Noch einmal: Weimar und Shiraz

Nationaltheater in Weimar, Bildquelle: Wikipedia

Nationaltheater in Weimar, Bildquelle: Wikipedia

Ich habe vor einigen Tagen über den Eklat berichtet, den die Weigerung einer Delegation der (städtepartnerschaftlich verbundenen) Stadt Shiraz, die Gedenkstätte Buchenwald zu besichtigen,  in Weimar und den Medien auslöste.

Sehr interessant in diesem Zusammenhang war vor allem auch ein Kommentar hier im Bloghaus, in dem “Elias Sonntagskind” versuchte, ein wenig Licht in das Dunkel darum zu bringen. Er schrieb unter anderem, dass die “Stadt Weimar [...]  sich an die Presse gewandt [hat], ohne vorher mit der Delegation oder den Veranstaltern[...] einen Dialog gesucht zu haben. Sie haben sich wahrscheinlich voreilig beleidigt gefühlt und auf peinlichst undiplomatischer Art und Weise dem ohne hin schon gewagtem Projekt der kulturellen Brückenbauer Steine in den Weg gelegt.”

Von diesem Differenzen zwischen der Stadt Weimar und denen, die den Kulturaustausch organisierten, scheint die Presse noch immer keinen Wind bekommen zu haben. Anders ist ein Artikel in der aktuellen TLZ nicht zu verstehen. Hier geht es vor allem darum, dass die Fraktionen innerhalb des Stadtrates von Weimar zerstritten sind, ob und in welcher Art und Weise der Kulturaustausch und die Städtepartnerschaft fortgeführt werden sollten oder können. Allerdings gleichen sich die Argumente:

…kann sich die CDU-Fraktion grundsätzlich keine Partnerschaft mit Städten vorstellen, die die Existenz und das Vermächtnis Buchenwalds ausklammerten [...] Noch deutlicher wurde sein Amtskollege vom Weimarwerk. Nach der Absage des Termins in der Gedenkstätte sollten keine weiteren Kooperationen der Stadt Weimar weder offiziell noch inoffiziell verfolgt werden [...] Dazu zählte er Gespräche, Besuche, Kulturaustausch, Reisen, et cetera. “Dies ist aus unserer Sicht die einzig richtige Konsequenz und ein klares Signal an das autoritäre, scheindemokratische Regime im Iran.” Dass die konsequente Haltung des Weimarwerks auch viele um Toleranz und Ausgleich bemühte Regimegegner treffe, verhehlte [er] nicht.

Nun, ich habe meine Meinung dazu hier schon des öfteren kundgetan: ich bin der festen Überzeugung, dass man Vertretern des iranischen Regimes weder Stimme noch Podium geben darf. Wenn allerdings – wie der bereits erwähnte Kommentator aussagt – die Delegation keinesfalls staatlich gelenkt wurde (wobei dann allerdings die Frage erlaubt sein muss, weshalb in den Presseartikeln der iranische Botschafter erwähnt wurde…), dann muss das erneut überdacht werden.

Und genau so klingen die Gegenargumente im Stadtrat vom Weimar:

…dass der Besuch der Gedenkstätte auf Druck der iranischen Staatsführung abgesagt worden sei. Diese Haltung aber sollte auf keinen Fall zum Anlass genommen werden, “die sich entwickelnden freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Städten und ihren Bürgern unsererseits zu behindern oder gar zu beenden”, erklärte der Stadtrat

Allerdings – so lehrte mich meine Vergangenheit in einem anderen sehr diktatorischen Staat – ist es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, zwischen Staat und Kultur zu unterscheiden. Vielleicht ist den Weimarern das auch bewusst.

Nic