NSU: Der Fall Braun

NSU: Der Fall BraunJe weiter die Aufklärung der neonazistischen Mordserie um die Thüringer Untergrundarmee NSU voranschreitet, umso mehr Rätsel tauchen auf. Jetzt hat der „Spiegel“ aufgedeckt, dass der Verfassungsschutz von „etwa 20 Unterstützern“ ausgeht, die Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe „im Untergrund geholfen haben“.
Ein bemerkenswerter Vorgang, wenn man beachtet, dass das „Untergrundleben“ der terroristischen Dreifaltigkeit ein seit acht Jahren nurmehr ein eingebildetes war. Weder gegen Zschäpe noch gegen Mundlos oder Böhnhart lag irgendetwas vor, es wurde weder nach ihnen gefahndet noch gab es auch nur den geringsten Verdacht, sie könnten in irgendwelche Verbrechen verwickelt sein. Niemand fahndete. Niemand hätte einen der drei nach einer Ausweiskontrolle mit aufs Revier genommen, wenn er seine eigenen Papiere vorgezeigt hätte.
NSU: Der Fall BraunDennoch zogen es die tödlichen Drei vor, sich von Bekannten Ausweise zu borgen, in fremdgemieteten Wohnungen zu leben und Autos zu fahren, die andere für sie geliehen hatten. Angeführt von Uwe „der Schlaue“ Mundlos betrieben die Mitglieder der Mini-Armee, die 2003 noch selbstbewusst und unverschleiert an einem Nazi-Aufmarsch in Halle an der Saale teilgenommen hatten (Foto oben), einen gewaltigen Aufwand. Für haargenau null Effekt.
Der Fall Braun, der Deutschland für eine ganze Woche vom Zusammenbruch der Euro-Region und vom Ausverkauf aller Verfassungswerte ablenkte, wirkt mit zunehmender Dauer immer absurder. Kantapper, Kantapp, kamen die tiefgefrorenen Nazis aus dem Kühlschrank, als sie als Ablenkung von der Euro-Tragödie gebraucht wurden. Letztes Jahr zur selben Zeit stimmte der Innenminister die Nation auf den bevorstehenden Todesstoß Bin Ladens gegen die Reichstagskuppel ein, jetzt ist es ein Trio aus Spätpubertierenden, das unerkannt RAF spielt und mit fünf Jahren Verzögerung Furcht sät.
Denn natürlich ist die These, nur "abgetaucht" hätten sie unerkannt morden können, nur nach „Spiegel“-Logik haltbar. Wer keine Spuren hinterlässt und erratisch genug agiert, keine Tatmuster zu erzeugen, kann nach getanem Mord ebenso gut unter seinem richtigen Namen zur Arbeitsagentur oder zum Einwohnermeldeamt gehen wie unter einem halben Dutzend falscher zum Griechen, in den Supermarkt oder in in Michèle Kiesewetters Heimatort Meuselbach. Dort soll Uwe Mundlos nach Informationen der Ostkult-Gazette "SuperIllu" sich im Somme 2005 "mit einer Clique von sechs bis acht jungen Männern getroffen" haben, um zusammen mit ihnen "kleine Bomben" zu bauen und "rechtsextremistische Musik zu hören".
Auch dort aber hat Mundlos sich grundlos mit anderem Namen vorgestellt. Der Mann, für den sich kein Staatsanwalt und kein Polizist interessierte, spielte Untergrund. Er tat so, als werde er gesucht. Und er tat noch mehr. Kioskbesitzer – und Angestellte wurden ermordet, das Auswahlprinzip aber blieb geheimnisvoll: Acht Türken. Und ein Grieche, schon rein historisch betrachtet der Gegenspieler der Osmanen. Todeslisten wurden aufgestellt, und das dauerte länger als die Adressen der Erfassten aktuelle blieben. Für die Erledigung der 10.000 mutmaßlichen Ziele hätte die Zwickauer Truppe bei ihrem Standardmordtempo rund 10.000 Jahre gebraucht.
Wozu also solche eine Liste? Warum ein Grieche unter lauter Türken? Warum eine gekaufte Pistole als Tatwaffe? Wieso ein gespieltes Leben im Untergrund? Warum endeten alle Planungen augenscheinlich bereits im Jahre 2006?
Es gibt keine Antworten. Trotzdem stellte sich fünf Jahre nach der letzten Tat binnen Stunden Einigkeit von "Welt" bis Bild, von SZ bis Zeit her: Ja, das waren fremdenfeindliche Morde. Die Opfer, bis dahin verdächtigt, bei Auseinandersetzungen im kurdisch-türkischen Drogenmilieu ermordet worden zu sein, rückten vom Privattoten auf zu Staatsmärtyrern. Die hohe Politik beschloss zu trauern, die Justizminsiterin ist bereit, Angehören Entschädigungen für die Taten der kriminellen Mundlos-Bande zu zahlen.
Wenn das Schule macht, hat die Familie ermordeten Polizistin Kiesewetter ganz schlechte Karten. Hier, wo bisher von einer menschenverachtenden Gelegenheitstat mit staatsfeindlichem Hintergrund ausgegangen wurde, tun sich plötzlich Abgründe persönlicher Beziehungen auf. „Kannte die Polizistin die Neonazis?“, fragt die „Welt“, die von der staatlichen Nachrichtenagentur dpa den Hinweis bekommen hat, dass „der Bruder der Getöteten einen Koch mit dem Nachnamen Zschäpe beschäftigt“ habe.
Was ist da los? Warum hat es fünf Jahre gedauert, bis die Ermittlungsbehörden auf diese Spur gestoßen sind? Und warum haben Deutschlands führende Medien nicht schon viel früher darauf hingewiesen, dass es durchaus Zweifel am Selbstmord von Mundlos und Böhnhardt geben darf – und sei es nur, weil beide keinen Grund hatten, sich zu erschießen?
Der Fall Braun knirscht vor Widersprüchen, so sehr, dass sich kritische Fragen nach nur anderthalb Wochen den Weg durch die bislang aufgetürmte Schicht an staatstragender Eindeutigkeit gebahnt haben. Nun reden Feuerwehrleute, die die ausgebrannte Terror-Wohnung im Zwickauer Frühlingsweg selbst gesehen haben, davon, dass dort aus ihrer Sicht niemals eine DVD hat überleben können. Nun gestehen auch die Behörden zu, dass es schwer werden könnte, das gefundene Material auszuwerten. Nun fragen sich selbst gelegentliche Nachrichtenkonsumenten, welchen Wert ein Geständnis hat, „in dem die Täter sich ihrer Taten rühmen“. Und das mit der Synchronstimme einer Zeichentrickfigur, ohne im Bild aufzutauchen.
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