Ob „Happy Hour“ oder „Apericena“ – Kinder unerwünscht!

Ob „Happy Hour“ oder „Apericena“ – Kinder unerwünscht!

Wie kinderfreundlich ist Italien überhaupt noch?

In Italien wird der „Dolce Vita“ vor allem auf kulinarische Art und Weise gefrönt, soviel dürfte euch bislang bekannt sein. Alles, was mit Gaumenfreuden einhergeht, erfreut sich im Belpaese stets ungebrochener Beliebtheit. So auch der Aperitivo, der regelrecht zelebriert wird. Viele Lokale bieten eine „Happy Hour“ an, mit einem Häppchen-Buffet zum Getränk, das glatt als leichtes Znacht durchgehen kann. Und das für wenige Euro. So tut man sich nicht nur an ewiggleichen Chips und Oliven gütlich, sondern bekommt gefüllte Foccaccia-Häppchen, Reissalat oder sogar eine Kostprobe warme Pasta serviert.

Die Happy Hour wurde in den letzten Jahren von der „Apericena“ abgelöst, der Verbindung von „Aperitivo“ und „Cena“ (Abendessen), nachdem die „Merencena“, die Verbindung von „Merenda“ (Zvieri) und „Cena“ nicht ganz so trendig daherkam. Lieber den Apero mit dem Abendessen verbinden als den Zvieri mit dem Abendessen, das ist mondäner, nicht? Auf jeden Fall ist „Apericena“ in Bella Italia in aller Munde. Auch bei Einladungen zu Festen wird auf die günstigere Variante des Abendessens gesetzt.

Kinder sind dabei nicht unbedingt mit von der Partie – Apericena macht den Anschein eines den Erwachsenen vorbehaltenen Momentes der Entspannung nach einem langen Arbeitstag oder der sinnlichen Einstimmung aufs Wochenende. Da sind quengelige Kinder oder schreiende Babys unerwünscht. Überhaupt hat sich in Sachen Kinderfreundlichkeit im Belpaese einiges getan: Während noch vor zwanzig, dreissig Jahren die „bambini“ von der Gesellschaft auf Händen getragen wurden, ist dies heute nicht mehr so deutlich zu spüren. Wenn, dann wurde die Kinderfreundlichkeit von der Hundefreundlichkeit abgelöst. Die Vierbeiner werden umsorgt und verhätschelt, was das Zeug hält, sie dürfen überall mit Frauchen und Herrchen hin, es wird geflissentlich darüber hinweggesehen und –gehört, wenn sie im Einkaufscenter an den Ladeneingang pinkeln oder lauthals bellen. Aber das ist ein anderes Thema.

Wir sind nun schon so weit, dass gewisse Restaurants einen Rabatt für „brave Kinder“ eingeführt haben. So geschehen in einer Önothek in Padua, in der ein verdutztes Elternpaar mit sechs (!) Kindern am Tisch fünf Prozent Rabatt auf die Rechnung bekam. Der Restaurant-Inhaber rechtfertigte sich so: „Seit wir am Sonntagmittag geöffnet haben, ist das Problem schlechterzogener Kinder deutlicher geworden: Sie rennen überall herum, werfen Brot auf den Boden und stossen mit den Kellnern zusammen, die alle Hände voll zu tun haben.“ Es sei schwierig, unter diesen Bedingungen zu arbeiten, bedauerte er. Und führte kurzerhand den Rabatt für „brave Kinder“ ein. Das „Problem“ ist allerdings nicht neu: Schon vor ein paar Jahren hat ein Restaurant in Brescia den Eintritt für unter 10jährige nach 21.00 Uhr untersagt, um die Ruhe der anwesenden Gäste nicht zu stören. „No Child“ versus „Benvenuti Bambini“, wo andernorts extra Spielecken für Kinder eingerichtet werden, damit deren Eltern (und die anderen Gäste) ungestört speisen können.

Die Lösung des Problems kann wohl kaum sein, ihnen ein Smartphone oder Tablet in die Hand zu drücken (die obenerwähnten braven 6 Kinder malten mit Farbstiften und Papier), oder? Die Moral der Geschicht‘: Toleranz und gesunder Menschenverstand würden genügen, und zwar beiderseits. Und was meint Ihr dazu?

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Ob „Happy Hour“ oder „Apericena“ – Kinder unerwünscht!Sarah Coppola-Webe ist gebürtige Ostschweizerin mit italienischem Pass. Sie lebt mit einem neapolitanischen Ehemann, zwei Töchtern (14 und 11) und einem Sohn (7) seit 17 Jahren in der Nähe von La Spezia. Für “Die Angelones” schreibt die angehende Doula über Familien -, Gesundheits- und Ernährungsthemen und lässt dabei die LeserInnen am facettenreichen italienischen Alltag teilhaben, wo der Ausnahmezustand oft an der Tagesordnung und von „dolce far niente“ keine Spur ist!

Mehr über Sarah und ihre Familie erfährt ihr in im spannenden Interview, das wir mit ihr führen durften!

Seid gespannt auf Sarahs nächster Bericht, in welchem sie uns erzählen wird, wie es Italiens Müttern geht, wenn nächsten Monat die Schulhäuser für über drei Monate ihre Pforten schliessen…

Sarahs bisher erschienenen Beiträge könnt ihr hier nachlesen:


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