem Schöpfer mehr als sinnvoll erscheint. So werdet ihr zu Beginn des Spiels sehr gut in die Story von One Piece: World Seeker hineingeführt. Während des Spieles bleibt auch die Spannung der Story, da man das Ende nicht aus Manga oder Anime kennt.

Wie es auch sein muss, schlüpft ihr in die Rolle des Anführers der Strohhut-Piraten Monkey D. Luffy. Ziel der Bande war, den Schatz von Sky Island, der im Himmel über Prison Island liegenden Insel zu schnappen. Leider war dies eine Falle der Marine und damit wurden die Mitglieder der Strohhut-Bande in Gefangenschaft oder auf der Flucht über die ganze Region verteilt. Eure Aufgabe, in den ersten Kapiteln, ist es alle Kameraden wiederzufinden. Die Story wird von Haupt- und Nebenmissionen mit recht einfachen Anweisungen begleitet. Das Aufgabenschema bietet leider nicht so viel Abwechslung, da z.B. bei Nebenmissionen immer zwei, drei Gegenständen gesammelt und zum Auftraggeber gebracht werden müssen, so dass sich das nach einigen erledigten Quests einfach sinnfrei anfühlt. Auch das Sammeln von Gegenständen, an Stelle der leuchtenden Punkte auf der Karte, oder Öffnen der Truhen wirkt irgendwie ebenfalls nicht notwendig, da das Craftingsystem auch nicht extreme Vorteile verschafft.

Zu wenig Tiefe in der Spielemechanik?

Das Kampfsystem besteht aus einfachem Buttonmashen, den zwei Spezialfertigkeiten Beobachter- und Panzer-Haki. Dazu hat Bandai Namco ein für Luffy untypisches und ungeeignetes Element mit hinzugefügt: Anschleichen und Ausschalten. Bei den Spezialfertigkeiten werden z.B. die bekannten brachialen Gum-Gum Angriffe von Luffys Teufelsfrucht eingesetzt. Das sind aber nicht immer zwingend notwendige Techniken, da die Ein-Button-Technik zum Angreifen vieler Gegner mit Button Mash meist ausreicht. Der Spieler wird abseits der Missionen und Kämpfe in ein Rollenspielsystem herangeführt. So könnt ihr aus fünf Skill-Trees eure Fertigkeiten erweitern oder mit gesammelten Gegenständen Rüstung craften, auseinandernehmen und neu anfertigen. Für weiteres Rollenspielfeeling gibt es das Karma System mit dem durch bestimmte Aufgaben Karmapunkte gesammelt werden können. Wenn ein Charakter das volle Karmalevel erreicht hat, dann wird eine neue Zwischensequenz freigeschaltet.

Grafisch hat One Piece: World Seeker einiges zu bieten. Durch die vielen Schauplätze gibt es vieles zu entdecken. Manche belebten Stellen sehen wunderbar aus aber wenn das Gesamtbild des Open Worlds betrachtet wird, fällt sofort auf, dass wenig in der Umgebung zu finden ist. Auf der Gefängnisinsel bewegen sich gefühlt kaum NPC-Bewohner auch wenn es in den Siedlungen und Stadtbereichen einige Gesprächige mit Nebenquests gibt. Ab und zu kommen wilde Piraten und Marine-Soldaten in die Quere, die meist mit Buttonsmashing ins Jenseits geprügelt werden. Im Laufe des Spiels werden unterschiedliche Fortbewegungsmöglichkeiten freigeschaltet, sodass nicht nur gelaufen sondern auch per Gum-Gum Rakete wie Spiderman durch die Gegend geschwungen wird. Die Schnellreise dagegen ist durch die langen Ladezeiten ein großer Bremspunkt. Wenn die Anime-Serie bekannt ist, werden definitiv außergewöhnliche Orte ähnlich wie Thriller Bark oder Whole Cake Island auch erwartet, aber das gibt es leider nicht. Abgesehen von der Landschaft sehen die Charaktere und das Strohhut-Schiff Thousand Sunny optisch detailliert und sehr gut umgesetzt aus.

Ein weiterer fantastischer Aspekt von World Seeker ist die Klangqualität des Spiels. World Seeker ist vollgepackt mit klassischen One Piece Soundeffekten. Die Musik ist auch sehr stimmig und passend zur Umgebung. Natürlich ist die Original-Synchronisation der Charaktere Pflicht und auch wenn es nur auf japanisch ist, wirken die Zwischensequenzen wie aus dem Anime. Einzig bei den Ingame-Dialogen wurde auf volle Synchro verzichten und auf wenige Laute gesetzt. Daher vergeht schnell die Lust alle stummen Dialoge genau durchzulesen.

Nach etwa 20 Stunden Spielzeit sind die 17 Kapitel beendet. Aber die Geschichte ist noch lange nicht vorbei, da noch drei weitere DLCs erscheinen werden und der Season Pass dafür bereits erhältlich ist. Aber da stößt natürlich Beigeschmack auf, warum die kostbare Entwicklungszeit nicht zur Vervollständigung des Spiels genutzt wurde.

Fazit

Bei One Piece: World Seeker bleiben die Gefühle in Bereich Story, Grafik, Sound und Open World Gameplay gemischt. Leider wird der wichtigste Bestandteil, das Gameplay, zur großen Schwachstelle des Spieles. Wie bei vielen Anime-Spielen wird auch hier enorm viel Potenzial verschenkt. Ich persönlich denke, wenn die Welt kleiner wäre und aus halboffenen Bereichen besteht, wäre es einfach eine bessere Spielerfahrung und vorallem auch eine enorme Entwicklungszeitersparnis. Für One Piece Fans ist es ok aber sonst trübt das Open World den Spielspaß. Weniger ist auch hier mehr.