Nicht zum Fürchten

Nicht zum Fürchten

Sleigh Bells „Reign Of Terror“ (Zomba)
Neues von der Band mit dem irreführendesten Namen seit die Birthday Party ausgefeiert hat. Die Sleigh Bells aus – na? – richtig: Brooklyn haben mit „Reign Of Terror“ ihr zweites Album vorgelegt und machen damit weltauf, weltab die ganz große Welle. Erstaunlicherweise tun sie dies nicht in einschlägigen Nischenmagazinen, sondern z.B. im Feuilleton der großen, alten New York Times, ein Zeichen dafür, dass die Zeiten solcher Krachmucke längst noch nicht vorbei sind und mit Schmollmund, Lederjacke und angeschlagenem Maschinengewehr noch so mancher Redakteur aus dem Licht seiner Tolomeo zu locken ist. Jugendkultur! Da geht was! Bei näherem Hinhören hat sich im Vergleich zum Vorgänger „Treats“ aus dem Jahr 2010 nicht so richtig vielt verändert, Alexis Krauss (die mit dem Maschinengewehr) und Derek Miller verfertigen immer noch hochexplosive Musik die so klingt, als würde eine Festplatte bei vollem Lauf formatiert und gleichzeitig geschreddert werden. Angst muss man davor allerdings nicht mehr haben, das Schema ist bekannt, wenn auch etwas weniger reizvoll als noch vor zwei Jahren. Agressive Gitarrensamples und böse wummernde Beats fast über die komplette Länge, dazu Krauss‘ gedoppelte Stimme und ab und an ein wenig kreischendes Cheerleadergebrüll – gelungen bei „Bomb To Lose“, besser noch für „Crush“ und „Demons“. Luft holen darf man auch zwischendrin, in diesen leichteren Momenten („End Of The Line“, „Road To Hell“) klingen die zwei wie eine verschärfte Variante der Raveonettes. Dass Miller nach eigener Auskunft Damen wie Cyndie Lauper und Belinda Carlisle bewundert, wirkt nur auf den ersten Blick verwunderlich – im Grunde machen die Sleigh Bells nichts anderes, nur eben gnadenlos überdreht und hochgepitcht. Wenn man sie dann, wie in der New York Times, auf einem Foto vor einer „wall of Marshall stacks“ stehen sieht, er im grungigen Farmerhemd, sie in pinkfarbenen Hotpants, zwischendrin das unvermeidliche Sternenbanner, wirken sie fast ein wenig niedlich. Mal schauen, wie lange sie mit der Masche noch landen können.