Nothing else matters…

Von Elisagroka

Liebe Leser!

Ich weiß, ich habe euch so strääääflichst vernachlässigt, ich gehöre verkloppt und außerdem muss ich zur Strafe in der Bloggerhölle mindestens drei Jahre den Spüldienst übernehmen. In kochendem Wasser. Buah.

So, jetzt stellt sich aber die Frage: Wo hat die Frau Groka gesteckt? Hm, ich könnte euch jetzt erzählen, dass ich ein Romanmanuskript fertig geschrieben habe, was stimmt. Und auch, dass ich mir die Fingerchen wund getippt hab, um Werbetextchen für Geld zu verfassen, um den unmittelbar drohenden Hungertod abzuwenden. Auch das stimmt. Auch das ich eifrig schmuddelige Aktbilder auf eBay vertickt habe stimmt, ihr wißt ja, ich werde alt und brauche das Geld, ich bin in vollem Umfang geständig!

Aber all das ist nicht der wahre Grund, warum die Frau Groka in einem ihrer obsessiven Löcher verschwunden ist, für die ihr schon Leute die Freundschaft aufgekündigt haben, von denen die Frau Groka gar nicht wußte, dass es Freunde sind! Ehrlich jetzt, das Künstlerleben ist ja so. Man geht mal eben ins Atelier, weil man gedacht hat, öh, sagen wir mal „Grün…“ und dann tut man, was man tun muss. Und wenn man ein paar Monate später wieder aufblickt, hinterbringen einem die Nachbarn, dass der Verlobte, von dem man gar nicht wußte, dass man einen hat, inzwischen mit gebrochenem Herzen nach Alaska ausgewandert ist oder so. Dabei denkt man sich „Ja, mein Gott, äh, ich hätte den schon irgendwann noch angerufen. Ich war doch nur eben ein bisschen malen…“ und dann hat man eine Idee für eine Skulptur und…ja. So ist das. Leiden für die Kunst!

Jetzt hat mich aber diesmal auf meine alten Tage eine Obsession gepackt, von der ich im Leben nicht gedacht hätte, dass die mich nochmal rütteln würde. Das schwere psychische Leiden heißt „Klavier“.

Ich berichtetetete ja bereits, dass ich angefangen habe, Klavier zu spielen. Also, ich hab schonmal gespielt, aber da trug ich noch eine Zahnspange und wollte ein Pferd haben. Und ich liebte dieses Klavier über alles, tja, ich möchte fast sagen: Ich habe nie wieder jemanden so geliebt wie diesen braunen Kasten mit den Tasten vorne dran. *schnief* Eine Vase für meine Tränen! ( Das ist ein Zitat aus Quo Vadis.)  Eines Tages aber kam ich nach hause und das Klavier war weg. Tja. Fortan war ich aphon, stimmlos. Das Drama nahm seinen Lauf. Ich begann, jeden Tag einen neuen Romananfang zu schreiben und Bilder zu malen, bis ich knietief in Blättern stand. Ich hatte eine Affäre mit einem Klavierspieler, und ich bin nicht stolz darauf! ( Das hinwiderum ist ein Zitat aus „Matlock“, ihr wißt schon, dieser schreckliche TV-Anwalt-Oppa, der immer den gleichen Anzug an hatte und von Hot Dogs lebte ). Aber das alles, *schluchz*, hat mir mein Klavier nie ersetzen können. Wer jetzt weinen muss – ihr braucht euch eurer Tränen nicht zu schämen! Hehe!

Ja. Und jetzt, ähm, bin ich ja mit einem Klavier in dieses riesige Haus gezogen. Und, *stotter*, erst hatte ich es ja noch im Griff, aber…

Es ist so ähnlich wie neulich, als ich die Portraitphase hatte. Schrecklich. Ich konnte mich mit keinem Menschen mehr unterhalten, ohne die Leute unhöflich anzustarren, weil ich zwanghaft den Bogen der Lidfalte studieren mußte, oder den Schattenwurf am Mundwinkel. Nur jetzt macht es auch noch Krach! Aber ich kann einfach nicht aufhören! Ich muss mindestens fünf Stunden am Tag Klavier spielen, jahaaa, und jetzt spiel mal stundenlang Klavier, wenn du keine Noten lesen kannst! Ich war besessen davon, Tschaikowsky zu lernen, einen Kasatschok für Igor, Poljuschka Polje für die russische Säälä, einen Rudolph-Valentino-Gedenktango, sämtliche Soundtracks, die mir einfielen, ja, und dann kam Jutta um die Ecke und murmelte was von „Nothing else matters“. Da wars vorbei.

Seit drei Tagen arbeite ich jetzt an diesem fuckin’ Metal-Brocken und kann die letzten Takte IMMER NOCH NICHT! *schrei*

So, hab’s im Griff. In diesem Zuge muss ich aber anmerken, der Herr Hetfield, ja, der wo das Lied singt. Ihr wißt schon, diese Schrankwand von einem Kerl, ja, im Ruhrgebiet würde man sagen „voll die Kante!“, also der Herr Hetfield und ich, wir sind uns ja künstlerisch näher gekommen bei dem ganzen, mir fällt jetzt kein treffendes Wort ein, bei dem ganzen Dingens. Wer keine Noten lesen kann, muss Videos gucken, um die Stücke immer wieder zu hören, klar, nä. Und ich guckte mir also immer wieder den Herrn Hetfield an, um den Halbton an der passenden Stelle richtig rauszuhören, und stellte fest – voll peinlich – ich entwickelte eine primitive Schwäche für dieses Alphamännchen. „Hach, Herr Hetfield…“ hab ich so gedacht, „Hach!“. Dann hab ich aber gelesen – der hat den Song für eine Frau geschrieben. Bis dahin hab ich noch geseufzt. Das ist ja sooo romantisch! Tja, aber wie das so ist. Später hat der Herr Hetfield dann gesagt, er kann sich nicht erinnern, warum er das gemacht hat. Seitdem ist der Song den Fans gewidmet.

„Herr Hetfield!“ hab ich da ausgerufen. „Sie Schuft!“ Weil – also, nicht das man nicht auch mal eine Widmung wieder aberkennen könnte, hab ich auch schon gemacht, das ist eben Rock’n'Roll, aber sowas saaaagt man doch nicht!

Ja. Das war meine Lebensbeichte für diese Woche. „Ein Roman nach Tatsachen“. Ich geh Klavier üben…


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