Nicht gerührt und keinesfalls geschüttelt: Schottlands Lebenswasser zum selber Mischen

Glengoyne Whisky Destillerie in Dumgoyne bei Glasgow

Glengoyne Whisky Destillerie 

Glengoyne. „Schließe Deine Augen und stelle Dir eine Destillerie vor“, fordert mich der Werbefilm im Eingang der Glengoyne Distillery auf. „Jetzt öffne sie. Sieh Dich um.“ Es hat funktioniert: Ein blütenweißes, 180 Jahre altes Haus kuschelt sich an einen bewaldeten Berg, aus dem ein Wasserfall in einen dunklen See sprudelt. Es duftet nach Holz und torfigem Wasser. Auf den saftig grünen Hügeln drum herum grasen Schafe. Eine schmale Landstraße schlängelt sich durch das Tal.

Glengoyne Whisky Destillerie in Dumgoyne bei Glasgow: Besucher mischen ihren eigenen Whisky, 23.5.2016, Foto: Robert B. Fishman

Besucher mischen ihren eigenen Whisky, 23.5.2016, Foto: Robert B. Fishman

Zu kitschig? Ok. Versuchen wir es mit Katie. Die 19jährige mit dem fröhlichen, runden Gesicht unter den blonden Haaren begrüßt mich mit einem Glas zwölf Jahre alten Whisky, das sie mir auf einem Silbertablett serviert. Sie kann nicht wissen, dass ich schon einige Destillerien besichtigt habe, Schottland besonders gerne mag, aber das heilige Wasser seiner Bewohner nur mit Mühe hinunter bekomme. Weil ich ein guter Gast bin und Katies Lächeln nicht widerstehen kann, stecke ich tapfer meine Nase ins Glas, staune über den sanften Geruch, nehme einen Schluck: Es schmeckt nach Eichenholz, mildem Öl und irgend etwas wie kirsch-orangig – erstaunlich lecker.

Gehen wir los. Unterwegs zwischen spanischen Eichen- und nordamerikanischen Pinienholzfässern – ich erfahre, dass das Holz der Fässer den späteren Geschmack des Whiskys prägt -, Malz, Gerste und Gärtanks erzählt mir Katie von ihrem PR-Studium, einem Praktikum in Deutschland und dass sie hier in Glengoyne ihren „best job ever“ gefunden habe: „Ich lerne Menschen aus der ganzen Welt kennen. Jeder Tag ist anders. Das fühlt sich nicht wie Arbeit an.“

Die gibt sie am Ende der Tour mir. Auf einem Tisch warten: ein Dutzend Apothekerfläschchen, einige Wasser- und Whiskygläser, ein Zettel mit verschiedenen Spalten, ein Bleistift und fünf Reagenzgläser gefüllt mit weiteren Whiskyproben: „Refill remade Hogshead vom 29. September 1997 mit einer Nase von Ananaswürfeln, Tropen, Zitronenöl, Zitrus und Süssem“, informiert mich das Worksheet, der Arbeitszettel über Probe 1. Sie schmecke nach „Zitrone, mit einem süssen Einstieg, dann trocken mit einem pfefferig-warmen Abgang“. Es folgt Glas 2, in deren Nase man, Banane und Tropenfrüchten einen Hauch Holzkohle spüre. Probe 5 schliesslich, mit 58% Alkohol, abgefüllt am 2. Juli 1998 in Fass Nummer 1916 verspricht „eine Nase von warmen Erdbeeren, Rum, Traubeneis und roten Äpfeln“, dazu einen „Geschmack von Trauben, weicher Eiche, gedämpften Früchten und Tannin“.

Glengoyne Whisky Destillerie in Dumgoyne bei Glasgow: Besucher mischen ihren eigenen Whisky, 23.5.2016, Foto: Robert B. Fishman

Glengoyne Whisky , Foto: Robert B. Fishman

„Lerne, Deinen eigenen Whisky zu mischen“, wirbt die Destillery und bietet hier  – landesweit einmalig – einen Einführungskurs ins Blending an. „Beginne mit zwei Proben“, rät mir Katie angesichts meines orientierungslosen Blicks inmitten dieser Vielfalt. Jeweils zehn Milliliter fülle ich wie empfohlen in eines der bereitgestellten Gläser, nehme einen Schluck und schaue sie fragend an. Nach einigen weiteren Mischversuchen bin ich zu betrunken, um das eine noch vom anderen zu unterscheiden.

Jetzt hilft mir nur noch die Flucht nach vorne: „Am besten fand ich den Whisky, den ihr mir am Eingang zum Probieren gegeben habt“, melde ich kleinlaut. „Na gut, dann bekommst Du den“, erwidert Katie und entlässt mich aus dem Versuchslabor. Ihr hat es in Deutschland gut gefallen. Dennoch ist sie froh, zurück in Schottland zu sein. „Hier sind die Leute doch entspannter.“ Stimmt.

http://www.glengoyne.com/

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