Nicht das System wird reformiert, sondern der Patient

Das Gesundheitswesen ist intakt, es funktioniert einwandfrei - wäre da nur nicht der Patient! Er ist das eigentliche Problem, der Haken an der Sache, er hemmt und stört, ist der Saboteur eines Systems, das im Leerlauf geradezu erstaunliche Erfolge zeitigen würde. Gesundheitsreform bedeutet daher zuallererst, diesen alles durcheinander bringenden Störenfried und Eindringling bestmöglich fernzuhalten. Deswegen sei es Aufgabe des Patienten, nicht mehr Aggressor zu sein, sondern Verantwortungsträger. Oder anders formuliert: der Patient soll nicht mehr nur genesen, er soll sich als verantwortungsvoll erweisen. Pflichtgefühl vor Gesundung - man muß schließlich Prioritäten setzen! Prioritäten und neue Praxisgebühren, die denjenigen bestrafen, der häufiger erkrankt.
Von wegen krank! Der Patient, er ist gar nicht Kranker - nicht in Zeiten, in denen mit gesundheitsreformatorischem Eifer nach Schuldigen für explodierende Gesundheitskosten geforscht wird. Nein, ich solchen Tagen in der Patient ein eingebildeter Kranker, ein Gesunder, der sich nur noch gesünder fühlen möchte, daher zum Arzt stiefelt - Besucher von Arztpraxen sind Nimmersatte! Im schönen Schweden, argumentiert man, da gingen die Leute viel weniger zum Arzt; im schönen Schweden sind die Leute trotzdem gesünder; im schönen Schweden leben diese Leute sogar noch länger. Ein gelobtes, vielgelobtes Land! Bauchschmerzen, Erkältung - muss da wirklich jedes Mal der Spezialist ran? Nein, man kann das alles ertragen - zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl. Man muß freilich nicht gleich zum Arzt, was soviel heißt wie: man muß es eigentlich schon.

Denn was machen erkrankte Arbeitnehmer, wenn sie zwar einerseits nicht zum Arzt gehen sollen, gleichzeitig aber nicht arbeitsfähig sind? Sie werden dazu gezwungen zum Arzt zu gehen, gleichwohl man sie im Rahmen ihrer Verantwortung zwingt, dort eben nicht zu erscheinen. Auch daher weht der Wind, auch das ist mit der Strenge und Hartherzigkeit gegen das eigene Unwohlsein gemeint: Bauschmerzen, Erkältung - muss man da wirklich jedes Mal krankgeschrieben werden? Kann man sich denn da nicht mal zusammennehmen und ein ganzer Kerl sein? Wenn schon für sich selbst nicht, dann wenigstens für die Gesellschaft - Kranker, zeig Verantwortung und verantworte keine Fehlzeiten! Und hemme nicht das tüchtige Gesundheitswesen mit deiner Anwesenheit - deiner Anwesenheit in einer Arztpraxis, denn bei deinem Arbeitgeber darfst du ja ruhigen Gewissens anwesend sein. Es ist ja nicht so, dass man deine Anwesenheit verschmäht, dass man dich als störend empfindet - man schätzt deine Anwesenheit durchaus, wenn du auch dort anwesend bist, wo es der Gesellschaft nützlich erscheint.
Die Schweden sind da weiter, sie gehen nicht alle naslang zum Arzt - und sie sind gesünder, leben länger. Ohne Arzt lebt man gesünder! Vielleicht liegt es auch am gesellschaftlichen Klima Skandinaviens, möglich, dass es dort beschaulicher, übersichtlicher, weniger mit Speichel in den Mundwinkeln zugeht - es kann gut sein, dass die Schweden seltener in Wartezimmern hocken, weil ein einigermaßen menschliches Lebensumfeld Gesundheit begünstigt. In Deutschland steigt die Zahl psychischer Erkrankungen auch deshalb auf Rekordstand, weil eine Atmosphäre aus Angst und Hass vorherrscht. Mag sein, dass die Schweden daher verantwortungsvollere Patienten oder seltenere Patienten sind, weil sie in einem weniger gefühlstauben und feindseligen Klima heranwachsen. Wenn sie aber krank sind, davon muß man ausgehen, empfiehlt ihnen niemand, den Arzt nicht aufzusuchen - bei ganzen drei Arztbesuchen im jährlichen Durchschnitt, wäre ein so dreister Ratschlag unvermeidlich mit dem finanziellen Bankrott des dortigen Ärztestandes verbunden.
Anstelle von störenden Patienten zu schwafeln, ihnen weitere Unkosten aufzubürden, sie für Krankheit zu bestrafen, könnte man ja auch dazu übergehen, ein freundlicheres, wohnlicheres Umfeld zu entwerfen. Statt neuer Praxisgebühren, eine neue gesellschaftliche Ausrichtung - statt Angst haben zu müssen, weil eine Krankheit Löcher in die klamme Haushaltskasse reißt, die Angst um Arbeitsplatz und Zukunft drosseln! Das wäre ein Ansatz, ein radikaler, an die Wurzel gehender, sicherlich aber erfolgsversprechender Ansatz! Freilich käme er uns teuer zu stehen, denn wir müssten uns von liebgewonnenen Einsichten wie Wer mehr zahlt, wer arbeitet soll es besser haben! oder den fundamentalistischen Auslegungen des Leistungsprinzips, trennen. Wirklich eine fast unbezahlbare Reform des Gesundheitswesens - am Ende käme es uns allerdings billiger.
Ohne Angst leben, fragt sich da mancher, dem die Furcht der Massen gerade recht kommt, wie soll man denn da einen Staat machen? Da doch lieber höhere Praxisgebühren, die erhöhen nebenbei auch die zum Regieren und Ausbeuten dringlich benötigte Angst nochmals beträchtlich. Und hernach fragt ohnehin niemand mehr nach, ob denn die gedrosselten Arztbesucherzahlen deshalb zustandekamen, weil die Bevölkerung plötzlich gesünder wurde oder weil der Kranke auf Distanz gehalten wurde. Was zählt ist, dass das Gesundheitswesen funktioniert - auch ohne Patienten, wenn nötig. Eine Gesundheitsreform ist deshalb abgeblasen - was ansteht ist die Reformierung des Patienten, der nach durchstandener Innovation kein Patient mehr zu sein braucht.

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