Nächtlicher Spuk… eine Portierung klappt reibungslos

Erstellt am 30. April 2012 von Hrgajek

Ich habe es getan. Ich habe eine Rufnummer portiert. Interessiert Sie die Geschichte? Dann lesen Sie weiter…

Im Laufe meines Berufslebens bekommt man vieles zum Testen.

Vor 2-3 Jahren erhielt ich einen Anruf, ob ich schon von “Lokalisten” und ihrer SIM-Karte “Lokalistenfon” gehört hätte, ob man mir eine Karte zum Testen schicken dürfe. Ja sicher.

Die Karte kam, ich habe mich bei Lokalisten angemeldet, meine SIM-Karte “aktiviert” und mich ein bischen auf dem dortigen Portal umgeschaut.

Fand ich irgendwie langweilig – zu offensichtlich nach dem schnellen Euro und der Mitgliedschaft in Datingportalen schielend und was weiß ich.

Also das Lokalisten-Konto gekündigt und die SIM-Karte in die Schublade gepackt, nach ein par Testverbindungen für 12 Cent die Minute, denn andere Lokalisten, mit denen ich den 2 Cent Intern Tarif hätte nutzen können, fand ich nie

Als netter Mensch habe ich eine Mailbox-Ansage mit einer aktuellen gültigen Rufnummer aufgesprochen, aber offenbar kannte meine Lokalisten Rufnummer keiner und offenbar müssen viele User ähnlich wie ich gedacht haben, denn schon vor etwa 1 Jahr wurde der Tarif eingestellt, “Bestandskunden” könnten weiter telefonieren, hieß es.

So weit so gut.

Da kam vor kurzem ein dicker Umschlag von den Lokalisten. Ein Schreiben erklärte mir mit Bedauern, daß man den Tarif abschalte, aber es bestünde kein Grund zur Panik, denn anbei liege eine nagelneue SIM-Karte von Fonic mit 10 Euro Startguthaben und wenn ich meine alte Lokalisten-Nummer zu Fonic portieren würde, gäbs 1 Monat gratis telefonieren.

Ah ja.

Also gut. Beiliegendes Portierungsformular per Post weggeschickt. Etwa 1 Woche später kam eine e-mail vom Fonic-Kundenservice, daß man meine e-mail-Anfrage erhalten habe, aber noch nicht dazu gekommen sei, sie zu bearbeiten. Welche Anfrage? Offenbar meinen sie den Portierungsbrief?

Und dann kam vor etwa 1 Woche eine SMS auf der Fonic-Karte, die mir mitteilte, daß die Portierung am 30.4. stattfinden würde, auf der Lokalisten-Karte erhielt ich nichts.

Wie lief die Portierung ab?

Am 30.4.2012 um 0.09 Uhr konnte ich die von einem unbeteiligten Anschluß angerufene Lokalisten-Karte nicht mehr erreichen, etwa zeitgleich verlor sie ihr Netz. “Diese Nummer ist uns nicht bekannt”. Die temporäre Rufnummer von Fonic lebte noch. 6 Minuten später war die Lokalisten-Rufnummer auf der Fonic-SIM-Karte angekommen. Sprich die “alte” Nummer auf der “neuen” Karte also die temporäre Fonic-Rufnummer war “nicht vergeben”.

Am 30.04. folgte gegen 8.05 Uhr die Bestätigung, daß die Portierung geklappt habe und kurz darauf der Hinweis, daß ich einen Monat lang kostenlos telefonieren könne, natürlich keine richtig teuren Sachen, wie Sonderrufnummern und auch keine Anrufe ins oder im Ausland und – obacht – auch keine SMS.

Daß die “neue” alte Nummer “scheusslicher” ist, als die temporäre, seis drum. Der kostenlose Monat soll mich darüber hinwegtrösten, daß ich jetzt generell 9 Cent für alles bezahle, während ich vorher (rein theoretisch) für 2 Cent hätte telefonieren können, wenn ich denn jemand gekannt hätte. Insofern hat sich das ganze schon gelohnt.

Wenn die Aktion rum ist, könnte ich vielleicht eine andere schicke Nummer auf die Fonic-Karte draufportieren, das würde mich dann aber einmalig 25-30 Euro kosten (Lokalisten hat mir für die Herausgabe der Nummer nichts berechnet, weil sie ja ihren Betrieb eingestellt haben) und da ich schon genügend Karten und Nummern in allen Netzen habe, sehe ich dafür noch keine Notwendigkeit.

Nichts zu kritisieren?

Natürlich gibts was zu kritisieren, aber das ist meiner Ansicht ein anbieterübergreifendes Problem. Wenn eine Rufnummer im Mobilfunk “verschwindet”, ist sie “sofort” weg und die Ansage “Rufnummer nicht bekannt”, hilft in den meisten Fällen nicht weiter. Auch der freundlich gemeinte Hinweis, die Auskunft anzurufen oder gleich weiter zu verbinden, nützt heute nichts mehr, denn für 1,99 Euro pro Minute muß man allzuoft von den freundlichen Damen und Herren der Auskunft erfahren, daß die gewünschte Person nicht bei der Auskunft eingetragen ist. Kein Wunder: Immer mehr Leute “verheimlichen” ihre Rufnummer, aus Angst von nervigen Call-Centern geplagt zu werden. Nur diese Call-Center “fischen” die Nummern auf ganz andere Art und Weise, notfalls durch brutales Durchprobieren von Rufnummernreihen.

Was ich mir wünschen würde, daß auf abgeschaltete Rufnummern eine Ansage geschaltet werden kann, wo der ehemalige Teilnehmer allen Anrufern seine neue Rufnummer mitteilt, wenn er das möchte.

Draufportieren?

o2 geht bei der Portierung einen sehr durchdachten Weg. Zunächst wird die SIM-Karte mit einer temporären Rufnummer versehen. Erst wenn alles richtig eingerichtet ist, kann eine neue Nummer darüber portiert werden, die vorherige Nummer (siehe oben) verschwindet. Ein Draufportieren ist auch bei E-Plus und seinen zig Unter-Marken schon länger möglich, Vodafone D2 und Telekom D1 haben erst in letzter Zeit herausgefunden, daß Leute, die eine Rufnummer mitbringen, möglicherweise werthaltigere Kunden sind, als Leute, die eine neue Rufnummer bekommen. Wenn Sie bei D2 oder D1 eine Nummer draufportieren möchten, ist noch viel Beharrlichkeit und Geduld gefragt, es geht, aber nicht alle Mitarbeiter wissen, daß es geht und wie es geht.

Hallo Herr Gauck?

Viele Kunden warten sehnsüchtig darauf, daß Joachim Gauck, der neue Bundespräsident das neue Telekommunikationsgesetz endlich unterschreibt. Dann ist es möglich, eine Rufnummer SOFORT “binnen eines Tages” mitzunehmen. Wie das konkret aussieht, weiß noch keiner ganz genau, vermutlich ähnlich wie beim Anmelden eines neuen Autos mit einem kurzen Code. Den würde der alte Anbieter dem Kunden in die Hand drücken, der würde ihn dem neuen Anbieter präsentieren und in dem Code stünde alles, was zur Portierung denn so wichtig ist.

Für die Branche muß das gar nicht mal soo schlecht sein, denn der Vertrag mit der “entwendeten” Rufnummer läuft erst einmal weiter und muß separat gekündigt werden, eine “neue” Rufnummer für den alten Vertrag soll es nur auf Antrag geben müssen. Wer solche alten Verträge “vergisst” und brav weiter bezahlt, wird sicher zur Freude der Anbieter beitragen, da man von ihm wenig Anfragen oder Reklamationen erwarten darf, da er ja dort gar nicht mehr telefoniert, solange bis er’s merkt

Warum unser neuer Bundespräsident das Gesetz noch nicht unterschrieben hat, ist mir nicht bekannt. Möglicherweise sind ihm die kostenlosen Warteschleifen noch nicht ganz klar , die Branche ist verzweifelt, weil das technisch etwas kompliziert werden könnte.

Doch das hat sich die Branche aber selbst eingebrockt, denn mit meinem 0700-0800-0900 Konzept ließe sich das ganz einfach lösen.