Ohne Handschuhe

Von Peter Broell
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Ladies & Gentlemen,
Deutschland ist ein reiches Land, - zumindest im internationalen Vergleich. Die Wirtshaft boomt wieder, die Arbeitslosenzahlen in Deutschland gehen zur Zeit deutlich zurück. (Früher sagte man hier sprichwörtlich: "Hauptsache, der Schornstein raucht." Aber heute hört man das ja nicht mehr so gern.)
Sind wir also Zeugen eines neuen deutschen Wirtschaftswunders? Vielleicht. Es ist noch zu früh, um das festzumachen.
Was aber leicht festzustellen ist: Gegenüber dem Haus, in dem ich lebe, wurde vergangene Woche die Fassade gründlich renoviert. - Bravo! - Dazu musste selbstverständlich ein entsprechendes Baugerüst auf- und wieder abgebaut werden. In Hongkong hätte man das alles mit Bambus erledigt. Bei uns allerdings wurde ein System aus Eisen und Brettern verwendet.
Mir fiel gestern auf, dass die bienenfleißigen Arbeiter ausnahmslos keine schützenden Handschuhe trugen. Von Helmen, Lärmschutz und vernünftigem Schuhwerk ganz zu schweigen. Man stelle sich vor: Da schleppen diese Männer 10 Stunden am Tag hunderte Bretter, Eisenstangen und Verbindungsteile! Wie leicht kann dabei ein Holz- oder Metallsplitter in die Haut eindringen! Gute Lederhandschuhe kosten im Baumarkt etwa vier Euro. Ob diese geringe Investition in die Gesundheit schon zu viel ist in diesem reichen Land? Wenn es um schweres Gerät geht, wie Bagger und Baumaschinen, sind deutsche Firmen 'auf Zack'. Aber die Gesundheit ausländischer Arbeiter kümmert Unternehmer offenbar wenig.
Müssen wirklich staatliche Regelungen und strenge Kontrollen her, damit eine zweckmäßige Ausrüstung für die Arbeiter in jedem Fall garantiert ist? Es scheint nicht anders zu gehen, meint... Peter Broell