"Noah" [USA 2014]


Kleine Entwarnung: Darren Aronofsky nervt nicht uneingeschränkt. "Noah" ist kein großartiger Film, und von der schablonenhaft ausbuchstabierten Liebesschnulzenbotschaft bis zum künstlich gestellten Ausstattungsgemenge suhlt sich "Noah" zwar auch darin, wichtigtuerische (Hollywood-)Phrasen auf existenzielle Lebensprobleme zu geben (hier in zwei finsteren Arschloch-Anführerpersönlichkeiten versteckt). Allerdings ist man zeitweise gepackt von dieser praktisch komplett am Rechner entstandenen Fantasy-Interpretation und Terrence-Malick-Gedächtnisstütze religiösen Budenzaubers. "Noah" drängt sich nicht auf wie "Requiem for a Dream", sehnt sich nach keiner prätentiös-peinlichen Sinnlichkeit wie "The Fountain" und plündert auch nicht derart stümperhaft im Filmgeschichtewissen wie "Black Swan". Als universeller Film, der Werte verkauft, die sowohl Ungläubige wie Gläubige bequem über Popcorn und Stieleis mit dem Cola-Strohhalm in sich aufsaugen können, geht Aronofsky den denkbar konsenstauglichsten Weg, ohne in einer wirbelnden Montage kunstversessen zu polarisieren. Denn "Noah" ist eine Aronofsky-Arbeit, die zwischen grobschlächtigem Studioentertainment und kunstgewerblich aufgetragener Arthouse-Rustikalität taumelt. Folglich sind einige Stilmittel, die der Amerikaner bemüht, formal bemerkenswert (die Entwicklungszeitraffer und alptraumhaften Visionen), andere hingegen entweder auf Anfang gestellt oder ausgeleiert: Russel Crowe gibt den archaischen Wunderknaben gewohntermaßen aus dem Effeff, während sein Familienzwist alle Retortenwendungen abklappert, aber vergnüglicherweise einen Anthony Hopkins auf Fremdscham-Trashmodus (Lieblingsessen: Beeren) bereithält. Aronofsky ärgert nicht, er langweilt diesmal nur gigantisch. Esoterik-Ernsthaftigkeit mit Zero-Zucker.
4 | 10