Nackter Protest gegen hohe Mieten (warum nur gegen zu hohe?)

Vorhin bin ich über eine Meldung gestolpert, in der über eine zwar nicht ganz neue, aber dafür sehr unterhaltsame Art berichtet wurde, um gegen den grassierenden Mietwucher zu protestieren: Eine Gruppe mehr oder weniger politischer Aktivisten, die sich Internationale Hedonisten nennen, machen über Lockvögel, die scheinbar an sehr schicken und entsprechend teuren Wohnungen interessiert sind, Maklertermine aus und stürmen dann die Wohnungen, um dort nackt zu mitgebrachter Musik zu tanzen. Dabei geben sie symbolisch ihr letztes Hemd für die Miethaie und zeigen gleichzeitig, dass Mietwucher echt für den Arsch ist.

Nun sind die Mieten, die man als Normalmensch so zahlen muss, ja etwas, über das ich mich schon sehr lange und leidenschaftlich aufrege. Also nicht erst, seit die Mieten selbst in der einstigen Billig-Hauptstadt Berlin so sehr gestiegen sind, dass inzwischen sogar Leute meckern, die es eigentlich ganz in Ordnung finden, dass man überhaupt Miete zahlen muss.

Es hat mir noch nie eingeleuchtet, warum ich Menschen, die ohnehin schon etwas haben, was ich nicht habe, nämlich ganze Häuser voller Wohnungen, die sie nicht selbst brauchen, dafür entschädigen muss, dass ich etwas nicht habe, nämlich Wohnraum. Ich muss, wenn ich auch einen Platz für Bett und Kühlschrank haben möchte, denen, die ohnehin schon mehr haben als sie brauchen, auch noch etwas dafür bezahlen, weil sie es gerade nicht selbst brauchen! Das ist einfach verrückt.

Das Schlimme ist, dass es sich im Grunde mit allem so verhält: Immer müssen die, die nichts haben, diejenigen, die von irgendwas zu viel haben, auch noch dafür bezahlen, – um an das zu bekommen, was sie zum Weiterleben benötigen. Auf dass die einen dann noch mehr haben und die anderen entsprechend noch weniger. Diese Perversion hat einen Namen, nämlich Kapitalismus.

Den finden viele unreflektiert irgendwie gut, weil man ja auch von klein auf lernt, dass Kapitalismus total gut ist, weil er die Leute motiviert, Geschäfte zu machen und andere abzuzocken und damit den Wohlstand für alle zu heben. Aber besonders bei den Mieten fällt inzwischen auf, dass es eigentlich nicht so toll ist, dauernd abgezockt zu werden. Denn damit hebt sich der allgemeine Wohlstand keineswegs, nur der der Vermieter halt. Miete ist besonders schlimm, denn die muss man jeden Monat blechen. Und dann ist man als Nicht-besonders-toll-Verdiener locker mal ein Drittel oder gar die Hälfte des Einkommens los. Nur damit man mal einen Platz für sich und die Lieben hat, wo man sich ein bisschen zuhause fühlen kann.

Das Gejammer über Gentrifizierung wird im Zusammenhang mit den steigenden Mieten in den angesagteren Gegenden nun auch immer lauter – aber diesen Katzenjammer mag ich gar nicht mehr hören. Es ist Quatsch, immer nur über dort die rasant steigenden Mieten zu meckern, wo man lieber selbst wohnen möchte. Warum nicht gleich richtig denken und überhaupt über die Unsitte des Mietzinses an sich jammern?

Autobahnen werden schließlich auch gebaut, um alle damit zu versorgen. Hab noch nie gehört, dass man ein Stück mieten müsste, wenn man darauf fahren will. Warum kann nicht einfach Wohnraum zur Verfügung gestellt werden, wo doch klar ist, dass die Leute welchen brauchen? Meinetwegen muss der nicht völlig kostenlos sein, dann zahlt man halt den Preis, den tatsächlich für die Nutzung anfällt – klar muss auch mal was an einem Gebäude repariert werden oder so. Aber nicht der Mercedes des Hausbesitzers. Also das schon, aber doch nicht auf meine Kosten. Warum kann nicht auch der Hausbesitzer mal eine Reparatur für mein Fahrrad zahlen, wo der eh mehr Kohle hat als ich?!



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