Netatmo Wetterstation – Besser als der Blick aus dem Fenster

Erstellt am 21. Dezember 2014 von Maltekir @maltekir
Eine Wetterstation fürs Smartphone - das klingt zunächst wie ein Widerspruch, denn eigentlich kann ja jedes Smartphone das aktuelle Wetter anzeigen. Apple, Google und Microsoft haben entsprechend vorgesorgt. Und in den verschiedenen App Stores tummeln sich Dutzende, ja hunderte von kostenlosen und kostenpflichtigen Alternativen. Warum also für eine dreistellige Summe selbst investieren?

Doch aufmerksame Beobachter des Wetters wissen die Antwort: Kein Wetterbericht ist präzise wie der Blick aus dem eigenen Fenster. Und mit der Netatmo Wetterstation wird dieser Blick noch besser und präziser. Ich habe die Station zwei Wochen lang für wasgehtApp.com unter die Lupe genommen.

Das Basisset besteht aus zwei unterschiedlich großen Aluminiumzylindern und einem Stromkabel. Der größere Zylinder, die Basisstation, wird im Haus platziert und mit dem Stromnetz verbunden. Der kleinere Zylinder wird außen aufgestellt. Er ist per Funk mit der Basis in Kontakt und wird von zwei AAA-Batterien betrieben, die wettersicher im Inneren mit Schrauben versiegelt werden. Sie sollen bis zu einem Jahr ausdauern. Mit einem mitgelieferten Band kann der Sender beispielsweise auch an einen Pfahl per Klettverschluss befestigt oder per Schraube angedübelt werden. Entscheidend ist, dass dieser Sender trocken und im Schatten aufgestellt wird. Ein geeigneter Standort sollte idealerweise vor dem Kauf ausgesucht werden. Die Reichweite beträgt laut Hersteller 100 Meter. In unserem Test zeigte sich, dass Häuserwände die Reichweite verringern können.

Durch das Aludesign sehen die Sensoren sehr modern und stylisch aus. Gerade die Basisstation innen macht schon etwas her. Bei der Außenstation wären kleinere Maße jedoch zweckmäßiger gewesen, zumal den Sender ohnehin die wenigsten sehen werden, da ein regensicherer Schattenstandort meist auch nicht gut einsehbar ist.

Die Station erlaubt neben dem Blick auch die Kontrolle des Raumklimas: Innen misst die Netatmo Wetterstation neben der Temperatur außerdem Luftdruck, die Luftfeuchtigkeit, die Lautstärke und den Kohlendioxid- Anteil in der Luft. Außen werden Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Schadstoffgehalt der Luft bestimmt. Wie ernst man die Schadstoffanzeige nehmen darf, ist schwer zu sagen. Vor allem fehlte eine Erläuterung, was "pm10″ eigentlich ist (die Antwort: Feinstaub). Dass dieser bei meinem Test in geringer Konzentration vorlag, passte zum regnerischen Wetter, das den Schadstoff aus der Luft spült, aber auch dazu, dass die Luft an der Nordsee gemeinhin etwas besser ist.

Die Ersteinrichtung der Station ist leicht: Per Knopfdruck auf der Station kann mittels Bluetooth über die kostenlose App für iOS, Android oder Windows Phone über das Smartphone eine Verbindung hergestellt werden. Hierbei kann unter anderem auch ein Funknetzwerk eingestellt werden, über das die Station eine Verbindung zum Internet erhält. Der kurze Draht ist ein Muss, da die Station ihre Messdaten in der Cloud speichert. Dies freut den Anwender, weil er so über das Smartphone und eine Internetseite von überall auf seine Messdaten zugreifen kann. Die Daten können auch als Verlaufskurve angezeigt werden, um die Entwicklung zu begutachten. Dort wird auch ein Wetterbericht angezeigt.

Einigen dürfte es aber eher weniger schmecken, dass Netatmo Temperatur, Außenluftfeuchtigkeit und Luftdruck ungefragt mitsamt Standort auf einer Google Maps-Karte ins Netz stellt. Dies ist zwar schön, um Messdaten benachbarter Stationen mit der eigenen zu vergleichen, kommt aber ziemlich unvermittelt. Die Sache mit dem Internet sollte einem aber noch aus einem anderen Grunde zu denken geben: Sollte Netatmo seine Serverdienste irgendwann einmal einstellen, stellt sich die Frage, wie es für die Gerätebesitzer weitergeht.

Im Moment ist das freilich kein Thema. Wer möchte, kann sich über Pushnachrichten über besondere Ereignisse informieren lassen. Dazu zählten in meinem Test das Erreichen der Frostgrenze oder ein hoher Kohlendioxid-Anteil in der Zimmerluft, was zum Lüften ermuntern soll. Wünschenswert wären hier mehr Einstellmöglichkeiten gewesen.

Wem das Basisset nicht genug ist, der kann gegen Aufpreis die Basisstation um weitere Module erweitern. Neben per Funk angebundenen Innensensoren für weitere Räume dürfte hierbei vor allem der Niederschlagsmesser von Interesse sein. Die Investition lohnt sich, denn gerade in diesen Punkten unterscheidet sich eine Wetterstation von den gängigen Wetterapps: Die exakte Niederschlagsmenge vor der eigenen Haustür oder das Raumklima im eigenen Haus oder der Wohnung erfassen sie nicht. Übrigens kann die Netatmo Wetterstation auch über Dritt-Apps angesteuert werden. Hierfür sah ich allerdings im Test keinen Bedarf, weil mir die kostenlose Netatmo-App ausreichend erschien.

Das elegante Aluminiumdesign und die vielen Funktionen haben ihren Preis: Mit 169 Euro ist die Netatmo Wetterstation schon eine Premium-Lösung. Die Zusatzmodule und der Regenmesser kosten jeweils 69 Euro. Dafür gibt es eine Station, deren Display der Besitzer immer bei sich trägt. Und die Trennung zwischen Datenerfassung und Anzeige hat den Vorteil, dass auch weitere Personen im Haushalt die Station auf ihren Geräten mitnutzen können.

Eine schöne Ergänzung zum Blick aus dem Fenster.

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