Neben Idioten sehen Idioten richtig gut aus

Ich kann verstehen, dass die Ohnmacht, die diese Alternativlosigkeit konzipiert zur Destruktivität führt. Zu Gewaltbereitschaft und zu einer Art Hedonismus, der sich an der Zerstörung labt. Ich verstehe, dass die Wut zu Kopf steigt und dort Denkmodi freisetzt, die Fäuste ballen oder Steine werfen lässt. Ich kann nachvollziehen, dass die Machtlosigkeit in den neoliberalen Weltenläuften Aggression gebiert. Wie oft bin ich wütend und wie oft möchte ich einfach nur dreinschlagen!

Neben Idioten sehen Idioten richtig gut aus

Reuters

Man kann die Motive, den Antrieb dahinter verstehen. Gerade wenn man aus einem Milieu kommt, das gegen diesen Weltentwurf aufbegehrt. Es gibt ja immer nachvollziehbare Argumente und Beweggründe. Und man darf sie nicht einfach ausblenden. Aber um Himmels Willen, glauben diese Leute wirklich, das EZB-Regime und die Despotie des Neoliberalismus ließen sich mit dieser Methode irgendwie aufhalten. Glauben sie, die wären davon auch nur im geringsten beeindruckt? Wenn sie das glauben, dann sind sie doch das, was ich ihnen nicht unterstellen wollte obgleich ihres Benehmens. Dann sind sie doch dumm, kurzsichtig und leben in einer Traumwelt.

Der Polizei kann man nicht alles in die Schuhe schieben. Sie deeskalierte nicht. Fachte an. Schlug ordentlich auf Leute ein, die schon hilflos am Boden lagen. Augenzeugenberichte bestätigten das. Kein Wunder, wenn selbst Politiker via Twitter Rechtfertigungen für Polizeigewalt finden. Trotz dieses eklatanten Missstandes, der einem Rechtsstaat nicht gerecht wird, es gab ja durchaus auch brutale EZB-Gegner, Schläger im Namen der politischen Alternative und linke Typen, die es ordentlich krachen ließen. Und diese Leute machen nicht Werbung für eine alternative Ökonomie, die sich irgendwie attraktiv in Szene setzen könnte neben der neoliberalen Ordnung. Sie unterstreichen damit nur, dass es keine Alternative zu geben scheint. Denn wenn Steine, brennende Autos und Prügel das einzige sind, was man als Argument anbringen kann, dann kann es mit einer neuen Ordnung nicht so weit her sein.

Je dumpfer sich diese Leute auf die Gewalt einlassen, sei sie gezielt und durch die Ordnungskräfte provoziert, desto mehr sieht es für die Menschen da draußen so aus, als ob die EZB und ihre Krisen- und Austeritätsökonomie das Maß der Vernunft sind. Neben Idioten sehen Idioten manchmal richtig fesch aus. Neben Leuten, die keine Argumente zu haben scheinen, sehen Leute, die keine Argumente für ihren Kurs haben, beinahe wie Leute aus, die genau wüssten, was sie da treiben.
Nein, die vergreifen sich nicht einfach nur in den Mitteln für eine eigentlich anständige Sache. Sie schaden der anständigen Sache. Eine Neuausrichtung der Globalisierung, ein Kapitalismus, der reguliert und an die Leine gehört und der Menschen in den Vordergrund stellt und nicht reine Gewinninteressen, sind mit solchen Methoden niemanden schmackhaft zu machen.
Ich verstehe, dass die Polizeipräsenz und diese EZB, die sich feiert und die so tut, als mache sie das Richtige, das Gefühl der Ohnmacht verstärken. Und was soll man auch tun? Man kann friedlich demonstrieren. Nur was bringt es? Es kratzt keinen. So wenig, wie die Randale. Sie machen einfach weiter. Immer weiter. Und dann wäre da noch politische Einflussnahme? Ja, das könnte eventuell ein Mittel sein. Aber »Die Linke« wählen viele dieser Linken erst gar nicht, weil sie sagen, die Partei klebe immer noch im Kapitalismus fest. Na dann. So gibt es eben gar keinen anderen Ansatz. Alternativlosigkeit. Merkel verkündet sie. Und diese Simpel wirken mit. Als Randalierer und als solche, die politische Einflussnahme kategorisch ausschließen. Und die EZB und die Troika stehen daneben und sehen aus wie der bessere Weg. Man kann sich eben auch selbst im Weg stehen.
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