nackt.

Warum spricht man nicht darüber?

Am schlimmsten sind die Reaktionen der Menschen. Werde angeschaut wie eine Gestalt. Werde mit kritischem Blick betrachten. Von anderen übersehen.

Spüre die Blicke auf meiner Haut. Gehe nackt durch die Straßen, angezogen von irritierten, ängstlichen und spöttischen Blicken. Blicke die sich festhalten, sich langsam durch die Haut bohren, bis sie an ihrem Ziel angekommen sind.Das Loch. Dieses widerliche schwarze Loch im Inneren. Genährt durch genau solche Blicke und Reaktionen auf die Wahrheit. Aus diesem Grunde gibt es wenige die drüber reden. Wenige die es sich eingestehen.

Und so bin auch ich. Warum ich? Eine der häufigst gestellten Fragen denke ich. Und jedes Mal unbeantwortet.

Ich höre Yann Tiersen mit Comptine D’un Autre Ete. Musik die ins Herz geht. Töne die mir die Sprache verschlagen und mich wenigstens für drei Minuten alles vergessen lassen.

Ich kann nicht duschen. Seit Tagen. Ich kann mir nichts zu essen machen. Seit Tagen. Ich kann mir nichts zu trinken holen. Seit Tagen.

Morgens klingelt das erste mal das Telefon “ Hey Schatz, geh bitte duschen, ich ruf dich in 15 Minuten wieder an.”

Ich stehe auf, stell mich unter heißes Wasser. Sitze nass wieder vor dem Fenster. Kann mich nicht anziehen.

Das Telefon klingelt “Hast du geduscht? Gut, bitte mach dir Frühstück und trink was. Ich melde mich später”.

Ich sitze noch weitere Minuten…Stunden..unangezogen im Handtuch vor dem Fenster.

Das Telefon klingelt. “Hast du gegessen? Getrunken?…Bitte mach es dann jetzt” Der Ton wird ernster.

Und immer noch keine Bewegung. Schaff es nicht aufzustehen.

Seit Tagen…seit Wochen…jeden Tag das Gleiche.

Wer soll das schon verstehen? Es ist klar, dass auf so ein Verhalten spöttische Blicke geworfen werden.

“ Dann mach es halt einfach”. “Was ist so schwer daran zu duschen?”. “Du bist doch kein Baby mehr”.

Stimmt. Allerdings gebe ich nicht viel auf mich. In diesen Phasen am wenigsten. Habe keine Kraft etwas zu machen. Und so oft ich es wiederhole wird es niemand verstehen, der nicht selbst betroffen ist…

Und das ist das Schlimme…man sieht diese Krankheit nicht. Man wird auf Grund diese Tatsache falsch beurteilt. Abgestempelt und nicht ernst genommen.

Die Menschen wollen nicht wahrhaben, dass eine psychische Krankheit zum Tod führen kann. Ein Gedanke der oft in meinem Kopf vorhanden ist. “Einfach weg sein”.

Warum ich euch einen Auszug aus meinem Tagebuch schreibe? Ich möchte, dass die Menschen die Augen öffnen. Nur weil jemand lacht ist er nicht glücklich. Und nur weil jemand sich anders verhält ist er nicht weniger Wert oder als Außenseiter zu behandeln. Ich möchte kein Mitleid. Ich möchte gehört werden. Wahrgenommen werden.

 

Es ist jetzt 15.27 Uhr. Ich habe es heute zum ersten mal geschafft etwas zu machen. Die zweite Maschine Wäsche läuft. Ich glaube ich schaffe es heute ein bisschen aufzuräumen.

 

Vielleicht melde ich mich später noch mal. Danke an euch. Ihr gebt mir den Mut zu bloggen und die Kraft weiterzumachen. Es bedeutet mir sehr viel von euch zu hören und eure Kommentare zu lesen. Ich möchte das ihr wisst, dass ihr als meine Leser mir immer ein bisschen Licht in den Alltag bringt. Ich danke euch.


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