Niedersächsische Musiktage 2012 - grandioser Auftakt in Duderstadt: zweiterTeil

Niedersächsische Musiktage 2012 - grandioser Auftakt in Duderstadt: zweiter Teil

Der Auftakt in Duderstadt war grandios, ein Ausrufezeichen! Wenn Sie ihn verpasst haben, dann haben Sie zwar etwas verpasst, aber von den Niedersächsischen Musiktagen 2012 können Sie noch viel mitbekommen, da haben Sie noch lange nicht alles verpasst: Bis zum 30. September finden die meisten der 65 Veranstaltungen zum Thema "Freiheit" noch statt, verteilt im ganzen Land, manchmal an den ungewöhnlichsten Orten. 

Zurück zum Eröffnungswochenende in Duderstadt - ich hatte "das Pferd vom Schwanze aufgezäumt" und auf die letzte Veranstaltung am Sonntag (bei der ich nicht dabei sein konnte) vorausgewiesen.

Am Samstag konnte ich aber rundum teilnehmen, deshalb jetzt der zweite Teil, mein Nachbericht.

Es begann gegen 15 Uhr im Grenzlandmuseum Eichsfeld im Vorort Teistungen am ehemaligen Grenzübergang Duderstadt-Worbis - mit einem der ungewöhnlichsten "Konzerte", das ich jemals gehört habe: man muss es wohl eher als Aktionskunst einordnen. Der Aktionskünstler Rochus Aust und Schüler des Eichsfeld-Gymnasiums haben die Ausstellungsräume besetzt und "mit visueller Raummusik" neu erfunden.* Schon das Einweisen der Autos in die Parkplätze hatte seine besondere Prägung - rigide Trillerpfiffe und Winkbewegungen, die Fahrerin, der Fahrer wurde mit Entscheidungsfragen konfrontiert, deren Folgen nicht abzusehen waren (sind Sie bereit, jemanden mitzunehmen?) und bekam Zuordnungskarten, bei denen der Grad der Unfreiheit nicht abzuschätzen war (Sie haben die und die Infektionskrankheit). Das Auto wurde mit Beschallungsgeräten durchgeprüft - die erste Begegnung mit "Musik".

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Alle Teilnehmer wurden in Gruppen eingeteilt und von einem Fähnleinführer (Schülerin oder Schüler: früh lernt sich die Freiheit, Befehle erteilen zu dürfen) weitergeleitet und immer wieder zu zügiger Eile angetrieben. In den einzelnen Räumen des Museums fanden die verschiedensten "musikalischen" Aktionen statt - ich kann hier nur Beispiele nennen.

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Im ersten Raum bewegten sich junge Menschen auf einer Galerie vor der Scheibe (mit Blick in die freie Grenzlandschaft) und erzeugten mit Wangen, Händen und Instrumenten (einer Trompete, die nicht geblasen wurde) Geräusche auf dem Glas. In einem anderen Raum in absoluter Stille (wir wurden zur Ruhe ermahnt) standen viel zu kleine Käfige mit Kanarienvögeln, die Vögel gut genährt und etwas schläfrig, ab und zu zu Zwitscherlauten bereit (als Biologe fiel es mir außerordentlich schwer, selber nicht zu zwitschern, mit den Vögeln in eine Art Dialog einzutreten, ich musste sehr an mich halten und fühlte mich keineswegs frei - diese Aktion war für mich persönlich besonders eindrucksvoll, obwohl der Schmerz der Unfreiheit hier eher ins Symbolhafte verlagert war). In einem weiteren Raum saßen in den Ecken Menschen, deren Köpfe wie vor der Hinrichtung mit einer Kapuze bedeckt waren; im Wechsel oder gemeinsam sprachen sie Texte, die das Sein des Menschen beleuchteten. Nur einige Beispiele, wie gesagt; viele Facetten der Freiheit kamen vor - viele Fragen wurden aufgeworfen, deren Antwort der Einzelne finden musste. Wie frei kann ich sein, wenn ich Anweisungen bekomme? Wie frei ist der Mensch "im Käfig" und unter Todes- und Folterbedrohung? Was muss ich ertragen von dem, was ich nicht wirklich will? Wo sind die Grenzen der Menschwürde? Was mache ich, wenn ich "in Schubladen" eingeordnet bin? Welche Antworten darf ich geben, wenn ich mit (Test-)Fragen überhäuft werde? ... um auch hier nur wieder einige Beispiele zu nennen. Die ganze Aktion war außerordentlich anregend und bis ins Tiefste eindrucksvoll (wenn man bereit war, sich berühren zu lassen).

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Am Schluss wurden alle Gruppen zusammengefasst und "durften" einen Spaziergang entlang der ehemaligen Grenze mitmachen, immer wieder mit Anweisungen konfrontiert ("jetzt denken Sie an Ihren Großvater und schauen alle nach rechts"), bis schließlich oben ein Ballonplatz erreicht war - der Aufstieg des Fesselballons in den wundersamen Himmel (das Wetter war hervorragend und von wechselnden Wolken gestaltet) über einer großartigen offenen Landschaft war der überraschende Höhepunkt der Aktion.

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 Der Tag des Auftakts war damit noch lange nicht zu Ende - der Bericht wird fortgesetzt.

Text und Fotos: Dr. Helge Mücke, Hannover (*nach einem der Ankündigungstexte des Veranstalters)

 

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