Nebenjobs: Notwendigkeit oder Konsumlust?

Von Ecocens @EcoCens

Immer mehr Menschen in Deutschland haben einen Zweitjob. Davon profitieren hauptsächlich jene Branchen, welche nur geringe Stundenlöhne bezahlen und auf flexible Arbeitskräfte bauen. Doch die Ursachen für den Anstieg sind unklar.

Ganze 2,66 Millionen Menschen in Deutschland übten Ende 2012 offiziell einen Nebenjob aus. Mit einem Anstieg um fast 60.000 Personen im Vergleich zum Dezember 2011 bedeutet dies einen neuen Rekord. Damit hatten ganze 9,12% aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten neben ihrem Hauptberuf noch ein Beschäftigungsverhältnis. Oftmals auf Minijob-Basis, um sich so bis zu 450 Euro – steuerfrei – dazuverdienen zu können.

Trotz Niedriglöhne Vorteile

Diese Minijobs haben für Arbeitgeber und Arbeitnehmer Vorteile: Während der Arbeitgeber lediglich eine Pauschale von 30% für die Sozialversicherung bezahlen muss, sind die Arbeitnehmer von Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen befreit. Damit sind selbst die oftmals sehr niedrigen Stundenlöhne ein netter Zusatzverdienst.

Mit jeweils knapp 300.000 Beschäftigten auf Minijob-Basis sind hierbei das Gastgewerbe, das Gesundheits- und Sozialwesen, sowie der Einzelhandel die führenden Branchen. Gerade in diesen Dienstleistungsbereichen werden besonders dann Mitarbeiter benötigt, wenn die meisten anderen Menschen frei haben. Das hilft auch jenen Menschen, die einen Nebenjob brauchen, weil entweder die reguläre Arbeit kein Einkommen zum Auskommen bietet, oder die zusätzlichen Einkünfte für Extraanschaffungen oder den Urlaub verwendet werden.

Unterschiedliche Ansichten zu den Ursachen

Während vor allem die Gewerkschaften und die politische Linke zu niedrige Einkommen aus den regulären Beschäftigungsverhältnissen als Hauptursache der steigenden Zahl an Minijobbern vermuten, gehen Regierungskreise eher von einer »gestiegenen Konsumlust« der Menschen aus. Eine weitere Ursache könnte auch darin gesehen werden, dass vor allem die Zahl der Teilzeitarbeitskräfte stark angestiegen ist, und viele Teilzeitarbeiter versuchen, mit den Minijobs zumindest annähernd auf das Einkommen eines Vollzeitjobs zu kommen.

Nach Umfragen würden rund 16 Prozent der Teilzeitbeschäftigten gerne länger arbeiten. Wenn dies in dem sozialversicherungspflichtigen Hauptjob nicht möglich ist, dürften wohl viele von ihnen auf einen Minijob zurückgreifen. Mit rund 600.000 Menschen hat auch ein großer Teil der rund 1,3 Millionen Hartz-IV-Aufstocker hat einen Minijob. Hinzu kommt, dass die Zahl jener Menschen die ausschließlich einen Minijob haben in den letzten drei Jahren zurückging, während die Zahl der Minijobber als Zweitbeschäftigung deutlich zunahm.

Spitzenverdiener mit mehreren Jobs

Wenn man eine Studie machen würde, welche Berufsgruppe (Hauptberuf) wohl prozentual die meisten Personen mit zwei oder mehreren Jobs hat, welche würde das wohl sein? Mein Tipp: die Politiker. Immerhin gibt es kaum einen Politiker vom einfachen Gemeinderat bis hoch zum Bundestagsabgeordneten, welcher nicht einen oder gar mehrere Nebenjobs hat. Und das, obwohl sie eigentlich schon mit ihrer Aufgabe als Volksvertreter voll ausgelastet sein müssten, und rein aus finanzieller Hinsicht – zumindest bei größeren Städten, den Ländern und auf Bundesebene – eigentlich gar kein weiteres Einkommen benötigen würden.

Wenn die Sprecherin des Bundesarbeitsministerium in Sachen Nebeneinkommen von »Konsumlust« als Hauptbeweggrund spricht, dürfte sie dabei wohl einen Großteil der Politiker gemeint haben. Bei den meisten Menschen die sich einen zweiten Job suchen, dürfte es nämlich eher darum gehen, auch mal Geld am Ende des Monats übrig zu haben, anstatt um den umgekehrten Fall.