Nicht alles glitzert

Von Dani W.

Kein anderer Zeitpunkt im Jahr ist so dunkel wie der Übergang vom Herbst in den Winter. Zu keinem anderen Zeitpunkt sind meine Gedanken schwärzer als zwischen den Jahren.

Erschreckend ist es immer wieder für mich, wie vorhersehbar diese Zeit ist und das man sich trotzdem kaum darauf vorbereiten, geschweige denn was dagegen unternehmen kann. Nach wie vor gibt es genau zu diesem Zeitpunkt die meisten psychischen Neuerkrankungen und auch leider die meisten Suizide. Wieso das so ist?

Das Jahr ist fast vorbei. Man lässt es Revue passieren. Man denkt darüber nach was man nicht geleistet hat. Man denkt darüber nach welche Chancen man verpasst hat, was man alles falsch gemacht hat. Was man hätte besser machen können.


Mit dem Wechsel der Jahre, ist es so, als ob man wieder ein Jahr verloren hat und einem der Kalender den Stinkefinger zeigt und sagt: Siehste, wieder versagt!

Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit, der Familie und der Ruhe. Ich brenne dafür, schöne Kleinigkeiten für meine Lieben zu suchen. Mir Christkindlmärkte anzuschauen und alles schön zu dekorieren und Weihnachtsplätzchen zu backen. Niemand verlangt das alles, es ist eben einfach so. Ich zwinge mich auch zu nichts, sondern mache das gerne aber die schwarzen Gedanken begleiten mich trotzdem. Ich könnte mich selber ohrfeigen, dass ein ganzer wunderbarer Tag durch 10 Minuten grübeln fast zunichte gemacht ist. So sehr ich dieses Jahr versucht habe, das Leben mit all seinen wunderbaren Facetten zu sehen, so schnell wirft mich jetzt etwas aus der Bahn, was nicht mal der Rede wert ist.

Ein falsches Wort von jemandem, ein „Nein Mama, ich will zu Papa" treibt mir schon die Tränen in die Augen. Mein Herz hat Stress. Stress den ich im Kopf eigentlich nicht habe. Mein Verstand weiss, es ist alles prima und doch breiten sich diese schwarzen Nebel aus und verpesten alles in meinem Inneren.

Es ist schwer zu erklären für Menschen, die dieses Gefühl kaum bis gar nicht kennen. Man sieht auch nach aussen ganz normal aus und wird nur mal als schlecht gelaunt abgetan. Der Kampf den man aber immer und immer wieder in sich austrägt, ist ermüdend. Er zehrt an den Kräften. Ich stehe morgens auf und kämpfe dafür, nicht aufzugeben. Ich gebe nicht auf. Ich klammere mich an Kleinigkeiten. Der Prinz lächelt mich an, das rettet mich für mindestens eine Stunde. Ich ziehe mich an und kurz sagt mein Spiegelbild, Du packst das und ich glaube ihm und habe wieder eine Stunde mindestens.

Es ist unglaublich schwer mit sich selbst im Reinen zu sein. Man will positiv denken. Man will ein Vorbild sein. Man will gut drauf sein. Man will nicht aggressiv reagieren UND DOCH MACHT MAN GENAU DAS GEGENTEIL.

Ich will nicht jammern, ich kann es gut, ich will es aber nicht. Ich will auch nicht, meine psychische Verfassung als Entschuldigung für mein schlechtes Benehmen nehmen aber es auszusprechen, dass auch in der schönsten Zeit des Jahres, eben nicht alles glitzert, das tut mir gut. Es nimmt mir ein bisschen den Druck, meine „perfekte" Welt immer aufrechterhalten zu müssen.

Was kann man gegen die dunkle Jahreszeit tun?
  • Schokolade hilft mir immer. Abends auf der Couch liege ich eingemummelt und esse Schokolade.
  • Mit jemandem reden, der es versteht, tut gut. Unterhaltungen, die von vorneherein eine Richtung vorgeben, die einem nicht gut tut, sollte man meiden oder nichts mehr sagen. (Das fällt mir meist am schwersten)
  • Isolation ist für mich immer eine gute Lösung aber es darf nicht Überhand nehmen. Der Tagesablauf rettet mich meist, da der Prinz da ist und wir Spaß haben wollen.
  • Jeden Tag kleine Aufgaben abarbeiten. Das lenkt ab und man fühlt sich gebraucht. Man hat was geschafft.
  • Entspannung! Bei mir nach wie vor ein heisses Bad oder nähen oder schreiben. Andere finden Entspannung im Lesen oder schlafen.
  • Apropo, viel Schlafen. Im Schlaf kann man verarbeiten, den Körper und Geist wieder zu Kräften kommen lassen.
  • Die schönen Dinge immer wieder hervorholen, immer wieder dran denken und wie ein Ziehtierchen, durch den Tag ziehen.

Ich habe erst gestern von der wunderbaren Perlenmama einen Beitrag über ihre psychische Erkrankung gelesen und ich finde es so toll, dass wir uns nicht dafür schämen. Es gehört zu uns und niemand möchte Mitleid sondern Akzeptanz und ein wenig Verständnis.

Dieser Monat ist voll von herzlichen und positiven Beiträgen und das möchte ich auch gar nicht zerstören. Ich möchte auch niemandem der diese Zeit einfach nur genießt, etwas madig reden. Ganz im Gegenteil, genießt es. Liebt, lebt und seid glücklich. Das sage ich mir auch jeden Tag und es liegt in meiner Hand.

Ich brauche nur die doppelte Portion Glitzer. Wie geht ihr damit um? 

Eure Glucke


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